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Die BVG, ein Mops und der Sexismus-Vorwurf

Berlins Verkehrsbetriebe setzen bewusst auf simple Botschaften mit einem Augenzwinkern. Kritiker sprechen von Sexismus.

Welche Möpse

Welche Möpse

Foto: Thomas Schubert

Schüchtern lugt das Hündchen aus seinem Kostüm hervor. Getarnt als kleines Ungeheuer düst der knautschgesichtige Fahrgast auf dem Schoß seiner Halterin offenbar per U-Bahn durch Berlin. Daneben der Satz: "Du musst deine Möpse nicht verstecken." Und darunter die frohe Werbebotschaft der BVG: "Kleine Haustiere fahren bei uns gratis."

So weit, so süß. Doch nicht jeden Betrachter überkommt bei dieser Kombination von Wort und Bild, die derzeit große Werbeflächen und Anzeigenspalten füllt, Erheiterung oder Entzücken. Wie Carolina Böhm, die Gleichstellungsbeauftragte von Charlottenburg-Wilmersdorf, im Ausschuss für Gender-Mainstreaming mitteilte, seien bei ihr Beschwerden eingegangen. Denn einige Bürger deuten das Wort "Möpse" anders und sehen darin einen Aufruf an Frauen, sich oberhalb der Gürtellinie zu entblößen.

So fühlte sich Böhm ermutigt, an BVG-Chefin Sigrid Nikutta einen Brief zu schreiben, mit dem Ziel, die Mops-Werbung zu stoppen. "Das Ganze ist dumm. Denn man sieht nur einen Mops auf dem Plakat", kritisiert die Gleichstellungsbeauftragte die Formulierung im Plural. "Da sich sowohl männliche als auch weibliche Mitbürger darüber beschwert haben, geben wir das weiter an die BVG."

Probandinnen fanden das Mops-Bild einfach nur lustig

Ist die tierische Aktion wirklich unterschwellig sexistisch? Und müssen die Verkehrsbetriebe das Haustier im Gewand eines Ungeheuers tatsächlich absetzen? "Wenn ein Brief bei uns eingeht, werden wir ihn selbstverständlich beantworten", erklärt BVG-Sprecherin Petra Reetz. Doch beenden will man die Werbung keineswegs. "Ja, das kommt vor, wenn auch nur ganz selten", bestätigt Reetz das Missverständnis, das weibliche Brüste gemeint sein könnten. "Das passiert im Kopf bei einzelnen Betrachtern", erklärt sie das Phänomen psychologisch.

Vor dem Start der neuen Werbekampagne unter dem Slogan "Weil wir Dich lieben" habe man alle Bildmotive Testpersonen vorgelegt und nur in den wenigsten Fällen eine kritische Rückmeldung erhalten. "Die getesteten Frauen fanden das Mops-Bild alle lustig", betont Reetz. Nur bei einigen Männern nahmen die Gedanken eine andere Richtung.

"Die BVG nimmt sich selbst nicht so ernst"

Generell gehe es bei der Kampagne darum, eine simple Botschaft an Mann und Frau zu bringen: "Die BVG nimmt sich selbst nicht so ernst. Sie ist ein Stück Berlin, ein Abklatsch dieser Stadt", umschreibt es die Sprecherin. Ein gewisses Augenzwinkern müsse erlaubt sein, wenn man diese Botschaft verbreiten will. Im Portfolio der Werbebilder befinden sich im Übrigen noch andere potenzielle Aufreger. "Wir finden: Auf die Größe kommt es doch an", prangt zum Beispiel an der Flanke von nicht gerade kurzen Doppeldeckerbussen. Hier ist laut BVG noch kein einziger Widerspruch bekannt geworden – offenbar stellen Betrachter sofort den Bezug zum Verkehrsmittel her, nicht zum männlichen Körper.

Und hier spannt Reetz den Bogen noch einmal zum Bild des Anstoßes: "Wir sagen bei der Mops-Werbung nur: Für die Mitnahme von kleinen Haustieren müssen Sie bei uns nichts bezahlen. Mehr nicht."

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