Bundespolizei ermittelt

Betrügerische Kontrolleure: S-Bahn erwägt Wisag-Kündigung

Kontrolleure der Sicherheitsfirma Wisag sollen Fahrgästen keine Quittungen ausgestellt und selbst Bußgelder einbehalten haben.

Berliner S-Bahn

Berliner S-Bahn

Foto: dpa

Die Bundespolizei ermittelt derzeit gegen fünf Fahrkartenkontrolleure der Berliner S-Bahn. Die Betroffenen sind Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Wisag, die im Auftrag der S-Bahn Tickets kontrolliert.

Den Mitarbeitern wird vorgeworfen, gezielt und hauptsächlich nach ausländischen Touristen Ausschau gehalten und diese kontrolliert zu haben. Die Kontrolleure sollen die Reisenden dann, wenn sie kein gültiges Ticket hatten, massiv unter Druck gesetzt und vehement die Zahlung des erhöhten Beförderungsentgelts von 60 Euro eingefordert haben, heißt es von der Bundespolizei.

Zudem sei den Fahrgästen keine Quittung ausgestellt worden. Anschließend wurde das Geld nicht korrekt abgerechnet. Der Vorwurf: Die Kontrolleure behielten das Bußgeld und wirtschafteten es in die eigene Tasche.

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Tickets nicht korrekt abgestempelt

Nach Informationen der Berliner Morgenpost reichen die Taten der fünf beschuldigten Kontrolleure bis Herbst vergangenen Jahres zurück. Mehrere Betroffene hatten sich bei der Polizei gemeldet und von den Kontrollen berichtet. "Wir gehen davon aus, dass es noch weitere Betroffene gibt", sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Die kon­trollierten Fahrgäste hätten oft Tickets gehabt, diese aber – zum Teil aus Unkenntnis – nicht korrekt abgestempelt oder für die falschen Tarifzonen (AB statt ABC) gelöst. Wenn die Kontrollierten eine Quittung für die 60-Euro-Strafzahlung verlangten, sei ihnen mit der Polizei gedroht worden und damit, dass alles noch viel schlimmer werde.

"In Deutschland gibt es für alles Quittungen. Wenn auf einmal aus irgendwelchen fadenscheinigen Gründen keine ausgestellt werden können, muss man misstrauisch werden", sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Bahn schließt Kündigung der Wisag nicht aus

Die Deutsche Bahn reagierte mit klaren Worten auf die Korruptionsvorwürfe. "Die S-Bahn Berlin duldet keinerlei kriminelle Machenschaften von eigenen Mitarbeitern oder Mitarbeitern beauftragter Unternehmen", teilte das Unternehmen am Montag mit.

"Wir sind fest entschlossen, verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Kunden umgehend wiederherzustellen", hieß es in einer Mitteilung der Bahn weiter. Vom Dienstleister Wisag erwarte man eine schnelle und auch tiefgreifende Aufklärung sowie nachvollziehbare Maßnahmen, um derartige Vorfälle für die Zukunft auszuschließen.

In letzter Konsequenz schließe man auch eine Kündigung des Dienstleisters nicht aus, heiß es seitens der Bahn.

Beschuldigte Mitarbeiter bereits suspendiert

"Wir nehmen das Thema sehr ernst und haben ein hohes Interesse an der Aufklärung des Falles", sagte eine Wisag-Sprecherin. Die beschuldigten Mitarbeiter seien bereits suspendiert. Zudem kündigte das Unternehmen an, die Frequenz der Kontrollen seiner Mitarbeiter im Prüfdienst zu erhöhen. Dafür sollen eigens zwei Stellen geschaffen werden.

Zum Fall äußerte sich auch der Präsident der Bundespolizei­direktion Berlin. "Ich bin froh, dass wir Hinweise erhalten haben und so die Ermittlungen aufnehmen konnten. Das Abzocken durch die Mitarbeiter des privaten Sicherheitsunternehmens ist ein absolut sozialschädliches und hässliches Verhalten", Thomas Striethörster.

Es ist nicht das erste Mal, dass die S-Bahn in die Schlagzeilen gerät. Bereits im Oktober 2016 waren zwei S-Bahn-Kontrolleure in Berlin negativ aufgefallen. Weil ein 35-jähriger Tourist aus Israel auf dem S-Bahnhof Treptower Park eine abgelaufene Fahrkarte hatte, verlangten die beiden Männer seinen Ausweis. Dabei sollen sie ihn antisemitisch beleidigt haben.

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