Asyl in Berlin Der etwas andere Container für Flüchtlinge

Di, 08.03.2016, 20.43 Uhr

Die Graft-Architekten, echte Stars in ihrer Branche, haben sich in einem Gemeinschaftsunternehmen mit anderen Architekten, Projektentwicklern und Kommunikationsexperten zusammengetan, um ein würdevolles Wohnen für Geflüchtete zu ermöglichen.

Video: Rundfunk Berlin-Brandenburg
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Schnell, attraktiv und nachhaltig: Das Büro Graft Architekten stellt ein Projekt für günstige und ansprechende Wohnungen in Berlin vor.

"Design ist kein Privileg der Ersten Welt", sagt Wolfram Putz. Der Mitbegründer des international tätigen und renommierten Büros von Graft Architekten spricht aus Erfahrung. Die Berliner Planer sind schon seit Jahren sozial engagiert. Sie waren unter anderem auch maßgeblich beteiligt an dem Architekturprojekt, bei dem für die Opfer des Hurricans Katrina im amerikanischen New Orleans ebenso nachhaltiger, kostengünstiger und zugleich qualitätsvoller Wohnraum entwickelt und realisiert wurde.

Schnell, günstig und ansprechend sollen jetzt auch die nachhaltig mit einer Lebensdauer auf mindestens 80 Jahre angelegten Unterkünfte errichtet werden, die Graft mit dem Unternehmen "Heimat2" entwickelt hat. Wie Wolfram Putz bei der Präsentation am Dienstag sagte, sollen die neuen Unterkünfte anders als die üblichen Containerstapel Gebäude sein, "die nicht nur für zwei, drei Jahre hingestellt werden, sondern flexibel nachrüstbar auch für dauerhaften sozialen Wohnungsbau genutzt werden können".

Zimmer lassen sich flexibel je nach Bedarf verändern

Zunächst sind die in Stahlskelettbauweise geplanten Wohneinheiten aber als Unterkünfte für Flüchtlinge gedacht. Die mit drei Schlafplätzen ausgestatteten Zimmer und andere Räume lassen sich durch herausnehmbare Wände später flexibel je nach Bedarf verändern. Die Baukosten liegen laut Heimat2-Mitgesellschafter und Projektentwickler Gerd Ellinghaus etwa 35 Prozent unter denen des sozialen Wohnungbaus.

Pro schlüsselfertiger Quadratmeter rechne man bei dem Projekt mit etwa 1510 Euro. Pro Wohnplatz kalkulieren die Planer etwa 18.600 Euro brutto. Nach erfolgter Genehmigung können die Wohndörfer für 200 bis zu 600 Menschen in acht Monaten errichtet werden.

Webseiten werden in die Sprache der Flüchtlinge übersetzt

Für die Integration der Bewohner wurde unter anderem ein digitales Konzept entwickelt: Eine mit IHK oder Jobcentern verbundene Software speichert nicht nur persönliche Daten, sondern auch Infos über Ausbildung oder Fähigkeiten, was bei der Arbeitssuche helfen soll

Darüber hinaus wurde ein Programm erarbeitet, das Webseiten in Echtzeit sofort in die jeweilige Sprache der Flüchtlinge übersetzt. Dieses Programm sei auch als Plattform für unterschiedlichste Deutschkurse nutzbar. Erste Dialoge mit dem Senat sind nach Ausage vom Mitgesellschafter Herwig Pausch bereits positiv verlaufen. Bislang seien in Berlin drei noch nicht spruchreife Projekte in der Planung.

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