Kopf abgerissen
Wachs-Hitler-Attentäter bereut seine Tat
Samstag, 12. Juli 2008 11:46Frank L. war der zweite, der am Sonnabend nach der Eröffnung eine Eintrittskarte für das Berliner Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds kaufte. Kaum hatte er sie, lief er direkt zu der Hitler-Figur und riss ihr den Kopf ab. Mittlerweile tue ihm dies aber schon wieder leid, sagte L. nun Morgenpost Online. Es sei bei der Aktion um eine Wette gegangen, aber nicht um Geld.

Der Anschlag auf die Wachsfigur von Adolf Hitler ist offenbar das Resultat einer Wette – die der Täter schon wieder bedauert. Der 41-jährige Frank L., der der Figur nur wenige Minuten nach der Eröffnung der Ausstellung den Kopf abgerissen hatte, sagte Morgenpost Online, er habe am Freitagabend mit Freunden in einer Kneipe gesessen und über die Hitler-Figur gesprochen. "Ich habe dann gesagt, ich werde etwas dagegen tun. Meine Freunde meinten, ich würde mich ja doch nicht trauen." So sei dann eine Wette entstanden, bei der es aber nicht um Geld, sondern nur um Ruhm gegangen sei. Die Tat selbst habe er dann nicht lange geplant, sagte L. Mitterlweile bedauere er sie auch schon wieder: "Gestern hätte ich gesagt, ich fühl mich gut. Aber heute tut es mir ehrlich gesagt schon wieder leid, was ich da getan habe", sagte er.
Ob die Hitler-Figur auch künftig bei Madame Tussauds in Berlin stehen wird, ist weiterhin unklar. Eine Reparatur der 200.000 Euro teuren Puppe würde mindestens zwei Monate dauer, sagte ein Mitarbeiter. Am Montag soll eine Entscheidung über die Zukunft der Figur fallen.
Die Hitler-Figur war bereits vor Eröffnung der Ausstellung sehr umstritten. Auch nach der Attacke sagte der Grünen-Parteivorsitzende Reinhard Bütikofer, die Figur aufzustellen sei "eine Banalisierung von Verbrechen". "Das finde ich nicht hinnehmbar." Der Berliner SPD-Abgeordnete Frank Zimmermann begrüßte die Attacke sogar. "Es ist schon eher eine Kunst, Hitler den Kopf abzureißen, und weniger eine Kunst, Hitler überhaupt aufzustellen“, sagte er. Linke-Parteichef Lothar Bisky hingegen nannte den Übergriff "kulturlos“. Der Kampf gegen rechtes Gedankengut sei nötig, aber das Abreißen eines Kopfes sei "nicht das richtige Kampfmittel“. Der Widerstand gegen Rechts müsse energisch, aber gewaltfrei geführt werden.
Die Veranstalter hatten vor Ausstellungsbeginn gesagt, die Figur sei unentbehrlich für die Ausstellung. Sie hatten zudem auf eine Umfrage verwiesen, der zufolge die meisten Befragten den Diktator als historische Figur bei Madame Tussauds sehen wollten.hhn/plet/dpa/ddp/sh























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