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Messegelände
Deutschlandhalle soll erst 2011 fallen
Donnerstag, 31. Juli 2008 22:13
Das Internationale Congresscentrum (ICC) bleibt, dafür wird aber die Deutschlandhalle abgerissen, so viel steht fest. Doch offen ist noch, wann die Eissporthalle fallen wird. Die Mehrheit der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf sprach sich nun für eine Erhalt bis 2011 aus. Nur die FDP ist dagegen.
Die Deutschlandhalle wurde 1935 zu den Olympischen Spielen von Franz Orthmann und Fritz Wiemer für 10.000 Zuschauer als "größte Mehrzweckhalle der Welt" errichtet.
Die deutsche Flugpionierin Hanna Reitsch führte 1938 in einer Revue den Hubschrauber FW61 vor. Reitsch stellte mit dem FW61 sämtliche für Drehflügler möglichen Weltrekorde auf. In der Deutschlandhalle demonstrierte sie auf einer Fläche von 100 mal 40 Metern vor tausenden Zuschauern Vorwärts-, Rückwärts-, Seitwärts- und Schwebeflug.
Im Krieg fielen während einer Vorstellung von "Menschen Tiere Sensationen" Bomben auf die Halle. Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt nannte sie bei der Wiedereröffnung im Oktober 1957 "ein Symbol für den Lebenswillen der geteilten Stadt".
In der Folge fanden legendäre Konzerte und Wettkämpfe in der Deutschlandhalle statt, so etwa der Schau-Kampf von Box-Weltmeister Muhammad Ali (l.) gegen den deutschen Box-Meister Georg Butzbach am 4. Juni 1979.
Im November 1967 fand der Bistumstag in der Deutschlandhalle statt. Bischof Kurt Scharf (l.) im Gespräch mit dem katholischen Ostberliner Erzbischof Alfred Kardinal Bengsch und dem Berliner Senator für Wissenschaft und Kunst, Werner Stein (r.).
Es folgte die Sendung "Der Goldene Schuss" mit Showmaster Vico Torriani und seinen Assistentinnen Ina, Barbara und Alexandra (v.l.). Mit der 25. Ausgabe der ZDF-Show in der Deutschlandhalle kam am 25. August 1967 die farbige Fernsehwelt in die deutschen Wohnzimmer.
Auch das Sechstagerennen fand damals in der Deutschlandhalle statt. Das belgische Duo Eddy Merckx (r) und Patrick Sercu (l) gewann 1977. In ihre Mitte: Klaus Bugdahl, der erfolgreichste deutsche Sechstagefahrer, der nach 218 Rennen mit 37 Siegen seine Profi-Laufbahn beendete.
1998 wurde die Halle dann geschlossen und wegen Baufälligkeit zum Abriss vorgesehen, jedoch nach dem Abriss der benachbarten Eissporthalle 2001 ersatzweise zur temporären Eissportarena umgebaut. Zum Abschluss der Umbauarbeiten testete die Senatorin für Wirtschaft und Technologie, Juliane Freifrau von Friesen, das Eis.
2005 wurde die Halle dann erneut geschlossen wegen angeblicher Einsturzgefahr des Daches. Nach Belastungstests gab es jedoch Entwarnung, und ab März 2006 fand wieder Eissport in der Deutschlandhalle statt.
Basketball, Reiten - oder auch Tennis. Kaum eine Sportart fand in der Halle nicht ihr Zuhause. 1991 wurde hier das Tennis-Daviscup-Viertelfinale zwischen Deutschland und Argentinien ausgetragen.
Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen steuerte 1995 seinen Kart beim ADAC-Super-Kart-Festival in einer rasanten Kurvenfahrt auf dem Kurs in der Berliner Deutschlandhalle.
Die britische Königin Elisabeth II. besuchte am 20.Oktober 1992 mit Prinz Philip (r.) und dem Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (l.) in der Deutschlandhalle das militärische Zeremoniell British Tattoo.
Vor allem während der Musikmesse Popkom gaben sich Topmusiker in der Deutschlandhalle die Klinke, beziehungsweise das Mikrofon, in die Hand, hier die "Sportfreunde Stiller".
Zu Tausenden Veranstaltungen kamen weit mehr als 30 Millionen Besucher in die Deutschlandhalle. Nun ist ihr Ende beschlossen. Die Vorbereitungen für den Abriss werden umgehend eingeleitet.
Die Deutschlandhalle soll erst dann abgerissen werden, wenn die Eissportler
ihre neue Halle an der Glockenturmstraße nutzen können. Das fordern
parteiübergreifend die Mitglieder der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV)
Charlottenburg-Wilmersdorf. Nur die FDP stimmte nicht zu. Nach Meinung der
anderen Parteien sollte es einen "Abriss auf Vorrat" schon deshalb
nicht geben, um den Eissportlern bis zur geplanten Fertigstellung der
Ersatzhalle 2011 keine jahrelange Heimatlosigkeit zuzumuten.
Das werde die SPD nicht widerstandslos
hinnehmen. Der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Carsten Engelmann
monierte, dass der Senat zeitgleich mit der Bereitstellung von elf Millionen
für die neue Halle im nächsten Jahr auch der Messe Berlin das Geld für den
Abriss der Deutschlandhalle freigeben will. "Das könnte für die
Eissportler bereits Mitte 2009 das Ende ihrer Arbeit in der Deutschlandhalle
bedeuten", kritisiert er.
Die Vermutung der FDP, dass "durch die Hintertür" versucht
werde, den Betrieb in der Deutschlandhalle aufrechtzuerhalten, wies
Engelmann zurück: "Uns geht es darum, dass wir das zwei Jahre
langes Provisorium für die Eissportler ablehnen. Sport-Staatssekretär Thomas
Härtel erkundigt sich schon bei Firmen in Siemensstadt nach freistehenden
Fabrikhallen. Doch es gibt bislang keine möglichen Ersatzstandorte."
Die BVV beauftragte das Bezirksamt, sich beim Senat dafür einzusetzen, dass
die Deutschlandhalle nicht abgerissen wird, bevor die Ersatzsporthalle mit
zwei Standardeisflächen errichtet ist. Die neue Eissporthalle soll auf dem
landeseigenen Parkplatz nahe der Waldbühne gebaut werden. Die Anlage soll
wie bislang die Deutschlandhalle auch dem organisierten Eissport für den
Trainings- und Wettkampfbetrieb dienen. Etwa 800 Amateur-Eishockeyspieler -
das Gros Kinder und Jugendliche - nutzen sie.
Die 1935 errichtete und 1956/57 wieder aufgebaute Deutschlandhalle war für
mehr als 4,5 Millionen Euro 2001 als Interims-Ersatz für die Eissporthalle
an der Jafféstraße umgebaut worden. Die Halle Jafféstraße musste damals dem
Südeingang der Messe weichen.