Rede am Brandenburger Tor
Wie Wowereit mit Obama punkten will
Mittwoch, 9. Juli 2008 07:21Barack Obama kommt am 24. Juli in die Hauptstadt und versetzt schon jetzt das politische Berlin in helle Aufregung. Wer darf sich mit dem Hoffnungsträger der US-Demokraten schmücken? Die Kanzlerin will, der Vizekanzler auch – und der Regierende Bürgermeister. Darum geht Klaus Wowereit in die Offensive.
Alle sind angesteckt vom Obama-Fieber. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will ihn empfangen. Ihr möglicher Gegenspieler im nächsten Bundestagswahlkampf, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), buhlt auch schon um einen Termin. Und noch einer will Obama mit aller Macht treffen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Denn für den Berliner Senatschef geht es um viel mehr, als um einen höflichen Empfang.
Obama am Brandenburger Tor, dem Symbol der Einheit Deutschlands – diese Bilder werden um die Welt gehen. Am Montag wurde aus dem Umfeld des Kandidaten für die US-Präsidentschaft eine grundlegende Rede zur deutsch-amerikanischen Freundschaft angekündigt. Berlin ist als Bühne beliebt bei den Amerikanern. John F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“ ist tief im gesellschaftlichen Gedächtnis der USA eingegraben. Und auch Ronald Reagans Forderung „Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder“ gehört zu den Sätzen, die in die Geschichtsbücher eingingen. Übrigens ausgesprochen vor dem Brandenburger Tor.
Für Obama, der sich in Amerika gern als neuer Kennedy und Garant für einen Politikwechsel darstellt, bildet Berlin also die wunderbare Kulisse für den laufenden Wahlkampf. Und genau das ist das Problem. Denn Angela Merkel wird Obama gern im Kanzleramt empfangen. Doch eine Statistenrolle als Wahlkampf-Helferin für den Demokraten am Brandenburger Tor – das wird für die CDU-Parteivorsitzende nicht in Frage kommen. Diesen Auftritt will sich ein anderer sichern: Klaus Wowereit drängt es auf die weltpolitische Bühne. Auch er weiß um die Wirkung der Bilder. So war es Willy Brandt, der damals im Juni 1963 neben dem Hoffnungsträger Kennedy durch die Stadt fuhr und davon schließlich politisch profitierte. Mit Brandt verbanden viele ähnliche Attribute wie mit Kennedy: Aufbruch, Neues wagen und die Freiheit verteidigen. Brandt wurde Bundeskanzler. Und Wowereit? Er will es werden.
So ist es zu verstehen, dass in Zeiten des deutschen Vorwahlkampfes aus dem Bundeskanzleramt Bedenken gegen eine Obama-Show am Brandenburger Tor kommen. Eine Show, die Wowereit nutzen will, um den Menschen zu zeigen, dass er nah dran ist an den Mächtigen der Welt. Sollte Obama der erste dunkelhäutige Präsident der Amerikaner und Wowereit möglicherweise 2013 Kanzlerkandidat der SPD werden, werden die Fotos aus dem Juli 2008 wieder auftauchen. Klar ist: Es geht nicht um die Inhalte der Rede, die Obama halten wird, es geht um die Bilder und ihre Wirkung in den Köpfen der Menschen. Für den Wahlkämpfer Obama, wie für Wowereit.BMO























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