Prozessbeginn

Ehefrau misshandelt und zur Prostitution gezwungen

Das Opfer arbeitete – zunächst freiwillig – in bekannten Berliner Bordells. Der Prozess beginnt am Montag im Moabiter Kriminalgericht

In dem Schöneberger Bordell arbeitete Maria U. Sie wurde misshandelt

In dem Schöneberger Bordell arbeitete Maria U. Sie wurde misshandelt

Foto: Amin Akhtar

Die Ermittlungen um die Großrazzia im Großbordell Artemis sind noch nicht abgeschlossen. Parallel beginnt am Montag vor einer Moabiter Strafkammer der Prozess gegen den 25-jährigen Rumänen Tudor U., bei dem ein anderes Berliner Großbordell zu den Tatorten gehört: das Caligula in Schöneberg.

Die Rumänin Maria U. gehörte zu den jungen Frauen, die auf der Website des Bordells gezeigt wurden: schlank, hübsch und vermeintlich voller Begeisterung auf die Freier wartend. Doch Maria U.s Schicksal zeigt, wie das Leben dieser Frauen oft wirklich ist und wie groß der Zwang, sich zu prostituieren.

Der Mann, der seine Ehefrau auf den Strich schickte, wurde immer gieriger

Tudor und Maria U. sind seit 2012 verheiratet. Sie haben zwei kleine Söhne, hausten mit ihnen in einer Garage ohne fließend Wasser und Licht. Über einen Landsmann kamen sie auf die Idee, dass sie nach Berlin gehen könnten und Maria U. sich dort als Prostituierte verdingen könnte. Sie stimmte der Kinder wegen zu. Die Söhne blieben in Rumänien bei einer Schwägerin.

Maria U. arbeitete als "Paula" in verschiedenen Berliner Bordellen. Die besten Arbeitsbedingungen gab es offenkundig noch im Caligula. Hier war vorgeschrieben, dass sie pro Woche nur fünf Tage arbeiten durfte. Das wurde jedoch vom offenbar gierig gewordenen Ehemann Tudor U. ausgehebelt. Den Ermittlungen zufolge zwang er seine Ehefrau, an den anderen Tagen in anderen Bordellen zu arbeiten. Im Anklagesatz werden Misshandlungen wie Schläge mit einem Holzbrett beschrieben.

Als "Paula" mit der Prostitution aufhören wollte, rastete der Angeklagte aus

Im August 2015 teilte Maria U. ihrem Ehemann mit, dass sie nicht mehr könne und mit der Prostitution aufhören werde. Am 8. September drang er in einen Sexclub in der Charlottenburger Leibnizstraße ein und zerrte die nur dürftig bekleidete Frau auf die Straße. Ein Türsteher konnte sie befreien. Es gelang Tudor U. zu entkommen. Am 21. Oktober wurde er bei der Einreise festgenommen. Seitdem ist er in Haft.

Sein Verteidiger Mirko Röder kündigt an, dass sein Mandant keine Aussage machen werde. Das sei aber kein Schuldanerkenntnis, so der Anwalt. "Auch wenn gewisse Etablissements durch Razzien derzeit in den Fokus der Öffentlichkeit geraten sind, gilt immer noch die Unschuldsvermutung."

Zur Startseite