Neue Modelle

Leicht und faltbar: Das sind die Radtrends im Jahr 2017

Das Rad wird 200 Jahre alt: Viele Städter fahren damit zur Arbeit. Hersteller konstruieren Modelle für Pendler.

200 Jahre Fahrrad / Kalkscheune / Tipps und Trends 2017

200 Jahre Fahrrad / Kalkscheune / Tipps und Trends 2017

Foto: Reto Klar

Immer kleiner, immer leichter: 2017 passen viele Fahrräder in den Rucksack. Der Helm sogar in die Laptoptasche. Viele Menschen pendeln mit dem Fahrrad zur Arbeit, oft durch engen Stadtverkehr. "Heute stellen wir Modelle her, die man mit einem Klaps unter den Schreibtisch stellen kann", sagte Gunnar Fehlau, Geschäftsführer von Pressedienst Fahrrad, einem Informationsdienst, hinter dem mehrere Fahrradfirmen und Vereine stehen. "Modelle, die so leicht und schick sind, dass man lieber Umweg fährt."

In diesem Jahr wird das moderne Fahrrad 200 Jahre alt. Mehrere Messen und Ausstellungen finden in Deutschland und auch Berlin statt (siehe Infokasten). Seit der Geburt hat das Fahrrad an Gewicht verloren, ist teilweise deutlich geschrumpft. Statt Hochrad: Klapprad. "Cityräder heißen die inzwischen häufig", sagt Fehlau. "Das klingt nicht so uncool."

Zehn Kilo pro Fahrrad, Rucksackgröße

Die Preise für Klappräder seien in den letzten Jahren nach unten gegangen: 1600 Euro sollte man laut Fehlau trotzdem für ein hochwertiges Faltrad einplanen. Die Modelle bringen meist zwischen zehn und 15 Kilo auf die Waage. Einige reichen auch ausgeklappt von Boden bis zum Lenker nur 90 Zentimeter hoch, passen unter den Schreibtisch.

Für größere Modelle gibt es inzwischen so etwas wie Fahrradparkhäuser, mit beliebigen Modulen. "Bike and Business Station" heißt der Trend. Unternehmen können sich für ihre Mitarbeiter die Parkhäuser zubauen. Im ersten Stock: Fahrradständer. Optional: mehrere Etagen mit Duschen, Umkleideräumen und sogar eine Reparaturwerkstatt.

Für den Berliner Stadtverkehr empfiehlt Fehlau ein leichtes Rad, das sich auch ins Haus nehmen lässt. Einfache Nabenschaltung. Schmale Lenker "wegen des Verkehrs". Außerdem Zahnriemen. "Die muss man nicht ölen, bei Kälte halten die länger", sagt Fehlau. "Am Ende aber muss es zum Lifestyle und zum Portemonnaie passen."

Nachfrage nach E-Bikes in Berlin noch schwach

Pro Fahrrad solle man wenigstens 700 bis 800 Euro in die Hand nehmen. In Berlin wolle sich das nicht jeder leisten. "Viele hier haben Angst vor Diebstählen", sagt er. "Besonders E-Bikes sind in Berlin noch nicht so stark im Trend wie in anderen Städten." Für ein sicheres Schloss solle man mindestens zehn Prozent des Fahrradpreises ausgeben. "Am besten für ein U-Bügelschloss", sagt er. "Das ist noch am sichersten."

Zu wenige sichere Parkmöglichkeiten, zu wenig Platz. "Viele Berliner können ihr Fahrrad nur in ihrer Wohnung oder im Büro abstellen", sagt er. "Da braucht man natürlich ein leichtes und kompaktes Rad, das sich auch einfach die Treppen raufschleppen lässt."

Allerdings: Auch wer E-Bike fährt, müsse sich nicht mehr als schwächlich und unsportlich abstempeln lassen. "E-Bikes liberalisieren den Straßenverkehr", sagt Fehlau. "Wir sehen sogar Geschäftsleute damit zur Arbeit fahren." Selbst unter den sportlicheren Rädern gebe es inzwischen Modelle mit Motorantrieb. Das "Downhillbike mit inte­griertem Lift" ist so etwas wie eine Kreuzung aus Mountainbike und E-Bike. "Was für die fiese Wurzelbehandlung", sagt Fehlau. Im Rahmen stecken bis zu 250 Watt an Leistung. "Mit diesem Mountainbike könnten Sie in Berlin sogar die U-Bahnstufen hochfahren." Kostenpunkt: 7999 Euro. "Klar, das passt nicht zu jedem Portemonnaie", sagt Fehlau. "Aber auf den Preis sollte man nicht als Erstes schauen."

Deutschland ist so etwas wie die Wiege des modernen Zweirads. 1817 meldete der Badener Erfinder Karl Drais sein erstes Modell zum Patent an. "Laufmaschine" hieß es damals noch: ohne Kette, ohne Pedale. Die ersten Modelle sahen noch ein bisschen wie die Laufräder für Kleinkinder heute aus. Dem Namen "Drahtesel" machten sie damals alle Ehre. Gedacht waren sie nämlich als Pferdeersatz. Trotzdem war Radfahren noch so etwas wie Upperclass-Sport. Den ersten Höhepunkt erlebte er in den 20er-Jahren. Sechstagerennen waren ähnlich beliebt wie heute der Fußball. Dann kam das Auto. "Bis in die 80er-Jahre lag die Entwicklung für Fahrräder deshalb im Dornröschenschlaf", sagt Fehlau. "In den letzten Jahren haben wir aber aufgeholt, Defizite mit Schaltung und Bremsen auf den Stand von 2017 gebracht." Besonders Fahrräder für Kinder hätten sich in den letzten Jahren stark geändert. "Früher waren das noch einfach Erwachsenenräder in Klein. Kleine Räder, großer Rahmen", sagt er. "Heute ist das genau umgekehrt." Er hofft, dass der Trend weiter zu mehr Fahrrädern geht. "Wir waren lange genug Autonation", sagt Fehlau. "Jetzt werden wir wieder Fahrradnation."

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.