Avantgarde-Mode
Locker bleiben in der Projektgalerie
Montag, 29. Juni 2009 01:21 - Von Alexandra MaschewskiDesign-Newcomer, progressive und avantgardistische Mode findet man während der Fashion Week in einem Innenhof an der Torstraße: Die Projektgalerie residiert im "Hof 96" und muss ohne Sponsoren und ohne Unterstützung vom senat auskommen. Macher Sven Krüger sieht die Krise kommen, bleibt aber ruhig: „Das ist halt Berlin, was willste Dich aufregen."

In dem Innenhof unweit der Torstraße 96 in Mitte liegt ein ziemlich großer Haufen mit ausgefransten Holzbrettern. Sven Krüger wirft nur einen kurzen, genervten Blick in dessen Richtung, murmelt „Das ist halt Berlin“ und öffnet dann die Tür zu seinem kleinen, provisorischen Büro mit abgenutztem Ost-Laminat und plüschigen Stühlen drin. Nur ein Kleiderständer mit wenigen Teilen daran verrät, dass zur Fashion Week rund um diesen Hof die Mode zu Hause sein wird. Wie die Mercedes-Benz Fashion Week auch findet bereits zum fünften Mal der Event „Projektgalerie“ statt.
„In unserem Showroom, der nur Fachpublikum offen steht, sind etwa 20 Marken vertreten. Im Designer-Sale-Bereich etwa 40“ erzählt er und drückt ein wenig hektisch einen Anruf auf seinem Handy weg. Newcomer, progressive und avantgardistische Mode finden hier im „Hof 96“ ein Zuhause. Weniger allerdings als bei der vorangegangenen Auflage, weil der frühere Termin, den Messechef Karl-Heinz Müller (Bread&Butter) vorgegeben hat, für einige Designer aus Großbritannien, Schweden oder Frankreich zu früh ist, so Krüger. Aus Berlin sind im Showroom Label wie Bo van Melskens, Sopopular oder Miroike dabei. Und DJ Hell präsentiert in Kooperation mit dem Label Wendy&Jim erstmalig eine Unterwäsche-Kollektion.
„Ich denke, die Euphorie um die Bread&Butter überspielt die reale Krise in der internationalen Textil- und Modebranche“, sagt Sven Krüger. Natürlich sei die Rückkehr der Bread&Butter „supercool“, doch jede Veranstaltung müsse jetzt um ihren Besucheranteil kämpfen.
Tatsächlich wird man sehen, wie viele Einkäufer sich Zeit nehmen für diese kleine, feine Veranstaltung, über die international schon viel berichtet wurde und die immerhin auch vom Shuttle-Service angesteuert wird. „Die einen sagen, wir seien die wichtigste Image-Veranstaltung der Fashion Week, die anderen halten uns für unwichtig“, sagt Krüger, der gelernter Bekleidungstechniker ist und nun im PR-Bereich arbeitet, schulterzuckend. Projektgalerie organisiert er mittlerweile allein, allerdings mit der Hilfe eines Assistenten und der von ein paar Freiwilligen.
Zuversichtlich ist er, was den Designer-Sale angeht, der sei „beliebt bei alt und jung“. Im Sale-Bereich, der Dienstagabend um 19 Uhr mit dem sogenannten „Night Shopping“ beginnt und bis inklusive Sonnabend täglich von 11 bis 20 Uhr für alle geöffnet ist, sind aus Berlin zum Beispiel Macqua, Penkov und A.D. Deertz dabei. Krüger nimmt die Designer tatsächlich nur auf, wenn sie ihre Ware zum Produktionspreis feilbieten. Teilweise seien deren Teile deshalb auch bis zu 50 Prozent reduziert, die Kreativen verdienten kaum noch daran. „Das ist schon ein echtes Schnäppchen, wenn man einen Pelzmantel von Macqua dann für 370 Euro bekommt“, sagt er.
Die Stimmung auf dem Event sei in der Vergangenheit immer „sehr relaxt“ gewesen: weiße Boxen zum Sitzen, Musik, vielleicht ein Fläschchen Prosecco. Darauf hofft er auch in dieser Woche. „Ich denke, die angespannte Lage wird sich im kommenden Jahr wieder beruhigen.“ Dann ist vielleicht statt dem Bretterhaufen auch endlich das geplante Café im Innenhof zu finden. „Das ist halt Berlin, was willste Dich aufregen“, sagt der Projektgalerie-Chef. Noch einmal. So als wollte er sich selbst beruhigen.














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