IT-Unternehmen

260 Redknee-Angestellte in Spandau fürchten um ihre Jobs

Das kanadische IT-Unternehmen will offenbar seinen Spandauer Standort nach Potsdam verlagern. Die Gewerkschaft befürchtet Tarifflucht.

Im Redknee-Standort Siemensstadt könnten bald die Lichter ausgehen

Foto: Caro / Schulz

Im Redknee-Standort Siemensstadt könnten bald die Lichter ausgehen

Das kanadische Telekommunikationsunternehmen Redknee will offenbar seinen Standort in Siemensstadt schließen. 260 Arbeitnehmer fürchten um ihre Arbeitsplätze. Politiker von CDU und SPD zeigen sich besorgt. Anstelle der gegenwärtigen Niederlassung sollen laut IG Metall zwei neue Unternehmen in Potsdam und Berlin entstehen.

Klaus Abel, erster Bevollmächtigter der IG Metall, bezeichnet diesen Plan als skandalös. "Mit ihrer Politik will Redknee nicht nur die Tarifbindung, sondern auch die Mitbestimmung aushebeln." Der Rechtsschutz der Arbeitnehmer (§ 613A BGB) werde umgangen. Er vermutet, dass ein Teil der Mitarbeiter "zu schlechteren Bedingungen" wieder eingestellt werden soll. "Wir wollen das Unternehmen in der Tarifbindung behalten", sagte Abel. Ferner sei es ein Skandal, dass die Firma in Potsdam Fördergelder für die Neuansiedlung in Anspruch nehmen könne.

Redknee hatte bereits in den vergangenen Jahren mit Umstrukturierungsplänen für Unruhe gesorgt. 2014 wollte Redknee demnach 100 von damals 330 Stellen in Berlin abbauen. Nach Protesten wurde nach Gewerkschaftsangaben auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. "Das Unternehmen hat uns noch 2014 vertraglich zugesichert, dass es bis September 2017 keinen weiteren Personalabbau unter die aktuelle Mitarbeiterzahl geben wird", erklärt Henry Armitage, Betriebsratsvorsitzender bei Redknee Berlin, auf der Webseite der IG-Metall.

2012 hatte Redknee die Kundendienstsparte von Nokia Siemens Networks übernommen. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) hatte noch im Mai 2013 das Werk besucht. Damals würdigte sie den Erhalt von 300 Arbeitsplätzen in Berlin nach der Übernahme der Business Support Sparte von Nokia Siemens Networks durch Redknee. Das Unternehmen habe damit "ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Berlin abgegeben".

Unternehmen lehnt Stellungnahme ab

Betroffen zeigte sich jetzt der Spandauer CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner: "Die Redknee-Beschäftigten vor Ort sind motivierte Fachkräfte und leisten gute Arbeit", sagte der Politiker. "Ich fordere die Unternehmensleitung auf, ihre Standortentscheidung zu überdenken." Es ergebe keinen Sinn, in Spandau den Betrieb aufzugeben und dafür in Berlin und Potsdam zwei neue Standorte zu eröffnen. Ähnlich äußerte sich der Wahlkreisabgeordnete Matthias Brauner: "Die Siemensstadt ist ein aufstrebender Standort für Technologieunternehmen." Das Technologie-Cluster im Thelen-Technopark ermögliche innovative Vernetzungen und biete Synergieeffekte.

Auch die Spandauer SPD-Abgeordneten Burgunde Grosse und Daniel Buchholz verurteilen die Pläne von Redknee, seinen Standort trotz gültiger Standortsicherungsvereinbarung schließen zu wollen. Burgunde Grosse sagte: "Die Pläne von Redknee sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Versuch, aus der Tarifbindung zu fliehen und die betriebliche Mitbestimmung auszuhebeln." Daniel Buchholz, Spandauer SPD-Abgeordneter für die Siemensstadt, ist ebenfalls empört: "Die angekündigte Standortschließung wäre ein schwerer Schlag für den traditionsreichen Hightech-Standort Siemensstadt."

Berlin ist einer der größten Standorte von Redknee, einem globalen Anbieter von Softwarelösungen zur Abrechnung und Kundenbetreuung für Kommunikationsdienstleister und wurde 1999 in Toronto/Kanada, gegründet.

Eine Betriebsversammlung am Montag solle turbulent verlaufen sein, heißt es in Gewerkschaftskreisen. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir keinen Kommentar", teilte das Unternehmen per E-Mail mit.

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