Diebe in Berlin

Organisierte Banden entdecken in Berlin den Ladendiebstahl

Und weg...ein Mann schiebt sich  in einem Fotogeschäft eine Speicherkarte in seine Jackentasche

Foto: dpa Picture-Alliance / Felix Kästle / picture alliance / dpa

Und weg...ein Mann schiebt sich in einem Fotogeschäft eine Speicherkarte in seine Jackentasche

Kriminelle haben es auch auf Baustellen und Lkw-Ladungen abgesehen. Die Schäden für die Wirtschaft im dreistelligen Millionenbereich.

Autodiebe haben im vergangenen Jahr in Berlin einen geschätzten Schaden von 70 Millionen Euro verursacht. Taschendiebe brachten es auf viereinhalb bis fünf Millionen Euro. Beide Delikte sind seit Jahren ein Dauerthema in der Hauptstadt, die Zahl der Taten ist hoch, der entstandene Schaden noch höher. Es gibt allerdings in Berlin wie anderswo Diebstahlsformen, die eine breite Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis nimmt, bei denen der entstandene Schaden zum Teil allerdings ein Vielfaches dessen beträgt, was Autodiebe oder Taschendiebe anrichten.

Es geht um Diebstähle zulasten der Wirtschaft. Der Ladendiebstahl ist die in der Öffentlichkeit bekannteste Form, häufig gestohlen wird aber auch auf Baustellen oder entlang von Bahnstrecken, wo Buntmetalldiebe aktiv sind. Die Täter räumen Lagerhallen leer und lassen komplette Lkw-Ladungen verschwinden.

Beim Ladendiebstahl registrierte die Polizei im vergangenen Jahr knapp 38.000 Fälle, 14 Prozent mehr als 2014. Das Handelsforschungsinstitut EHI in Köln ermittelte, dass Ladendiebstähle 2014 bundesweit einen Schaden von 3,9 Milliarden Euro verursachten. Hinzu kamen für die Unternehmen etwa 1,3 Milliarden Euro an Investitionen in Technik und Personal zur Diebstahlvermeidung hinzu. In Berlin wird der jährliche Schaden auf einen Betrag zwischen 100 und 150 Millionen Euro geschätzt.

Die Serie "Diebe in Berlin":

Ladendiebstahl bedroht Existenzen

Was sich bei großen Ketten "nur" negativ in der Bilanz auswirkt, kann bei kleinen Ladeninhabern und Gewerbetreibenden durchaus die Existenz bedrohen, heißt es dazu beim Berliner Einzelhandelsverband. Geklaut wird alles, was wertvoll und leicht zu transportieren ist, vor allem hochwertige Kosmetika, Markenkleidung, Handys und Schmuck.

Ein neuer Trend ist der Studie zufolge die Zunahme organisierter Überfälle. Der Gelegenheitsdieb spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. Ermittlern zufolge gehen in Berlin inzwischen zwei Drittel aller Taten auf das Konto organisierter Banden. "Die kommen gleich in ganzen Gruppen in das Geschäft, zwei oder drei Täter lenken das Personal ab, ihre Komplizen räumen inzwischen schnell und gezielt die Regale leer", erklärt der Beamte.

Eine Mitarbeiterin einer Parfümerie an der Steglitzer Schlossstraße erlebte im vergangenen Jahr einen solchen Beutezug. Sie weiß bis heute noch immer nicht genau, wie die Tat eigentlich ablief. "Während meine Kollegin gerade Mittagspause machte, tauchten vor mir zwei Frauen auf, bedrängten mich und riefen unentwegt in gebrochenem Deutsch ,Toilett, Toilett'. Gleichzeitig huschten andere Personen durch die Gänge. Noch bevor ich etwas unternehmen konnte, waren plötzlich alle wieder verschwunden und mit ihnen Ware im Wert von mehr als 1000 Euro", berichtet die Frau.

Lkw auf Parkplatz leergeräumt, während Fahrer schlief

Organisierte Banden haben es auch auf Baustellen und ganze Lkw-Ladungen abgesehen. Die Delikte werden nicht einzeln erfasst, konkrete Zahlen gibt es daher nicht. Der Schaden im Großraum Berlin liegt laut Branchenverbänden im hohen zweistelligen Millionenbereich.

Wie dreist die Diebe vorgehen, zeigt ein Fall vor einem Jahr auf einer Baustelle in Wilmersdorf. Dort rückten drei Männer mit einem Tieflader an, teilten dem Bauleiter mit: "Schönen Gruß vom Chef, der Bagger wird in Köpenick gebraucht" und verschwanden mit dem 150.000-Euro-Gerät auf Nimmerwiedersehen.

Und wenn sich an Wochenenden die Rast- und Parkplätze am Berliner Autobahnring wegen des Sonntagsfahrverbotes mit Lkw füllen, schlagen Banden zu, die es auf die Ladungen abgesehen haben. Im vergangenen Frühjahr erbeuteten sie am südlichen Berliner Ring eine Ladung Carbon-Fahrräder, während der Fahrer schlief. Gesamtwert 1,4 Millionen Euro. Das war nur einer von zahlreichen Coups.

Das Delikt "Diebstahl in und aus Gaststätten, Kantinen und Hotels" gehört zu den Taten, die gerne als "Kleinkram" gewertet werden. Geklaute Handtücher und Aschenbecher interessieren kaum jemanden. Der jährlich durch diesen "Kleinkram" entstandene Schaden liegt bundesweit allerdings oberhalb der 100-Millionen-Grenze.

>> Alle Teile der Serie "Diebe in Berlin" <<

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