Käthe Kollwitz soll weichen

Standortstreit: Wohin soll das Exilmuseum?

Eine Initiativgruppe möchte mit dem Exilmuseum an die Fasanenstraße ziehen. Die Empörung ist groß.

Wurde in den vergangenen Jahren modernisiert: Das Käthe-Kollwitz-Museum an der Fasanenstraße in Charlottenburg

Wurde in den vergangenen Jahren modernisiert: Das Käthe-Kollwitz-Museum an der Fasanenstraße in Charlottenburg

Foto: Reto Klar

Die Idee, in Berlin ein Exilmuseum zu in­stallieren, ist nicht neu. Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller spricht bereits seit vier Jahren von dem Vorhaben, ein solches Haus aufzubauen. Ein Haus, das das Leben der vor NS-Diktatur und Nazi-Regime Geflohenen abbildet. Die Diskussion um das Exilmuseum hat nun neue Fahrt aufgenommen. Der Verein "Gegen Vergessen – Für Demokratie" hat Anfang dieser Woche einen Appell an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) veröffentlicht. Darin schrieb der Vereinsvorsitzende Bernd Faulenbach: "Der Aufbau eines derartigen Museums ist von nationaler Bedeutung." Die Unterstützung einer solchen Einrichtung sei Aufgabe der öffentlichen Hand. Was sich bei Faulenbach noch sehr vage anhört, wird abseits der Öffentlichkeit bereits konkret diskutiert – zumindest der Standort des Exilmuseums.

Ein schlüssiges Konzept steht noch aus

Denn auch wenn sich eigentlich alle einig sind, dass so ein Ort wichtig ist, auch dass Berlin ihn braucht, ist man sich uneinig darüber, wo das Museum entstehen soll. Dass die Planung darum allerdings schon weiter ist als bisher angenommen, das wird erst jetzt klar. Bevor ein Konzept für das Museum vorgelegt, bevor überhaupt entschieden ist, was man dort sehen kann, hat sich ein Konflikt um die Standortfrage entzündet: Eine Initiativgruppe, die sich um Herta Müller eingefunden hat, möchte mit dem Exilmuseum in die Räume des Käthe-Kollwitz-Museums an der Fasanenstraße in Charlottenburg einziehen.

Vermieter der Immobilie ist der ehemalige Geschäftsführer der benachbarten Villa Grisebach, Bernd Schultz. Er macht sich nun stark für das Exilmuseum in diesen Räumen. 2020, heißt es, wolle man es eröffnen. Damit man das Haus für das Museum umbauen könne, solle das Kollwitz-Museum schon Anfang 2019 ausziehen. Es müsste sich dann also einen neuen Standort suchen.

Diese Pläne haben Iris Berndt, Direktorin des Kollwitz-Hauses, völlig überrascht. Sie habe bisher intensiv mit Schultz zusammengearbeitet, sagt sie. Man habe den Standort gestärkt und aufgewertet. Ein neuer Museumsshop wurde installiert, ein Audioguide angeschafft, das Haus gemalert. Vergangenen Herbst erst hat das Museum ein neues Depot für die umfangreiche Grafiksammlung der Künstlerin erhalten.

Gegen die Umsiedlungspläne hat der Kollwitz-Freundeskreis protestiert, auf der Mitgliederversammlung am Montag wurde heftig debattiert. "Bevor man über den Standort entscheidet, sollte erst über das Konzept des Exilmuseums diskutiert werden", sagte Eberhard Diepgen, Vorstandsvorsitzender des Trägervereins vom Kollwitz-Museum. Man solle sich erst einmal Klarheit darüber verschaffen, was im Exilmuseum thematisiert werden soll: Die Biografien bildender Künstler, die vom NS-Regime vertrieben wurden? Oder die von Wissenschaftlern? Literaten? Einfachen Arbeitern? Will man umfassend auf verschiedene Exilsituationen eingehen, dann sei das Kollwitz-Haus als Museumsheim zu kurz gedacht. Und selbst wenn die Räume infrage kommen, wo soll das Kollwitz-Museum dann hin?

Das Palais am Festungsgraben kommt auch infrage

Ginge es nach der Initiativgruppe, gäbe es dafür eine Lösung: Das Kollwitz-Museum könne in ein Haus an der Karl-Marx-Straße in Neukölln umsiedeln, heißt es. Damit verändert sich nicht nur das Umfeld des Museums, man fürchtet auch, dass Touristen, die das Haus in der City West gut erreichen, nicht nach Neukölln mitziehen. Die Angst, die dahintersteckt: Wird die Existenz des Kollwitz-Museums infrage gestellt?

Diepgen, der auch im Verein "Gegen Vergessen – Für Demokratie" aktiv ist, die Idee eines Exilmuseums also eigentlich unterstützt, sieht das Palais am Festungsgraben in Mitte als einen möglichen Standort für das Exilhaus – in unmittelbarer Nähe zu Käthe Kollwitz' Bronzeskulptur in der Neuen Wache. Die Initiativgruppe um Schultz, der auch der ehemalige Direktor des Deutschen Historischen Museums, Christoph Stölzl, und der ehemalige Kulturstaatssekretär André Schmitz angehören, will sich dazu nicht äußern. "Ehe kein Gespräch mit dem Kollwitz-Museum geführt und Klarheit geschaffen ist, soll die Standortfrage des Exilmuseums in der Öffentlichkeit nicht weiter beantwortet werden", sagte Schultz. Auch ein schlüssiges Konzept für das Exilhaus bleiben die Verantwortlichen schuldig. Kulturstaatsministerin Grütters, an die sich der Appell des Vereins "Gegen Vergessen – Für Demokratie" richtete, wollte sich am Donnerstag noch nicht äußern.

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