17.09.08

WHO-Studie

Jeder vierte Berliner Schüler ist krank durch Stress

Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Einschlafprobleme: Immer mehr Schüler klagen über stressbedingte Beschwerden – bereits in der Grundschule. Am stärksten sind Berlins Gymnasiasten betroffen, wie eine Studie der Weltgesundheitsorganisation ergab. Experten machen auch die verkürzten Schulzeiten dafür verantwortlich.

Von Florentine Anders
Foto: DPA
Gymnasium
Besonders Gymnasiasten kommen mit dem Druck in der Schule oft nicht mehr klar

Ein Viertel der Berliner Kinder zwischen 11 und 15 Jahren leiden unter regelmäßigen psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen. Bei den Mädchen trifft es sogar auf jede dritte Schülerin zu. Das geht aus einer Studie unter Schirmherrschaft der Weltgesundheitsorganisation WHO hervor, die Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgestellt hat.

Die Studie wurde in mehr als 40 Ländern durchgeführt. Berlin hat daran zum zweiten Mal teilgenommen. Insgesamt wurden dafür 1300 Schüler in den fünften bis neunten Klassen zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Bei den psychosomatischen Leiden, wie etwa Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Einschlafproblemen ist im Vergleich zu der Studie 2002 ein Anstieg um vier Prozent zu verzeichnen.

Mit zunehmendem Alter nehmen auch die durch Stress und seelische Leiden ausgelösten Beschwerden zu. Aber schon unter den Grundschülern klagen 24 Prozent der Fünftklässler darüber. Der Anteil der Gymnasiasten, die wiederholt unter Niedergeschlagenheit und Gereiztheit leiden, hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt. Über auffällige psychische Probleme wie Depressionen und Ängste berichtet jeder zwölfte Berliner Sc

Druck steigt in der Pubertät

Der Chefarzt der Vivantes-Kinderspychiatrien, Oliver Bilke macht dafür auch den gestiegenen Druck an den Gymnasien durch die Verkürzung der Schulzeit verantwortlich. Die höheren Anforderungen in den siebten und achten Klassen würden gerade mit der schwierigen Entwicklungsphase der Pubertät zusammenfallen. "Zwischen elf und 15 Jahren sind Kinder und Jugendliche besonders labil", sagt Bilke.

Dabei seien Mädchen häufiger von Depressionen betroffen. "Stärker als früher machen sich Mädchen Gedanken über ihr Äußeres", sagt Bilke. Der Körper werde nicht mehr als gegeben hingenommen sondern idealisiert. Auch bei Jungen spiele der Körperkult zunehmend eine Rolle. Das zeigt auch die Studie. So fühlen sich 44 Prozent der Mädchen ein wenig zu dick. Bei der Befragung 2002 waren es noch 39 Prozent. "Dieser Trend ist besorgniserregend", sagte Lompscher.

Arme Kinder werden häufiger gemobbt

Das Schulklima schätzen 18 Prozent der befragten Berliner Schüler als schlecht und 47 Prozent als mittelmäßig ein. Nur 35 Prozent der Schüler ist zufrieden mit dem Schulklima. Auffallend hoch ist der Studie zufolge der Anteil der Schüler die auch von Mobbing berichten. Etwa jeder zweite Berliner Schüler hat Mobbing bereits als Täter oder Opfer erlebt. In vielen Fällen sind Opfer auch gleichzeitig Täter. Drei bis vier Schüler pro Klasse werden ausschließlich Opfer und vier bis sechs Schüler pro Klasse schikanieren regelmäßig andere, ohne selbst gemobbt zu werden.

Kinder aus einkommensschwachen Familien werden laut Studie doppelt so häufig Mobbingopfer wie ihre Mitschüler aus gutsituierten Familien. Dabei schikanieren Jungen häufiger als Mädchen. Hier fehle es an männlichen Vorbildern in den Schulen, sagt Bilke von der Kinderpsychiatrie. Jungen müssten lernen mit ihren Aggressionen angemessen umzugehen. Die Schulverwaltung versucht mit dem Projekt "Buddy" diesem Phänomen entgegenzuwirken. Das Projekt zur besseren Lösung von Streitfällen sei bereits an allen Grundschulen etabliert. 800 Lehrer sind dafür geschult worden.

Zu wenig Bewegung – aber auch weniger Nikotin

Aufschluss gibt die Studie auch über das Gesundheitsverhalten der Heranwachsenden. Die Kinder bewegen sich demnach zu wenig und essen oft ungesund. Unregelmäßig oder gar nicht frühstücken 43 Prozent der Befragten. "Die Schüler müssen lernen, dass Frühstück die nötige Energie für die Hirntätigkeit liefert", sagt Elisabeth Müller-Beck von der Schulverwaltung. Schulprogramme wie "Klasse 2000" sollen das Ernährungs- und Bewegungsverhalten verbessern. Viele Schulen würden Gesundheit auch als Schwerpunkt in ihr Schulprogramm aufnehmen.

Laut Studie ist nur ein Drittel an mindestens fünf Tagen pro Woche körperlich aktiv. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt täglich mindestens eine Stunde Bewegung. Nicht einmal acht Prozent der Schüler erreichen die von der Deutschen Gesellschaft empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Der Tabakkonsum der Schüler ist im Vergleich zu 2002 um sechs Prozentpunkte zurückgegangen. Zwölf Prozent der Befragten geben an, regelmäßig zu rauchen. Die Präventionsmaßnahmen zeigen hier laut Lompscher Wirkung.

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