Prozess

Mann soll Frau zur Prostitution in Berlin gezwungen haben

Der Mann soll die Frau mit einem Messer verletzt und mit einem Auto mitgeschleift haben. Nun steht der 38-Jährige vor Gericht.

Eine Prostituierte in Berlin (Archivbild)

Eine Prostituierte in Berlin (Archivbild)

Foto: Olaf Wagner / imago

Sie sind ein Pärchen, das viel über Bereiche erzählt, die sonst im Schatten liegen: Der 38-jährige Slavcho C. und die 29-jährige Adriyana Z. Beide sitzen im Saal 501 des Moabiter Kriminalgerichts auf der Anklagebank. Sie lieben sich, beteuern sie. Und lächeln sich an, so oft es geht.

Slavcho C. soll ab Dezember 2013 eine andere Frau im Kiez an der Bülowstraße immer wieder zur Prostitution gezwungen und ihr das eingenommene Geld weggenommen haben. Auch Kameliya P. kommt - wie die beiden Angeklagten - aus Bulgarien. Von Schlägen ist im Anklagesatz die Rede; von einem Messer, mit dem Slavcho C. die 21-Jährige am Bauch verletzt haben soll; von einem Auto, mit dem er sie mitschliff, als sie sich zu widersetzen versuchte.

Slavcho C. bestreitet das. Adriyana Z. ebenfalls. Sie stand als Prostituierte lange Zeit neben Kameliya P. auf dem Straßenstrich in der Bülowstraße. Für Adriyana Z. ist klar, dass die Landsfrau nur eifersüchtig war, dass sich Slavcho C. ihr zugewandt habe. Daher auch die falschen Beschuldigungen. Richtig sei jedoch, so Adriyana Z., dass sie gemeinsam mit dem Geliebten einen anderen Mann betrogen habe. Stefan J. sei ein Stammkunde gewesen.

Er habe aber nicht nur Sex gewollt, sondern sie auch mal zum Essen eingeladen und Gespräche gesucht. Vermutlich hatte er sich in die zierliche Frau mit dem hübschen Gesicht verliebt. "Ich halte ihn für einen guten, warmherzigen Menschen", sagt sie. Stefan J. habe "eine richtige Beziehung gewollt, aber ich liebe ja Slavcho".

Entführung vorgetäuscht und von Freier 5000 Euro kassiert

Am 20. Mai 2014 ließ das angeklagte Pärchen Stefan J. über eine gemeinsame Bekannte mitteilen, dass Adriyana P. angeblich von einem ehemaligen Zuhälter verschleppt worden sei und nun in Varna festgehalten werde. Gegen eine Ablösesummer von 5000 Euro würde er sie frei lassen. Stefan J. zahlt die 500o. Und er öffnete seine Brieftasche ein zweites Mal, als ihm Adriyana P. vorgaukelte, ihr Vater sei gestorben, und sie benötige für die Beerdigung 2500 Euro. Müßig festzustellen, dass Slavcho C. und Adriyana Z. das Geld für sich verbrauchten.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem Slavcho C., der ohne einen Führerschein mit einen auf Adriyana Z.s Namen zugelassenen VW Golf durch Berlin bretterte. In der Bülowstraße wurde er in einer 30iger-Zone mit 72 Stundenkilometern geblitzt. Vieles spricht dafür, dass er nicht nur Adriyana Z.s Geliebter, sondern auch ihr neuer Zuhälter ist.

"Dabei strich der Angeklagte mehrfach mit dem Finger über die Kehle"

Stefan J. kam dem Pärchen schließlich doch auf die Spur und ging zur Polizei. Im Anklagesatz steht, dass ihn Slavcho C. anschließend über Skype angerufen und gedroht habe, ihn "fertig" zu machen. "Dabei strich der Angeklagte mehrfach mit dem Finger über die Kehle, um anzudeuten, er werde dem Zeugen die Kehle durchschneiden."

Adriyana Z.s kann mit einer Bewährungsstrafe rechnen und wird wohl schon bald wieder an der Bülowstraße stehen. Für den vorbestraften Slavcho C. wird es nicht ganz so glimpflich ausgehen. Aber er kann sicher sein: Adriyana ist ihm ergeben. Sie wird auf ihn warten.

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