Fashion Week
Modeliebhaber müssen diese Woche in Berlin sein
Es ist wieder Modewoche in Berlin! Ergänzt um die Modemesse Bread & Butter findet ab Mittwoch die Fashion Week statt. Zum Auftakt demonstrierten die Macher aller Projekte Einigkeit - und das Gesicht der Fashion Week, Julia Stegner, zeigte sich natürlich auch.
Von Alexandra Maschewski
Man war durchweg recht guter Laune am Montag im Hotel de Rome, in der Pressekonferenz zur fünften Modewoche in der Hauptstadt. Während draußen auf dem Bebelplatz die Handwerker noch die letzten Handgriffe am weißen Zelt und dem darunter verborgenen Catwalk zu erledigen hatten, wechselten sich drinnen am Mikrofon routiniert alle involvierten Fraktionen ab: Senat, Sponsor, Julia Stegner, Designerin und Messe-Chefs. Letztere Gruppe repräsentiert von den Geschäftsführern der Premium, die das Projekt Fashion Week von Anfang an vorangetrieben haben. Wenngleich er nicht offiziell zu Wort kam – gekommen war auch Bread&Butter-Chef Karl-Heinz Müller, dessen Rückkehr nach Berlin zu Jahresbeginn nicht alle gleichermaßen euphorisch gefeiert hatten. Sprich, man demonstrierte Einigkeit, zwei Tage vor Start der Schauen, die die Trends für die Saison Frühling/Sommer 2010 aufzeigen und Berlins Profil in Sachen Mode weiter schärfen sollen.
"2007 sind wir mit 15 Schauen gestartet, heute sind es 33 Shows, 25 davon hier am Bebelplatz", leitete Maia Guarnaccia, Vice President IMG Fashion Europe, ein. "In dieser Woche tun wir einen weiteren Schritt auf dem Weg, eine Top-Adresse in der Modewelt zu werden", sagte auch Wirtschaftssenator Harald Wolf. Er hob noch einmal hervor, dass neben etablierten Marken wie Boss oder Strenesse auch viele Nachwuchsdesigner eine Möglichkeit erhielten, ihr Talent unter Beweis zu stellen.
Julia Stegner, zum zweiten Mal Gesicht der Veranstaltung am Bebelplatz, sagte: "Berlin ist einer der wichtigsten Anziehungspunkte in der internationalen Modewelt." Das Model will sich auch die Show der Nachwuchslabels "Black Coffee" aus Südafrika und "Pablo Ramírez" aus Argentinien ansehen.
"Hier in Berlin findet zurzeit alles statt"
Laut Anders Sundt Jensen, Leiter Markenkommunikation Mercedes-Benz Cars, ist die Berliner Fashion Week nach zwei Jahren bereits ein fester Bestandteil unter den Top-10-Veranstaltungen dieser Art. Tatsächlich engagiert sich allein der Autokonzern im Rahmen seines "Lifestyle-Marketing" an mehr als 20 Standorten weltweit. "Ich freue mich riesig auf die Kooperation in den kommenden Jahren", sagte Sundt Jensen. "Hier in Berlin findet zurzeit alles statt, hier muss man vertreten sein."
Gekommen war auch Dorothee Schumacher, deren Marke "Schumacher" am Mittwoch um 10 Uhr nicht nur den Auftakt der Schauen am Bebelplatz macht, sondern die Gelegenheit nutzt, um den 20. Geburtstag zu feiern. "Dies ist eine wunderbare Plattform, um nationale und internationale Presse zu erreichen. Deutsches Design bekommt auf diesem Weg ein ganz neues Standing", sagte die Designerin, deren Firmensitz in Mannheim ist. Hier könne man zeigen, dass mit Deutschland nicht nur Attribute wie Pünktlichkeit und Ordnung zu verbinden seien, sondern auch "Kreativität, Modernität und Sensibilität." Schumacher verlieh jedoch auch ihrer Hoffnung Ausdruck, den Termin in Zukunft näher an die internationalen Schauen zu rücken. Bleibt abzuwarten, ob Karl-Heinz Müller das mitmacht, der die Vorverlegung der Fashion Week um rund zwei Wochen erreicht hatte und im Idealfall 80.000 Besucher in die Waagschale werfen kann, die er auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof erwartet.
Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM), äußerte sich am Montag noch einmal zum Effekt, den dies mit sich bringt: "Die Rückkehr der Bread&Butter in die deutsche Hauptstadt übertrifft unsere Erwartungen. Die Berliner Hotels sind an den drei Messetagen sehr gut gebucht." Zahlreiche Modemacher hätten ihren Aufenthalt in der Stadt sogar bis zum Wochenende ausgedehnt, um noch mehr Berlin zu erleben. "Damit sind die Modemessen eine Konjunkturspritze für die deutsche Hauptstadt. Besonders profitieren die Vier- und Fünf-Sternehäuser der Stadt", sagte Kieker. Insgesamt rechnet die BTM mit mehr als 100.000 zusätzlichen Übernachtungen in der Stadt.
25 Marken wechselten von der Premium zur B&B
Nicht nur Hotelbetten sind gefragt, sondern auch zahlreiche Veranstaltungsorte. "Viele Locations sind ausgebucht", sagte Kieker. "Die Modemessen sind ein wirtschaftlicher Segen für Berlin und unterstreichen gleichzeitig das Image der Stadt als Kreativmetropole. Hier werden die Trends gesetzt." Die BTM hatte zu den Parteien gehört – genauso wie die Berlin Partner GmbH und der Hotel- und Gaststättenverband –, die sich um die Rückkehr der B&B bemüht hatten.
Premium-Geschäftsführerin Anita Tillmann begrüßte Müller am Montag auch beinahe freundschaftlich, wenngleich sie im Anschluss noch einmal betonte: "Es stimmt nicht, dass 100 Marken von uns zur B&B abgewandert sind, es sind gerade einmal 25 und die waren auch nur auf Stippvisite bei uns." Tatsächlich sei die Premium in dieser Saison mit 900 Kollektionen von 600 Designern auf 22.000 Quadratmetern die erfolgreichste seit Beginn vor sechs Jahren. "Wir haben unser Profil noch einmal geschärft, sind noch hochwertiger geworden, haben eine neue Herrenetage und eine ganze Halle mit Accessoires im Portfolio." Mutmaßlich in Richtung Müller, der in Berlin jeanslastige Street- und Urbanwear zeigt, hatte sie schon am Mikrofon gesagt: "Die Fashion Week braucht einen Catwalk und sie braucht Glamour – sonst ist sie nämlich keine."
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