Investitionsstau 173 Millionen für Berlins marode Sportanlagen nötig


Ein der zahlreichen maroden Schulen: Die Földerich-Grundschule in Spandau

Foto: Paul Zinken

Ein der zahlreichen maroden Schulen: Die Földerich-Grundschule in Spandau

Marode Sportanlagen in Berlin: Der Sanierungsbedarf von Sportplätzen, Hallen und Stadien steigt bis 2020 auf fast 173 Millionen Euro.

Berlin leistet sich seit Jahren ein eigenes Sonderprogramm zur Sanierung von Sportanlagen. Dennoch verfallen Sportplätze, Hallen und Stadien immer mehr. Der "Sanierungsumfang" der von den bezirklichen Sportämtern betriebenen Sportstätten ist für die vier Jahre 2017 bis 2020 auf fast 173 Millionen Euro gestiegen.

Im vergangenen Jahr wurde der Reparatur- und Investitionsstau bis 2019 noch mit 135 Millionen angegeben. Der zusätzliche Verfall der Sportinfrastruktur innerhalb eines Jahres wird von den Bezirken dreimal so hoch veranschlagt wie die 13,5 Millionen Euro, die 2016 aus dem Sonderprogramm in die Bezirke fließen.

Der "Sanierungsumfang" habe sich "wieder erhöht", schreibt Sportsenator Frank Henkel (CDU) in einem Bericht für das Abgeordnetenhaus.

2017 stehen 18 Millionen Euro bereit

2015 durften die Bezirke neun Millionen Euro aus dem Sportanlagenprogramm ausgeben. Das haben sie anders als bei vielen anderen Baumaßnehmen auch geschafft. 2016 wurden 13,5 Millionen bewilligt, die sich auf 68 Projekte verteilen.

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In der Liste finden sich Vorhaben wie die Sanierung des Kunstrasenplatzes an der Buschkrugallee in Neukölln für fast eine halbe Million, die Sanierung der Fassade des Kabinentraktes am Vorarlberger Damm in Schöneberg ebenso wie 25.000 Euro für eine Prallschutzbohle für Hockey am Göschenplatz in Reinickendorf. 2017 stehen 18 Millionen Euro bereit.

Dennoch dürfte sich der Verfall der Sportanlagen auch mit dieser Summe kaum aufhalten lassen. Ähnlich wie bei Schulen, Bädern, Straßen und anderen Gebäuden gelingt es dem Senat nicht, die Investitionen derart hochzufahren, dass der Negativtrend durchbrochen und der Rückstand ein für allemal aufgeholt werden kann.

"Es gibt keine fundierte Analyse und keine Erhaltungsstrategie", kritisierte die Grünen-Finanzexpertin Clara Herrmann: "Die ständige Flickschusterei führt dazu, dass es am Ende teurer wird."

Tatsächlich können die Bezirke mit der jeweils rund einer Million Euro, die ihnen der Senat zur Verfügung stellt, kaum eine Grundsanierung einer Anlage machen. "Da muss man mehr Geld reinstecken", sagte der sportpolitische Sprecher der Berliner SPD, Dennis Buchner. Er könne sich ein Sonder-Sanierungsprogramm für Sportanlagen vorstellen.

Die Opposition hält davon nichts. Die Linken argumentieren, ständige Sonderprogramme verhindern eher ein planvolles Vorgehen bei Sanierung und Unterhalt. Stattdessen sollten die Bezirke mehr Geld für die laufende Pflege der Infrastruktur bekommen.

Für die Schulen hat die Linke eine eigene Verwaltungs-GmbH für die Gebäude vorgeschlagen, die sich am Kapitalmarkt auf einen Schlag ausreichend Geld leihen sollte, um den Sanierungsstau abzuarbeiten.

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"Wir werden sehr genau beobachten, ob der Bedarf schneller steigt."

Zins und Tilgung sollten über Mietzahlungen der Schulen finanziert werden, die geringer ausfallen würden als die Summe, die bisher jährlich in die Schulsanierung fließt.

Beim Landessportbund (LSB) kennt man die Misere mit dem Investitionsstau, ist aber auch dankbar, dass die Fraktionen von SPD und CDU für den Haushalt 2016/17 die Mittel für das Sportanlagenprogramm verdoppelt haben.

"Wir werden sehr genau beobachten, ob der Bedarf schneller steigt", sagte LSB-Direktor Heiner Brandi. Normalerweise müsse ein Haushalt so ausgestattet sein, dass er die Renovierung der Infrastruktur sicherstelle.

Weitere Kosten für den Sport kommen auf den Senat zu, wenn die Flüchtlinge die noch belegten Sporthallen frei machen. Allein für die beiden Anlagen des Horst-Korber-Zen­trums in Charlottenburg rechnet der LSB mit Sanierungskosten zwischen 3,3 bis 4,3 Millionen Euro – je nachdem, ob die Fußböden zerstört sind oder nicht.

Das wisse man aber erst, wenn die zum Schutz ausgelegten Bodenplatten angehoben würden. Ein baldiger Auszug ist dort aber nicht geplant. Laut Brandi wurde die Beschlagnahme der Hallen bis zum 9. August verlängert.

Der SPD-Abgeordnete Thorsten Karge verlangte am Montag eine Taskforce zu gründen, um die Sanierung der noch 44 Schulturnhallen schon, vor dem ab Mai geplanten Auszug der Flüchtlinge in Container, so schnell wie möglich vorzubereiten.

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