Klinikum Buch

An Masern erkranktes Baby in Klinikum

Im Klinikum Buch ist ein Kind mit Masern eingeliefert worden. Die Gesundheitsbehörden suchten die Kontaktpersonen.

Ein Impfbuch mit markierten Feldern Diphterie,  Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio und Masern (Archivbild)

Ein Impfbuch mit markierten Feldern Diphterie, Tetanus (Wundstarrkrampf), Pertussis (Keuchhusten), Polio und Masern (Archivbild)

Foto: Daniel Karmann / dpa

In der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Buch ist ein neun Monate alter mit Masern infizierter Säugling eingeliefert worden. Nach einer Mitteilung des Gesundheitsamtes Reinickendorf wurde das Baby aus Reinickendorf bis zum 10. Februar in der Abteilung für Onkologie und Hämatologie des Helios-Klinikums an der Schwanebecker Chaussee behandelt.

Infiziert war es vermutlich schon vor der Aufnahme in die Klinik. "Wir sind inzwischen sicher, dass das Baby Masern hatte. Während seines Aufenthalts in der Kinderklinik war es hochansteckend", sagte Gesundheitsamtsleiter Patrick Larscheid am Mittwoch der Berliner Morgenpost. Das Gesundheitsamt warnte, dass das Baby mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Mitpatienten aber möglicherweise auch Besucher und medizinisches Personal angesteckt habe.

Da die meldepflichtige Krankheit nahezu immer auf Personen übertragen wird, die nicht durch Impfungen oder Vorerkrankungen bereits immun sind, müsse nun das für Buch zuständige Gesundheitsamt Pankow mit der Klinik alle Personen ermitteln, die in Kontakt mit dem kranken Säugling gekommen sind. "Das werden etwa 20 andere Patienten sein", schätzt Amtsarzt Larscheid. Betroffen sein könnten aber auch Angehörige der Mitpatienten und das Klinikpersonal. "Es wird für alle Beteiligten eine detektivische Arbeit", sagte Larscheid.

Das Ziel ist es zu verhindern, dass Kontaktpersonen des Reinickendorfer Säuglings unwissentlich andere infizieren. Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen rund zehn Tage.

Wie das Klinikum am Freitag schließlich mitteilte, habe es keine weiteren Masern-Infektionen gegeben, weder bei Mitpatienten, noch bei Mitarbeitern. "Der Kreis der Kontaktpersonen war offenbar deutlich kleiner als zunächst befürchtet", sagte Reinickendorfs Gesundheitsamtsleiter Patrick Larscheid am Freitag. Es habe jedoch eine reale Ansteckungsgefahr für jeden bestanden, der mit dem Baby in Kontakt gekommen sei, ohne immunisiert worden zu sein.

Fragen und Antworten zum Thema Masern

Behörden rufen Bürger zu Impfungen auf

Die Gesundheitsbehörden befürchten ohnehin eine neue Masernwelle in Berlin. Waren in der fünften Kalenderwoche erst in drei Berliner Bezirken Masern aufgetreten, so sind nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung aktuell bereits in sechs Bezirken Fälle der meldepflichtigen Infektionskrankheit registriert worden. Allein in Reinickendorf sind neben dem Fall in Buch seit Dezember acht Masernfälle gemeldet – die in diesem Jahr höchste Zahl unter den Berliner Bezirken. In Mitte gibt es derzeit drei Masernkranke, in Spandau und Marzahn-Hellersdorf jeweils zwei. In Friedrichshain-Kreuzberg und Treptow-Köpenick ist jeweils eine Infektion gemeldet worden.

Mit aktuell 17 Erkrankten ist Berlin derzeit von einer Masernepidemie wie vor zwei Jahren zwar noch weit entfernt. Im Februar 2015 waren in der Stadt bereits 473 Menschen mit Masern infiziert. Weil sich die Krankheit aber schnell verbreitet, raten Mediziner und Gesundheitsämter nun zur Vorsicht. "Das kann jederzeit explodieren", sagte Patrick Larscheid.

Die Gesundheitsbehörden rechnen mit weiteren Fällen. "Angesichts des neuerlichen Ausbruchs in Reinickendorf sollte man kein unnötiges Risiko eingehen und die notwendige Impfung gegen Masern jetzt vornehmen lassen", appellierte Reinickendorfs Gesundheitsstadtrat Uwe Brockhausen (SPD). Berlins Staatssekretär für Gesundheit, Boris Velter, begrüßte am Mittwoch die schnelle Reaktion des Bezirks auf die gehäufte Zahl der Masernfälle. "Das Land Berlin unterstützt das Ziel der Weltgesundheitsorganisation, die Masern durch entsprechend flächendeckende Impfungen komplett von der Liste der Infektionen zu löschen", so Velter. "Deshalb ist jeder einzelne Masernfall einer zu viel."

Weltweit sterben täglich 400 Kinder an Masern

2015 starb ein 18 Monate alter Junge in Reinickendorf an Masern-Erkrankung

Während der Masernwelle 2015 war in Reinickendorf ein 18 Monate alter Junge infolge der Masern gestorben. Doch die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI) werden nicht flächendeckend befolgt. Danach sollten Kleinkinder zwischen dem elften und 24. Lebensmonat zweimal geimpft werden. Allen Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden, rät das RKI zu einer Impfung. Die bundesweit angestrebte Impfquote von 95 Prozent wird in der Stadt nicht erreicht. Im Jahr 2015 waren nur 79,1 Prozent der Zweijährigen in Berlin zweimal geimpft.

Mit neun Monaten ist das Baby aus Reinickendorf noch nicht im impffähigen Alter. "Umso wichtiger wäre es", so Gesundheitsamtschef Larscheid, "dass potenzielle Kontaktpersonen geimpft sind." Nur so kämen die Säuglinge nicht in Gefahr.

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