Kriminalität

Zahl der Einbrüche im Speckgürtel auf Rekordhöhe

In den Berliner Umlandgemeinden wird so häufig eingebrochen wie noch nie. Hochburgen sind Fürstenwalde/Spree, Potsdam und Falkensee.

Potsdam.  In Wohnungen im Berliner Umland wird immer häufiger eingebrochen. Die Polizei verzeichnet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 14,4 Prozent. Wie Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Montag in Potsdam bekannt gab, wurden im "Speckgürtel" im vergangenen Jahr 2639 Fälle gemeldet – das sind 333 Einbrüche mehr als 2014. Davon aufgeklärt wurden nur 12,8 Prozent. Im Jahr davor waren es 15,9 Prozent. Vor zehn Jahren hingegen war es der Polizei gelungen, die Täter mehr als doppelt so oft zu überführen, die Aufklärungsquote lag bei knapp 35 Prozent.

"Gerade im Berliner Umland ist die Verunsicherung der Menschen groß", sagte Innenminister Schröter. "Ich erinnere mich an einen anrührenden Brief eines Jungen, der sich nicht mehr traute, alleine in seinem Zimmer zu schlafen – aus Angst vor Einbrechern." Er rät zu mehr Prävention. "In Brandenburg werden seltener als im Bundesdurchschnitt Einbrüche abgebrochen", sagte Schröter. "Bundesweit belassen es die Täter in vier von zehn Fällen beim Versuch, in Brandenburg nur in drei Fällen." Das deute darauf hin, dass die Brandenburger ihre Wohnungen und Häuser immer noch nicht genug sichern. Die Erfahrung zeige: Können die Diebe nicht blitzschnell Beute machen, ziehen sie lieber ab.

Aufklärungsquote ist zurückgegangen

Die sinkende Aufklärungsquote bei den Wohnungseinbrüchen im Umland erklärt der Minister nicht nur mit dem Personalabbau bei der Polizei in den vergangenen Jahren, sondern vor allem mit einem bundesweiten Trend. "Immer häufiger sind in den Ballungsgebieten und in den Grenzgebieten kriminelle Banden aus Osteuropa unterwegs, die sich auf Einbrüche und Diebstähle spezialisiert haben", sagte Schröter. Am meisten betroffen waren 2015 Fürstenwalde/Spree, Potsdam, Falkensee, Blankenfelde-Mahlow und Kleinmachnow. Teltow landete auf Platz 7 hinter Hohen Neuendorf. Ein weiterer Trend hält an: Zunehmend steigen die Diebe in Brandenburg auch tagsüber ein.

Im gesamten Land registrierte die Polizei 4436 Wohnungseinbrüche – ein Anstieg von 11,2 Prozent. "Die Entwicklung macht mir Sorge", betonte der Innenminister. "Denn diese Delikte treffen die Bevölkerung außerordentlich hart." Er versprach, die Wohnungseinbruchskriminalität noch stärker zu bekämpfen. Auch die Aufklärungsquote könne nicht zufrie­den-­ stellen. Berlin und Brandenburg haben bereits eine gemeinsame Sonderkommission gebildet, die auf Einbrüche spezialisiert ist. Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke warnte aber vor zu großen Hoffnungen. "Kein Bundesland kann versprechen, dass die Einbruchskriminalität gestoppt werden kann."

Insgesamt aber ist Brandenburg sicherer geworden. Die Zahl der Straftaten ist auf den bisherigen Tiefstand gesunken. Im vergangenen Jahr wurden 188.264 Fälle registriert, was im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von rund vier Prozent bedeutet. Einen Erfolg kann die Polizei in den stark belasteten Grenzregionen vermelden. In den 24 Gemeinden entlang der deutsch-polnischen Grenze sank die Zahl der Delikte um rund 3,3 Prozent. Dort konnte die Polizei auch mehr Straftaten aufklären als bisher.

Opposition: "Trauriger Beleg verfehlter Innenpolitik"

Deutlich rückläufig im Land ist vor allem die Zahl der Auto-, Fahrrad- und anderen Diebstähle mit einem Minus von 6,3 Prozent auf rund 79.300 Fälle. Die Aufklärungsquote stagniert aber. Nur nach jeder zweiten Straftat konnten die Täter ermittelt werden. Dies erklärte Minister Schröter auch mit der hohen Belastung infolge der Flüchtlingskrise: "Die Polizisten müssen seit dem Sommer 2015 eine Vielzahl von Flüchtlingsunterkünften und Demons­trationen im Zusammenhang mit dem Thema Asyl absichern."

Für die oppositionelle CDU ist der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen ein "trauriger Beleg jahrelang verfehlter Innenpolitik" von Rot-Rot. "Was hilft, ist Fahndungs- und Ermittlungsdruck", sagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Riccardo Nemitz. Er fordert: "Die Strafverfolgung von Staatsanwaltschaften, Gerichten und Kriminalpolizei darf von der rot-roten Landesregierung nicht länger als ungeliebtes fünftes Rad am Wagen angesehen werden."

Eine deutliche Zunahme registriert die Polizei bei der Rauschgiftkriminalität: Die Zahl der festgestellten Delikte stieg um gut 14 Prozent auf rund 8200. Dies liege im Wesentlichen an verstärkten Kontrollen, so Polizeipräsident Mörke. Sorge bereitet allerdings, dass zunehmend erst Elf- bis 14-Jährige mit Drogen erwischt werden. Bei Gewalttaten wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung liegt die Mark mit 168 Taten pro 100.000 Einwohner bundesweit auf einem der hintersten Plätze.

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