Wohnungsmarkt

Stadtforscher warnt: Berlin drohen Banlieues wie in Paris

Um eine Konzentration von Geringverdienern am Stadtrand zu verhindern, plädiert der Soziologe Andrej Holm für ein Mietenmoratorium.

Berliner Großsiedlungen wie dem Märkischen Vierteln droht laut Holm eine Entwicklung hin zu Banlieues

Berliner Großsiedlungen wie dem Märkischen Vierteln droht laut Holm eine Entwicklung hin zu Banlieues

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Der Berliner Stadtforscher Andrej Holm fordert ein Mietenmoratorium für die rund 300 000 öffentlichen Wohnungen in der Hauptstadt. Es solle Erhöhungen sowohl bei Bestandsmietern als auch bei Neuvermietung ausschließen, sagte Holm dem "Neuen Deutschland".

Er warnte davor, dass durch hohe Mieten in der Innenstadt immer mehr arme Berliner an den Stadtrand verdrängt werden. "Es entwickelt sich eine ziemlich klassische Konzentration von Armen in Großsiedlungen am Stadtrand, die wir bisher vor allem aus anderen Städten wie Paris mit den Banlieues kannten."

Der französische Begriff Banlieue, der frei übersetzt "Bannmeile" bedeutet, bezeichnet Gebiete außerhalb des Stadtzentrums, die aber den Charakter der Stadt angenommen haben. Frankreich hatte seit den 1950er-Jahren riesige Hochhaussiedlungen außerhalb des Pariser Stadtkerns bauen lassen - vor allem für Industriearbeiter, deren Arbeitsplätze aber in den 1970er-Jahren meistens wegfielen. Damit setzte eine massive Verarmung der Haushalte in den Banlieues ein. Zuletzt hatten die Pariser Banlieues vor allem durch Jugendunruhen von sich reden gemacht. Nicolas Sarkozy hatte 2005 angesichts der hohen Jugendkriminalität gefordert, die Banlieues mit dem Hochdruckreiniger, dem Kärcher, zu säubern.

Holm forderte zudem, den Handel mit Häusern durch eine höhere Grunderwerbsteuer zu bremsen. "Die Erfahrung zeigt, dass der Verdrängungsprozess fast immer mit einem Eigentümerwechsel beginnt."

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