Auf "berlin.de"

Firma sucht Statisten für Nato-Kriegsübung

Statisten sollen für zwei Wochen an einer möglichst realitätsnahen NATO-Übung mitwirken - und gut Russisch sprechen.

Foto: dapd

Diese Stellenanzeige lässt aufhorchen: Gesucht werden "Russisch-Rollenspieler/innen für NATO-Übungen", wie es auf dem offiziellen Stadtportal berlin.de heißt. Bei der Website handelt es sich um ein Angebot der Berliner Senatsverwaltung, das in Kooperation mit der BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG erstellt wird und auch Stellenangebote von der Bundesagentur für Arbeit aufführt. Hinter der Anzeige steht die "Optronic HR GmbH". Konkret geht es um Folgendes: Statisten sollen für zwei Wochen an einer möglichst realitätsnahen Nato-Übung für Soldaten mitwirken.

Der Job umfasst auch die Wochenenden und wird mit mindestens 88,40 Euro pro Tag vergütet. "Gesucht werden Statisten für Rollenspiele bei Trainingseinsätzen der U.S. Army. Durch die Statisten wird die Zivilbevölkerung in Krisengebieten dargestellt. Dadurch wird ein realitätsnahes Übungsszenario für die Soldaten und somit eine optimale Vorbereitung für deren Auslandsmissionen erreicht", heißt es in der Stellenanzeige.

Die Übung findet auf einem Militär-Trainingsgelände im bayerischen Hohenfels statt. "Auf dem Übungsgelände sind bis zu 10 Dörfer künstlich angelegt, die jeweils aus 10 bis 30 Häusern bestehen", heißt es weiter. Und das ist die konkrete Aufgabe: "Die Teilnehmer spielen kleine Statistenrollen wie z. B. ein Viehzüchter, Ladenbesitzer oder auch der Bürgermeister eines Dorfes in Afghanistan, der hin und wieder auch mit den anwesenden U.S. Streitkräften vermittelt und verhandelt." Explizit erforderlich: "Gute Sprachkenntnisse in Russisch." Offenbar soll also ein Krisengebiet simuliert werden, in dem die Normalbevölkerung Russisch spricht.

Teilnehmer bewohnen die simulierten Dörfer auf dem Gelände

Auch Englischkenntnisse, Belastbarkeit, Teamfähigkeit, Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein sind der Ausschreibung zufolge nötig. Verpflegung und Unterbringung für die Rollenspieler sind ebenfalls gewährleistet: "Die Unterbringung erfolgt in Stockbetten in Soldatenunterkünften oder Häusern und Zelten auf dem Übungsgelände. Es sind getrennte Toiletten und Waschräume für Damen und Herren vorhanden", heißt es. Und: " Das Verlassen des Kasernengeländes ist während der gesamten Veranstaltungsdauer nicht möglich (Ausnahme: Arztbesuch)." Immerhin: Die Häuser in den Dörfern sind mit Heizung und Elektrizität und meist auch mit Wasseranschluss (Toiletten, Waschmöglichkeit) ausgestattet."

Für Langschläfer ist der Job allerdings nicht geeignet. Der Arbeitstag beginnt "im Regelfall" um 5 Uhr, der Einsatz startet täglich um 7. Alkoholkonsum ist auf dem Truppenübungsplatz streng verboten. Und das wird auch kontrolliert – von der "Military Police" via Atemalkoholtest.

Russland plant den Nachbau des Berliner Reichstags zu Übungszwecken

Auch in Russland will man übrigens sehr realitätsnah für Einsätze trainieren. Der Staat plane, im Militär-Freizeitpark Kubinka westlich von Moskau in kleinerem Maßstab den Berliner Reichstag nachzubauen, wie Verteidigungsminister Sergej Schoigu im März angekündigt hatte. Junge militärbegeisterte Menschen sollen demnach üben, wie man ein Gebäude stürmt. Schoigu sagte, im "Patrioten Park" würden auch weitere Schauplätze des Zweiten Weltkrieges nachgebaut. Die Besucher sollten die Atmosphäre der damaligen Zeit nachfühlen und sich selbst im "Überlebenskampf versuchen" können.

Das Vorhaben wurde von der Bundesregierung kritisiert. "Die Idee ist überraschend und spricht für sich", sagte Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Reaktion auf die Ankündigung. Das russische Verteidigungsministerium wies die Kritik als unbegründet zurück.

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