Stadtentwicklung

Masterplan für 2000 neue Künstler-Ateliers für Berlin

Viele Berliner Künstler haben ihre Arbeitsstätten verloren. Nun sind Werkstätten in der Innenstadt geplant.

Der Kreuzberger Jazz-Schlagzeuger Bernd Ratmeyer probt unter der Feierhalle auf dem Lilienthalfriedhof am Südstern

Der Kreuzberger Jazz-Schlagzeuger Bernd Ratmeyer probt unter der Feierhalle auf dem Lilienthalfriedhof am Südstern

Foto: Soenke Tollkuehn

Neue Hoffnung für Berliner Künstler: Bis zum Jahr 2020 sollen 2000 neue Ateliers für Berliner Künstler in der Innenstadt entstehen. So sieht es der Masterplan vor, den Berlins Atelierbeauftragter, Florian Schmidt, am Dienstag vorgestellt hat. Zusammen mit der Senatsverwaltung für Kultur setzt Schmidt das Atelierprogramm in den nächsten Jahren um.

Aufgrund der steigenden Immobilienpreise sieht Schmidt gerade im Innenstadtbereich einen wachsenden Verlust von Ateliers. "Der Bedarf steigt, es gibt viele Kündigungen von Studios, was sich wiederum in steigenden Mieten spiegelt", sagte er. Sechs Standorte des Masterplanes sollen aber auch künftig im inneren S-Bahnbereich liegen.

40 neue Ateliers sollen in Kreuzberg entstehen: auf dem Lilienthalfriedhof am Südstern. Seit einigen Jahren schon wird der Friedhof mit der Feierhalle kulturell genutzt, weitere Teile sollen entwidmet werden, sodass dort weitere Räume für Künstler entstehen können. Zentral liegt auch das seit acht Jahren leer stehende Haus der Statistik am Alexanderplatz. 200 Studios sollen dort im Gebäudeteil A ausgebaut werden. Attraktiv für Künstler ist außerdem die alte, denkmalgeschützte Schokoladenfabrik in der Teilestraße, die 25.000 Quadratmeter umfasst und direkt am Teltowkanal liegt. Nestlé musste die Marke "Sarotti" 1997 verkaufen.

300 Ateliers könnten in einer Lagerhalle entstehen

In der großen Fabrikhalle ist Platz für Ausstellungen, Performances und Musik. Auch im Atelierkomplex in der Prenzlauer Promenade stehen 10.000 Quadratmeter für Künstler zur Verfügung. Des Weiteren plant Schmidt die Einbeziehung von Gewerbegebieten in Lichtenberg und Schöneweide, dort gibt es Platz für rund 300 Ateliers in einer Lagerhalle in der Siegfriedstraße sowie den Rathenauhallen.

Bei dem Masterplan sollen verschiedene Modelle der Förderung genutzt werden. Das reicht vom klassischen Anmietprogramm über die Neunutzung von landeseigenen Objekten bis hin zu Neubauten mit kostengünstigen Modulen oder einem Aufbau auf einen Bunker am Anhalter Bahnhof. Die bislang häufig praktizierte Zwischennutzung von Gebäuden sei keine Option mehr für die Zukunft, erklärte der Atelierbeauftragte.

Seit 2010 werden bezahlbare Studios auf dem freien Markt immer weniger. Für die letzten zwei Jahre geht Schmidt von einem Rekordverlust von 600 Studios aus. Die Zahlen sprechen für sich: 7482 Künstler haben sich Anfang 2016 als Atelier suchend angemeldet. Das sind 80 Prozent von rund 10.000 Künstlern, die in Berlin arbeiten. Auf dem Kunstmarkt gut etablierte Künstler wie Jens Bisky und Wolfgang Tillmans sind auf diese Art der Förderung nicht angewiesen.

859 Bewerber für 60 Ateliers

Um die in diesem Jahr ausgeschriebenen 60 Ateliers haben sich 859 Künstler beworben – laut Schmidt der höchste Wert in der Geschichte der Berliner Atelierförderung. Das durchschnittliche Einkommen der Künstler liegt bei 850 bis 1000 Euro im Monat. Da sind Mieten von zehn Euro pro Quadratmeter, wie sie etwa in kommerziellen Atelierhäusern in Weißensee verlangt werden, kaum zahlbar. Die Berliner Atelierförderung stellt derzeit 870 Arbeitsräume bereit.

Zurzeit stehen der Atelierförderung 1,8 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Knapp 20 Millionen Euro veranschlagt Schmidt für den Masterplan bis ins Jahr 2020. Für den nächsten Haushalt 2018/19 braucht er 2,5 Millionen Euro. Die Senatsverwaltung für Kultur hat schon eingeräumt, dass der Förderbedarf gestiegen sei.

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.