Jugendkammer

Prozess: Späti-Räuber erbeuteten zwölf Schachteln Zigaretten

Vier junge Männer stehen in Moabit vor einer Jugendkammer, weil sie eine Spätverkaufsstelle überfallen und den Inhaber verletzt haben.

Der Kopf der Justitia, die über den Augen eine Binde trägt, ist über dem Haupteingang des Kriminalgerichts in Moabit zu sehen

Der Kopf der Justitia, die über den Augen eine Binde trägt, ist über dem Haupteingang des Kriminalgerichts in Moabit zu sehen

Foto: Paul Zinken / dpa

Sie sehen aus wie wohl erzogene Schüler. Vier junge Männer, die im Saal B218 des Moabiter Kriminalgerichts auf der Anklagebank sitzen. Doch es sind keine braven Jungs. Zwei von ihnen wurden aus der Untersuchungshaftanstalt vorgeführt. Die Vorwürfe wiegen schwer: gemeinschaftlicher schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung, und unerlaubter Waffenbesitz.

Am 26. März dieses Jahres überfielen die vier in der Petersburger Straße im Stadtteil Friedrichshain eine Spätverkaufsstelle. Maskiert und bewaffnet mit einer Schreckschusspistole. Marek K., zur Tatzeit 18 Jahre alt und Jüngster der vier Angeklagten, sagt vor Gericht, sie hätten sehr viel getrunken. Auch schon an den Tagen zuvor. Eigentlich hätten sie einen "Ticker" (Drogendealer) ausrauben wollen. Der habe sie jedoch auf einen späteren Termin vertröstet. Schließlich sei der Mitangeklagte Maximilian R. auf die Idee gekommen, die nur ein paar Schritt von seiner Wohnung entfernte Spätverkaufsstelle zu überfallen. Der 21-jährige R. kannte den Ladenbetreiber. Da sei keine große Gegenwehr zu erwarten, soll er sinngemäß gesagt haben.

Pistole für 40 Euro von Dealer im Görlitzer Park gekauft

Im Anklagesatz steht, dass die vier gegen 0.20 Uhr die Spätverkaufsstelle betraten. Als der Ladenbetreiber aus einem Hinterzimmer in den Geschäftsraum kommen wollte, soll der 20-jährige Daniel L. versucht haben, ihn zurückzudrängen. In der Hand hielt L. eine Schreckschusspistole Umarex. Sie gehörte Marek K., dem sie ein paar Tage zuvor im Görlitzer Park von einem Drogendealer - angeblich ungefragt - für 40 Euro angeboten worden sei.

Doch der 31-jährige Ladenbetreiber war keineswegs gewillt, sich widerstandslos ausrauben zu lassen. Er stemmte sich gegen die Tür, erhielt von einem der Täter einen Faustschlag ins Gesicht und mit der Schreckschusspistol zwei Schläge gegen den Kopf. Andere Täter griffen sich Zigarettenschachteln, die auf dem Verkaufstresen standen. Marek K. versuchte, die Kasse zu öffnen. Als es ihm nicht gelang, schleppte er sie mit. Dabei bemerkte er nicht, dass der Schubladeneinsatz mit dem Geld herunter fiel. So blieb es bei einer Beute von zwölf Schachteln Zigaretten und der leeren Kasse.

Spätibetreiber hat traumitisiert sein Geschäft aufgegeben

Der Ladenbetreiber blieb mit heftig blutenden Platzwunden am Kopf zurück. Bei einem Erläuterungstermin am 10. August zwischen den Verteidigern, dem Gericht und dem Staatsanwalt kam zu Sprache, dass er an den Folgen des Überfalls sehr gelitten und das Geschäft aufgeben habe.

Drei Täter flohen in die Wohnung von Maximilian R. Der vierte lief Polizisten direkt in die Arme. Die Beamten schalteten das SEK ein - es war ja zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass es sich bei der Tatwaffe nur um eine ungeladene Schreckschusspistole handelte. Zwei der Täter verließen noch vor dem SEK-Einsatz die Wohnung und wurden sofort in Gewahrsam genommen, den vierten nahm die SEK-Beamten in der Wohnung fest.

Täter nicht zum ersten Mal straffällig geworden

Auf die Angeklagten warten nun empfindliche Jugendstrafen. Allen voran Marek R. Er ist mehrfach vorbestraft, war zuletzt wegen räuberischer Erpressung zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden und stand beim Überfall auf die Spätverkaufsstelle noch unter Bewährung. Der ebenfalls vorbestrafter Danny M., den Marek R. im Jugendarrest kennenlernte, wird als Intensivtäter geführt. Der Prozess wird am 18. August fortgesetzt.

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