Beziehungsdrama in Berlin
20-Jähriger tötet Freundin und begeht Selbstmord
Donnerstag, 4. September 2008 13:29 - Von P. Oldenburger, S. Pletl und A. LierDie junge Frau hat braune schulterlange Haare, blaue Augen, aber einen sehr ernsten Blick: So zeigte sich Vanessa H. im Internet. 19 Jahre ist sie alt geworden – doch jetzt ist sie tot. Ebenso wie ihr 20 Jahre alter Freund, der neben ihr in einer Berliner Wohnung gefunden wurde. Es heißt, die beiden hätten in letzter Zeit oft Streit gehabt.

Ein tödliches Beziehungsdrama schockiert die Anwohner einer kleinen Seitenstraße in Schöneberg. In einem Mehrfamilienhaus an der Menzelstraße in Friedenau wurden am Sonntag eine junge Frau und ein junger Mann leblos aufgefunden. Die zuständige Mordkommission kam am Montag zu dem vorläufigen Schluss, dass der 20-Jährige die junge Frau erwürgt und offenbar wenig später Selbstmord begangen hat.
Tote durch Zufall entdeckt
Nur durch Zufall waren am Sonntagabend in der Einzimmer-Wohnung die Leichen des jungen Paares entdeckt worden. Nachbarn hatten wegen eines Wasserschadens gegen 20.45 Uhr die Feuerwehr gerufen. Bei der Suche nach der Ursache fanden die Feuerwehrleute dann die beiden Toten.
Wie sich herausstellte, handelt es sich bei den Toten um die 19-jährige Vanessa H. und den 20-jährigen Dorian B. aus Wilmersdorf. Bei der Obduktion kam heraus, dass die Auszubildende „durch einen Angriff gegen ihren Hals“ ums Leben gekommen sein muss. Hinweise auf einen unbekannten Täter fehlen.
Keine Hinweise auf Doppel-Suizid
Einen Abschiedsbrief, der etwa auf einen geplanten Doppel-Suizid hindeuten würde, wurde bei der Spurensuche nicht gefunden. Denkbar ist, dass es zwischen dem Paar zu einer Auseinandersetzung gekommen ist, die dann eskalierte. In dem kleinen Appartement müssen sich demnach dramatische Szenen abgespielt haben: Der 20-Jährige wurde tot im Badezimmer entdeckt. Er hatte sich mit einem Duschschlauch stranguliert.
Die 19-Jährige Vanessa H. war erst vor einem Dreivierteljahr in die Wohnung im ersten Obergeschoss gezogen. Es war ihre erste eigene Wohnung. „Sie ist ausgezogen, um zu leben und hat dabei den Tod gefunden“, sagte der Lebensgefährte von Vanessas Mutter am Montag tief erschüttert. Nach Morgenpost-Informationen war die junge Frau mit dem schulterlangen schwarzen Haar und den blauen Augen Auszubildende bei der Stadtbibliothek Neukölln. Da sie gerade Urlaub hatte, wurde sie an ihrer Arbeitsstelle von Kollegen nicht vermisst. Vanessa war erst am vorigen Montag 19 Jahre alt geworden. Bis zum Sommer 2006 hatte sie die Wilma-Rudolph-Oberschule in Zehlendorf besucht, ihre Grundschulzeit hatte sie in zwei Wilmersdorfer Schulen absolviert.
Tatmotiv noch unklar
Wie ihr Freund Dorian stammte Vanessa aus geordneten Verhältnissen. Ihr Vater ist Polizist, die Mutter lebt mit ihrem neuen Lebensgefährten in Wilmersdorf. Die Mutter der Getöteten hatte seit einigen Tagen keinen Kontakt mit der Tochter gehabt. Dorian, dessen Mutter aus Afrika stammt, war noch offiziell bei seinen Eltern in der Nassauischen Straße gemeldet. Der Vater arbeitet als Krankenpfleger.
Wie eine enge Freundin von Vanessa am Montag berichtete, waren die beiden seit August 2007 ein Liebespaar. In jüngster Vergangenheit habe es jedoch häufig Streit gegeben. Vanessa habe sich darüber beschwert, dass Dorian zu bequem sei, nicht arbeite – während sie eifrig ihre Ausbildung vorantrieb.
Wie groß ihre Liebe war haben die jungen Leute in einem Video im Internet dokumentiert: Auf der Video-Plattform www. youtube.de stellte Dorian B. unter dem Pseudonym NewShadow007 einen knapp achteinhalb Minuten langen Liebesfilm ein. Unter der Überschrift „Mein Schatziii … ich liebe Dich!“ zeigte das Paar Kuschel- und Liebesfotos. Dazu kommen romantische Texte: „Du bist mein ein und alles“, schrieb Dorian B. „Ich würde mein Leben geben, damit du dein Leben weiterführen kannst.“ Untermalt ist das Video, das offenbar im Dezember vergangenen Jahres eingestellt wurde, mit einem Song von Avril Lavigne. Das Filmchen sei „noch eine Rohfassung“, schrieb der 20-Jährige. Es endet mit den Worten: „Das ist das bittersüße Ende“.























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