Berlin

Das neue Tegel-Center integriert die Markthalle

In Kürze beginnen die Bauarbeiten im Zentrum. Insgesamt werden 200 Millionen Euro investiert.

Pläne für Umbau des Tegel Centers vorgestellt - 200 Mio. Euro Investitionen in der Tegeler Fußgängerzone

Pläne für Umbau des Tegel Centers vorgestellt - 200 Mio. Euro Investitionen in der Tegeler Fußgängerzone

Foto: HGHI

"Der Berliner Norden soll sagen: ,Die neue Gorkistraße ist eine grandiose Einkaufsmeile!'" Dieses durchaus ambitionierte Ziel hat sich Investor Harald Huth gesteckt. Am Donnerstagabend stellte er gemeinsam mit Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) die Pläne zur Umgestaltung der Fußgängerzone in der Gorkistraße vor. Die 1972 errichtete Flaniermeile soll umfangreich verschönert werden. Das interessierte vor allen Dingen auch die Reinickendorfer, die in unmittelbarer Nähe einkaufen, parken und leben. Die Humboldtbibliothek war mit mehr als 400 Interessierten gut gefüllt.

In der Fußgängerzone werden in den kommenden zwei Jahren durch die HGHI Holding GmbH insgesamt 200 Millionen Euro investiert, wovon 150 Millionen Euro die direkte Investitionssumme in die Baumaßnahmen sind. Die Handelsfläche wird von derzeit 30.000 auf 50.000 Quadratmeter vergrößert.

Parkhauszufahrt in der Bernstorffstraße kommt weg

Zunächst sollen das Parkhaus, die Markthalle und der gesamte Nord-Komplex abgerissen werden. Das dort befindliche Hochaus, wo sich die Volkshochschule und Abteilungen des Bezirksamtes Reinickendorf befinden, soll laut Huth bestehen bleiben. Nach den Plänen wird die Parkhauszufahrt in der Bernstorffstraße nicht mehr existieren. Künftig soll der gesamte Zugangsverkehr zum Parkhaus über die Berliner Straße und die Grußdorfstraße abgewickelt werden. Insgesamt werden die Stellflächen im Parkhaus von mehr als 700 auf 620 reduziert, wobei das neue Parkhaus qualitativ deutlich besser werden soll.

Das sorgte für Raunen im Saal. "Die Reduzierung der Parkplätze halte ich bei gleichzeitig angestrebter deutlicher Steigerung der Kundenzahl für nicht praktikabel. Auch die einzige Zufahrtsmöglichkeit finde ich bedenklich, auch wenn laut Investor unabhängige Prüfungsbüros und Experten zu dem Ergebnis kommen, dass dies möglich sein soll. Wer die Verkehrs- und Parkplatzsituation täglich erlebt, der weiß, dass es hier zu einem Verkehrschaos kommen kann", erklärte Felix Schönebeck, Sprecher der Kiez-Initiative "I Love Tegel". Während der Bauphase von Sommer 2017 bis 2018 würden alle bisherigen Parkplätze der alten Parkhäuser wegfallen. Ersatzstellplätze seien nicht in Planung. Auch die Verbindungsbrücke vom Nord- zum Süd-Komplex soll abgerissen, jedoch durch einen Neubau ersetzt werden. Im Anschluss erfolge dann der Abriss des zweiten Komplexes bis hin zum ehemaligen Hertie-Haus an der Berliner Straße. Danach würden beide Areale neu bebaut.

Sorgen um die Markthalle unbegründet

"Ich mag die alte Einkaufsmeile, die hat schon ihren Charme. Aber das Projekt klingt vielversprechend, wir lassen uns mal überraschen", sagte Anne Berle aus Reinickendorf. Sie lebt dort seit zwei Jahren und wollte sich die Pläne zur Neugestaltung einmal persönlich erklären lassen. Die Sorge um die bei den Tegelern so beliebte Markthalle teilt sie mit fast allen der an diesem Abend Anwesenden. "Die Markthalle soll keine Nobelkiste werden, wir streichen nur die Luftkanäle, und es gibt einen schickeren Fußboden", beruhigte Huth die Reinickendorfer. Die Halle soll mit etwa 50 Ständenim Süd-Komplex zur Grußdorfstraße hin angesiedelt werden. "Der Kampf um die Markthalle hat sich gelohnt. Dazu kommt, dass Investor Harald Huth bestätigt hat, dass die Mietpreise für die Inhaber von Ständen in der Markthalle nach dem Umzug nicht steigen werden. Darauf haben wir immer gedrängt, damit die Standbetreiber weiterhin ihre Miete zahlen können. Eine gute Nachricht", freute sich Schönebeck.

Insgesamt soll das Erscheinungsbild der in die Jahre gekommenen Einkaufspassage aufgewertet werden. Die Außenfassaden sollen hochwertig mit Naturstein und großen Glasflächen gestaltet werden. Der gesamte Neubau entspräche nach Huths Plänen den heutigen Standards im Hinblick auf Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Begleitet werden die Bauplanungen von den Architekturbüros Max Dudler und Ortner & Ortner. Auch Wohnungen, insbesondere für altersgerechtes Wohnen, sollen im Neubau entstehen. Die Rückkehr von Karstadt nach Tegel ist eines der Highlights der Umbaumaßnahmen. Karstadt eröffnet in dem Neubau auf einer Verkaufsfläche von 10.000 Qua­dratmetern erstmals wieder seit 30 Jahren in Deutschland ein neues Warenhaus. "Ich freue mich über die Neuansiedlung von Peek & Cloppenburg und die Rückkehr von Karstadt", sagte CDU-Abgeordneter Tim-Christopher Zeelen, beide seien wichtige Ankermieter.

Offen ließ Huth, welcher "große deutsche Filialist" künftig als Ankergeschäft für Lebensmittel einziehen wird. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll dort ein "Kaufland" entstehen. Unklar blieb auch, welchen Namen das Projekt letztendlich tragen soll. In der Präsentation wurden die Namen "Tegel-Center", "Tegel-Quartier" und "Neue Gorkistraße" ins Rennen geworfen. Einen festen Namen hat das Projekt jedoch noch nicht. Die Frage eines Reinickendorfers nach Partizipationsmöglichkeiten der Bürger beantwortet Huth damit, dass man für Anregungen jederzeit offen sei. Wichtig sei ihm, dass der Name zum einen überregionale Aussagekraft hat, sich zum anderen aber auch mit Tegel identifiziert. "Wir könnten uns vorstellen, dass 2018 in Tegel eine ,Humboldt-Passage' eröffnet, da Tegel viel mit den beiden bekannten Brüdern verbindet. Warten wir es ab", sagte Schönebeck.

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