12.12.08

Ausweichquartier wegen Sanierung

Wie aus dem Berliner Schillertheater eine Oper wird

Im Mai 2010 fällt Unter den Linden der vorerst letzte Vorhang. Dann zieht die Berliner Staatsoper mit allen 555 Mitarbeitern für drei Jahre ins Schillertheater. Die Umbauten für die Übergangsspielstätte verschlingen 20 Millionen Euro. Danach geht es dann zurück ins grundsanierte Haus in Mitte.

Von Volker Blech
Foto: Berliner_Verlag

Der Saal der Staatsoper Unter den Linden muss dringend saniert werden.

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Der Umzug des Ensembles der Staatsoper Unter den Linden in das Schillertheater nach Charlottenburg ist ein logistisch beeindruckendes Unternehmen. Am 31. Mai 2010 fällt in der Lindenoper der letzte Vorhang, tags darauf sollen die 555 Mitarbeiter das Schillertheater in Beschlag nehmen.

Am 3. Oktober 2010 wird die erste Opernpremiere unter Leitung Daniel Barenboims über die Bühne gehen. Es soll eine Uraufführung sein, aber mehr wird derzeit über künstlerische Pläne nicht verraten. Auch nicht über mögliche Kooperationen mit der in derselben Straße residierenden Deutschen Oper. Immerhin drei Jahre lang müssen die beiden Opern-Ensembles in Sichtweite miteinander konkurrieren und kooperieren.

Baukosten: 20 Millionen Euro

Genau diese Geheimniskrämerei, wozu auch noch die ungelöste Intendanten- und Sanierungsfrage der Lindenoper hinzu kommt, hatte in den vergangenen Wochen und Monaten für viel Missstimmung und Gerüchte gesorgt. Aus dem Grunde fand dieser Tage in der Staatsoper eine die Gemüter beruhigende Mitarbeiterversammlung statt, in denen die Umbau- und Umzugspläne konkret vorgestellt wurden.

Am Freitag beantworteten der kommissarische Staatsoperintendant Ronald Adler, sein technischer Direktor Hans Hoffmann und Architekt Andreas Zerr Fragen zu den am 5. Januar 2009 beginnenden Umbauarbeiten des Schillertheaters, die 20 Millionen Euro kosten sollen, und der damit beginnenden Übergangszeit.

Das Fazit: Es wird wie immer bei derartigen Unternehmungen Gewinner und Verlierer geben. Zu den Gewinnern gehört wohl Daniel Barenboims Staatskapelle. Ihre Arbeitsbedingungen dürften sich verbessern. Der neue Orchesterprobensaal hat ein deutlich größeres und damit akustisch angenehmeres Volumen. Und auch der Orchestergraben im Schillertheater wird sich deutlich vergrößern, auch wenn der vordere Teil zum Publikum exakt dem der Lindenoper entspricht. Insgesamt gibt es nach dem Umbau gut 1000 Plätze im Schillertheater, etwa 350 weniger als in der Staatsoper.

Zu den Verlierern gehört Vladimir Malakhovs Staatsballett, das in die Deutsche Oper umziehen muss und im Schillertheater quasi nur noch ein abendliches Aufwärm-Räumchen hat. Insgesamt werden die Büros der Mitarbeiter kleiner, die Kantine beschaulich. Das ist der Preis des Umbaus eines Sprechtheaters in ein Opernhaus.

Das Theater, so Architekt Zerr, ist konzipiert für fünf Solisten und maximal 28 Ensemblemitglieder. Die Oper braucht dagegen allabendlich Räumlichkeiten für Solisten, 120 Musiker, 80 Choristen, möglicherweise Kinderchor, Statisten und andere. Insofern wird der Besucher im denkmalgeschützten Haupthaus erst einmal wenig von den Umbauten bemerken, weil sie hauptsächlich Backstage erfolgen.

Insgesamt stehen vier Gebäude des Schillertheaters zur Verfügung: Linkerhand des Eingangs wird künftig die Intendanz untergebracht. Der größte Knackpunkt ist die zu kleine Bühne, die u.a. auch den Admiralspalast an der Friedrichstraße als Ersatzspielstätte ausschloss. Das Bühnenproblem des Schillertheaters wird dadurch gelöst, dass in das links dahinter liegende Gebäude eine Montagehalle von 560 Quadratmetern als neue Seitenbühne eingebaut wird.

Architekt Zerr betont, dass alle Um- und Neubauten als "Zweckbau, rein funktional" gedacht seien – ästhetisch hätte er einiges anders gemacht. Nach der mindestens dreijährigen Residenz der Staatsoper soll die Komische Oper das Schillertheater als Ausweichspielstätte nutzen können.

Völlig veraltete Bühnentechnik

Der zweite Knackpunkt war die bislang veraltete Bühnentechnik. Der im Krieg beschädigte Schnürboden wird um drei Meter gehoben und erneuert. Architekt Zerr sagt: "Das Schillertheater ist seit seiner Schließung durch den Gastspielbetrieb sehr runtergespielt worden." Technische Einrichtungen sind mittlerweile stillgelegt worden oder fehlen.

Direktor Hoffmann meint, ähnlich wie die Mitarbeiter seien seinerzeit (1993) auch technische Teile auf andere Berliner Institutionen verteilt worden. Keiner möchte sagen, dass Tourneetruppen wohl Scheinwerfer und anderes haben mitgehen lassen. Jedenfalls wird die neue Bühnentechnik acht Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: In der zu sanierenden Lindenoper sind dafür 39 Millionen Euro eingeplant.

Auch in den Rundum-Sanierungsfall Staatsoper scheint wieder Bewegung zu kommen. Nach der Absage an das Saal-Modell des Architekten Klaus Roth und der Neuausschreibung rechnet Adler mit einer Lösung bis Ende Januar. Und aus der Kulturpolitik ist leise zu vernehmen, dass die ausstehende Intendantenfrage bis März/April geklärt seien soll.

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