29.09.10

Best of Berlin

Das sind Berlins schönste U-Bahnhöfe

Sakral, neo-klassizistisch, ultramodern: Unterschiedliche Architekturrichtungen prägen das Bild der Berliner U-Bahnhöfe. Morgenpost Online stellt zehn schöne Stationen vor und möchte Ihre Meinung wissen. Reden Sie mit!

Foto: Buddy Bartelsen
Architekt Wilhelm Leitgebel baute am Heidelberger Platz eine Station wie eine Kathedrale
Architekt Wilhelm Leitgebel baute am Heidelberger Platz in Berlin-Wilmersdorf eine Station wie eine Kathedrale

Heidelberger Platz - Ein Bau wie eine Kathedrale

Die Stadt Wilmersdorf wollte 1913 mit diesem U-Bahnhof ihren Wohlstand zeigen und setzte durch, dass die Stützen nicht aus Stahl, sondern aus Stein gefertigt wurden. Architekt Wilhelm Leitgebel baute darauf eine Station wie eine Kathedrale. Kreuzgratgewölbe spannen sich über die Gleise, und massive Luster geben dem Bau etwas Sakrales. Diese Atmosphäre macht die Station zu einem beliebten Ort für Filmdrehs. Unbedingt besuchen sollte man auch den Süd-Zugang mit der altertümlichen runden Halle und den Mosaik-Blumengirlanden. Für Fans dieser Bauweise lohnt sich auch eine Fahrt zum U-Bahnhof "Fehrbelliner Platz" und "Hohenzollernplatz".

U-BAHNHOF HEIDELBERGER PLATZ Wilmersdorf, Mecklenburgischen Straße, U3

Märkisches Museum - Station erzählt Stadtgeschichte

Dies ist eines der Meisterwerke des Berliner U-Bahn-Architekten Alfred Grenander. Der Bahnhof mit einem hohen Gewölbedach wurde 1913 unter dem Namen Inselbrücke eröffnet. Seit 1935 ist der Bahnhof nach dem benachbarten Museum benannt – und er gleicht selbst einer Ausstellungshalle. Nach längerem Verfall ließ der Ostberliner Magistrat zum 750-jährigen Jubiläum der Stadt Stuckreliefs fertigen, die an die Stadtgeschichte erinnern. Von 1999 wurde die Station noch einmal denkmalgerecht saniert.

U-BAHNHOF MÄRKISCHES MUSEUM Wallstraße, Mitte, U2

Bundestag - Stilvolle Moderne im Regierungsviertel

Der schöne Spitzname "Kanzler-U-Bahn" klebt an der jüngsten U-Bahnlinie wie Pattex. Ganze drei Station – Hauptbahnhof, Bundestag und Brandenburger Tor – umfasst die Linie U55, die aber eines Tages über Unter den Linden, Museumsinsel, Berliner Rathaus zum Alexanderplatz verlängert werden und dort in die U5 nach Hönow münden soll. Gerade die Station am Bundestag, ursprünglich "Reichstag" genannt, ist ein Hingucker mit den hohen Säulen, die indirekt beleuchtet in die Decke verschwinden. Der Rohbau wurde etwa für Partys mit Robbie Williams und Opernaufführungen genutzt sowie für Filmdrehs von "Resident Evil" und "Aeon Flux".

U-BAHNHOF BUNDESTAG Tiergarten, Konrad-Adenauer-Straße vor dem Paul-Löbe-Haus, U55

Mohrenstraße - Die Moskauer Metro lässt grüßen

Ursprünglich hieß die Station "Kaiserhof" nach einem nahen Luxus-Hotel. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Station zerstört, danach im Stil einer Moskauer Metro wieder aufgebaut, wobei Wände, Pfeiler, Einbauten und sogar die Bänke aus rotem Kalkstein gefertigt wurden. Lange hielt sich das Gerücht, dass das Material aus der zerstörten Reichskanzlei stammte. Nun scheint gesichert, dass es aus einem Bruch in Thüringen kommt. Die Station hieß danach "Thälmannplatz", später "Otto-Grotewohl-Straße", nach der Teilung der Stadt war der Bahnhof der Endpunkt der Linie A. Mit der Einheit bekam die Station ihren heutigen Namen.

U-BAHNHOF MOHRENSTRAßE Mitte, Mohrenstraße/Ecke Wilhelmstraße, U2

Schloßstraße - Schön und scheußlich zugleich

Kaum eine U-Bahnstation hat so einen wilden Look wie die "Schloßstraße". Gestaltet wurde die Station von Ralf und Ursulina Schüler-Witte, die auch den Bierpinsel über dem Bahnhof entworfen haben und das Kongresszentrum ICC. Ein wundervoll scheußliches Beispiel des 70er-Pop-Art-Designs: Blaue Säulen, die wie handbemalt aussehen, die gelben Kunststofflampen und die roten Rohre, die sich die Gleise entlang ziehen.

U-BAHNHOF SCHLOßSTRAßE Steglitz, unter der Schlossstraße, zwischen Schildhornstraße und Zimmermannstraße, U9

Dahlem Dorf - Ländliches Idyll und Fachwerkhaus

Beim Bau des U-Bahnhofs "Dahlem Dorf" wurde der Begriff "Dorf" ziemlich wörtlich genommen. 1913 von Friedrich und Wilhelm Hennings gestaltet, bekam das Empfangsgebäude auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II. eine ländliche Anmutung. Die Architekten nahmen sich ein reetgedecktes Fachwerkhaus im Stile eines norddeutschen Gutshofes zum Vorbild. Durch schmiedeeiserne beschlagene Türen erreichen die Fahrgäste die Halle. Dort erwartet sie eine Kassettendecke im Stil eines Rittersaals. Kein Wunder, dass die Japaner 1987 diesen U-Bahnhof zum schönsten in Europa kürten.

U-BAHNHOF DAHLEM DORF Königin-Luise-Straße, U3

Osloer Straße - Norwegische Flaggen wecken Fernweh

Auf dem Weg vom und zum Flughafen Tegel steigen hier viele Fahrgäste um. An den Wänden der U8 und U9 hängt auf voller Länge immer wieder ein blaues Kreuz auf rotem Grund: die norwegische Fahne. Der Name der Station inspirierte Senatsbaudirektor Rainer G. Rümmler zu der Gestaltung mit den großen Eternitplatten in Blau, Rot und Weiß. Eigentlich sollte der Bahnhof mit schlichten silbernen Blechfolien verkleidet werden, doch so ist es viel hübscher.

U-BAHNHOF OSLOER STRAßE Wedding, Unter der Kreuzung Osloer Straße/Schwedenstraße, U9, U8

Wilmersdorfer Straße - Der Zeitgeist hat sich ausgetobt

Die späteren Bahnhöfe der Linie U7 sind an Kreativität kaum zu übertreffen. Während die ersten Stationen wie etwa die "Yorckstraße" noch sehr schlicht gestaltet sind, schlug gerade bei den Bahnhöfen "Wilmersdorfer Straße", "Richard-Wagner-Platz" oder "Jungfernheide" der Zeitgeist zu. Gelbe und rote Zacken im indianischen Stil prägen die "Wilmersdorfer Straße", wobei Architekt Rainer G. Rümmler mit dem Muster das Wappen des Ortes Wilmersdorf in Mosaikform umsetzen wollte. Schwarz und gelbe Ufos landen am "Richard-Wagner-Platz", und rote-weiße Elemente, die wie eine wilde Industriestudie aussehen, zieren den "Rohrdamm". Keine Frage, auch die Strecke zwischen "Wilmersdorfer Straße" und "Paul-Stern-Straße" ist eine Reise wert.

U-BAHNHOF WILMERSDORFER STRAßE Charlottenburg, Wilmersdorfer Straße/Kantstraße, U7

Wittenbergplatz - Eine pittoreske Zeitreise

Gäste bleiben vor Erstaunen manchmal stehen, wenn sie das erste Mal die großzügige Empfangshalle betreten. Das Gebäude wurde nach den Originalplänen von 1902 restauriert und steht unter Denkmalschutz. Die Eingangshalle im neoklassizistischen Stil ist mit nostalgisch anmutenden U-Bahnschildern an den Abgängen versehen. Alte Werbetafeln, kleine Geschäfte in hübschen Holzhäuschen und ein pittoresker BVG-Schalter runden die Zeitreise ins letzte Jahrhundert ab. Eine Ebene tiefer fahren auf fünf Gleisen die U1, U2 und U3. Auf Bahnsteig I können Fahrgäste ein Schild im Stil der Londoner U-Bahn mit der Aufschrift "Wittenbergplatz" bestaunen – ein Geschenk des britischen Stadtkommandanten an die BVG zum 50. Geburtstag.

U-BAHNHOF WITTENBERGPLATZ Schöneberg, beim KaDeWe, U1, U2, U3

Rathaus Schöneberg - Eingebettet in die Parklandschaft

Die Station wurde 1910 eröffnet und war damals der Stolz der selbständigen Stadt Schöneberg. Der Bahnhof entstand in einer Talsenke, in der zur selben Zeit auch der Stadtpark Schöneberg angelegt wurde. Er trug daher zunächst den Namen "Stadtpark". Die Station ist mit ihrer an einen Lustpavillon erinnernden Silhouette in das Ensemble von Parklandschaft und Rathaus eingebettet. Innen befinden sich zu beiden Seiten Fenster, aus denen man ins Grüne blicken kann. Diese Mischung aus Untergrund-Bahnhof und überirdischer Station ist äußerst selten und wurde etwa noch beim U2-Halt Spittelmarkt angewandt.

U-BAHNHOF RATHAUS SCHÖNEBERG Am Stadtpark, U4

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    U-Bahnhof Heidelberger Platz
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    U-Bahnhof Märkisches Museum
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    U-Bahnhof Bundestag
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    U-Bahnhof Mohrenstraße
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    U-Bahnhof Schloßstraße
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    U-Bahnhof Dahlem Dorf
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    U-Bahnhof Osloer Straße
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    U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße
  • 18%
    U-Bahnhof Wittenbergplatz
  • 10%
    U-Bahnhof Rathaus Schöneberg
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