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City West

Berliner Senat gibt 10 Millionen Euro für Kudamm

Die City West wird entstaubt: Der Kudamm wird aufpoliert und behutsam modernisiert. Der Charme der 70er-Jahre soll verschwinden. Von Beton-Blumenkübeln bis hin zur Neugestaltung des Hardenbergplatzes - Berlins Prachtstraße soll konkurrenzfähig werden. Bis zu zehn Millionen Euro macht das Land dafür locker.

Tauentzienstraße in Berlin
Foto: Lambert
Umgeben von dichtem Autoverkehr auf der Tauentzienstraße können sich Füßgänger im Grünen ausruhen. Doch jetzt soll das 70er-Jahre-Flair aufgefrischt werden

Die City West soll schöner und internationaler werden. Aus dem neuen Städtebauförderungsprogramm „Aktive Stadtzentren“ fließen deshalb ab kommendem Jahr Millionen-Beträge nach Charlottenburg. Klaus-Jürgen Meier, Chef der AG City, lobt die Senatsentscheidung: „Nach 20Jahren, in denen berechtigterweise viel Geld in die City Ost geflossen ist, haben wir am Kurfürstendamm Nachholbedarf.“

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Marc Schulte (SPD), Wirtschaftsstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, rechnet mit acht bis zehn Millionen, mit denen der Straßenzug Tauentzienstraße/Kudamm bis zum Olivaer Platz inklusive Hardenbergplatz verschönert werden soll. Aber auch die Kultur wird gefördert. Die Ideen werden nicht nur mit öffentlichem Geld umgesetzt. Auch Hauseigentümer und Geschäftsleute sollen sich finanziell an den Projekten beteiligen und in die Planung eingebunden werden. Stadtplaner haben bereits ein Projekt-Paket mit einem geschätzten Kostenvolumen von 16,6 Millionen Euro erarbeitet.

Projektbüro im Amerika-Haus geplant

Das erste Grobkonzept enthält etliche Vorschläge. Gestartet werden könnte mit dem Wunsch des Bezirkes, im nicht genutzten Amerika-Haus vis-à-vis vom Bahnhof Zoo ein Stadtmodell der westlichen City auszustellen. „Es wäre aus unserer Sicht außerdem auch der geeignete Ort, um das neue Projektbüro ,Aktives Stadtzentrum Kudamm/Tauentzienstraße' zu installieren“, so Schulte.

Das Amerika-Haus wird vom Liegenschaftsfonds verwaltet, weil es verkauft werden soll. Doch bis es soweit ist, sind Zwischennutzungen möglich. „Wir wollen dort eine Ausstellung über die City West einrichten. Es laufen zwei Ausschreibungen – zum Layout der Schau sowie zu einem Betreibermodell“, bestätigte Marko Rosteck, Sprecher der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eine Entscheidung soll „möglichst noch in diesem Jahr“ getroffen werden.

Nach Auskunft von Irina Dähne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds, gibt es darüber hinaus weitere Zwischennutzungsanfragen – auch von der Bundeszentrale für politische Bildung sowie von Amerika-orientierten Kunstausstellungsbetreibern.

Um Berlins Boulevard konkurrenzfähig zu halten, sind nach Ansicht der Planer keine radikalen Neuanfänge erforderlich. Es reiche die behutsame Aktualisierung des Bestandes im Sinne eines „Updates“, so die „Planungsgruppe Stadt + Dorf“, die das Konzept für den Kurfürstendamm/Tauentzienstraße erarbeitet hat.

Die Entwicklung des Kurfürstendamms sei nach wie vor von einer positiven Dynamik geprägt, attestieren die Planer der Shoppingmeile Nummer eins in Berlin. Dies sei jedoch kein Automatismus. Gezielte Stärkung sei nötig. Der Modernisierungsdruck werde zudem durch eine Reihe von Großprojekten wie dem Aussichtsrad, dem Zoofenster oder der Umgestaltung des Zoobogens verstärkt.

Wirtschaftsstadtrat Schulte verspricht sich von den Fördermitteln sowie der Zusammenarbeit von Öffentlichen und Privaten einen Schub für die City-West: „Auch eine gut funktionierende Straße muss regelmäßig verbessert werden, damit sie die Qualität hält.“ Außerdem gebe es durchaus auch jetzt schon Ecken, die verbesserungswürdig seien.

Vor allem im öffentlichen Straßenland mit dem verstaubten Charme der 60er- und 70er-Jahre soll sich etwas tun. Angefangen bei den nicht mehr zeitgemäßen Blumenkübeln aus Beton bis hin zur Neugestaltung des Hardenbergplatzes. Er soll nicht nur oberirdisch fürs Flanieren verschönert werden, indem die Autos verbannt werden. Unterirdisch könnte er, so die Pläne von Investoren, mit einer Tiefgarage ausgestattet werden. Spätestens wenn Ende 2009 das Aussichtsrad an den Start geht und rund zwei Millionen Besucher jährlich anlockt, könnte diese Investition sinnvoll sein, so der Bezirk.

Wird der "Schlemmer-Pylon" abgerissen?

Überlegt wird zudem, ob der „Schlemmer-Pylon“ an der Marburger Straße abgerissen wird. Der rote Pavillon, ein Relikt der ehemaligen Fußgängerbrücke, die 1965 zur Eröffnung des Europa-Centers gebaut und schon 15 Jahre später abgerissen worden war, beheimatet heute allerdings einen beliebten Imbiss.

Die Stärken ausbauen und die Schwächen abzubauen, ist das Leitbild für die City-West. Dazu sind zunächst vier Leuchtturm-Projekte vorgesehen. Ihr Motto lautet: „City West 3.0 – Bühne, Vielfalt, Internationalität“.

Im Jahre 2011, anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Kudamm“, werden erste Zeichen gesetzt, und der Boulevard wird nach den Vorstellungen der Planer herausputzt: Pflaster, Bänke, Kunst und Blumenschalen sollen erneuert werden. Für die Neugestaltung des Hardenbergplatzes soll es in enger Abstimmung mit dem Bauamt und allen Akteuren einen Wettbewerb geben, der die Jebensstraße ebenso einbezieht wie die Anbindung an den Tiergarten und die Umgebung.

Schulte will aber auch den „Eingängen“ zur City – Nürnberger und Lietzenburger Straße, Budapester Straße/Olof-Palme-Platz, Tauentzienstraße/Urania, Rankeplatz, Olivaer Platz – zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Außer dem Breitscheidplatz sollen auch Joachimstaler Platz und Wittenbergplatz profitieren. Die „Bühnenfunktion“ der Plätze mit Inszenierungen wie „Regionen stellen sich vor“ auszubauen, hat sich Wirtschaftsstadtrat Schulte vorgenommen. Unter dem Motto „Wilde Dächer und neue Orte“ soll es einen Tag der offenen – auch privaten – Dächer geben.

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