Schöneberg

Luxusquartier am Straßenstrich: Baustart für Carré Voltaire

Direkt neben der Zwölf-Apostel-Kirche an der Ecke Kurfürsten- und Else-Lasker-Schüler-Straße entsteht das „Carré Voltaire“

Foto: Diamona&Harnisch/Theo Brenner Architekten / BM

Direkt neben der Zwölf-Apostel-Kirche an der Ecke Kurfürsten- und Else-Lasker-Schüler-Straße entsteht das „Carré Voltaire“

An der Kurfürstenstraße startet der Bau für das nächste Luxusquartier mit 127 Wohnungen. Es ist nicht das einzige Vorhaben im Kiez.

Die Tage der großen Brache an der Zwölf-Apostel-Kirche in Schöneberg sind gezählt. Noch in diesem Monat beginnen auf dem dreieckigen Grundstück an der Kurfürsten- und Else-Lasker-Schüler-Straße die Aushubarbeiten für den Bau des "Carré Voltaire", einer elegant geschwungenen Wohnanlage mit 127 Eigentumswohnungen über einer doppelstöckigen Tiefgarage.

In der Gegend, die bislang eher für ihre zahlreichen Möbelhäuser und vor allem den Straßenstrich auf der Kurfürstenstraße bekannt war, wirkt das vom Architekturbüro Klaus Theo Brenner geplante Ensemble wie ein edler Fremdkörper. Doch Alexander Harnisch ist überzeugt, dass sich das bald ändert. "Neben unserem gibt es noch fünf weitere Bauvorhaben im Quartier, die allesamt auf eine bürgerliche Klientel zielen", sagt der Projektentwickler.

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30 Prozent der Wohnungen für Käufer reserviert

Tatsächlich haben auch andere Investoren und Projektentwickler den zwischen Potsdamer- und Wittenbergplatz äußerst zentral gelegenen Kiez und seine Aufwertungsmöglichkeiten entdeckt. So entstehen auf dem Möbelhaus-Parkplatz an der Ecke Genthiner und Kurfürstenstraße weitere 170 Wohnungen und ein Bio-Supermarkt, zwischen Genthiner und Derfflinger-straße plant Cumberland-Macher Dirk Germandi 88 Wohnungen sowie Platz für Start-ups und die Kreativwirtschaft.

Weiter unten an der Kurfürstenstraße baut auf einem ehedem von einem Autohändler genutzten Areal eine Baugruppe für ihre Mitgliedsfamilien 23 Wohnungen, und für ein weiteres Projekt mit 80 Wohnungen ebenfalls an der Genthiner Straße laufen die Vorplanungen. Das Konzept scheint aufzugehen. "Wir haben im Dezember mit der Vermarktung begonnen, und vor Baubeginn sind nun bereits 30 Prozent der Wohnungen für Käufer reserviert", so Harnisch weiter. Die Hälfte der Erwerber stamme aus Deutschland und meist sogar aus dem unmittelbaren Umfeld, die andere aus dem Ausland, mit der Absicht, sich einen Wohnsitz in Berlin anzuschaffen.

5000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Durchschnitt

In der Sprache des Bauträgers bietet das Carré Voltaire mit seinen bodentiefen Fenstern und dem Echtholzparkett "gehobenen Wohnstandard" – auch wenn die Preise erst bei 4400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche starten und im Durchschnitt etwa bei 5000 Euro liegen. "Das ist kein Luxusbau", betont Harnisch, auch wenn es sich angesichts der "im Moment noch unattraktiven Nachbarschaft" so ausnehme.

Auf die Frage, wo im Wohnungsbau der Luxus beginnt, gibt es indes unterschiedliche Antworten. Für Henrik Baumunk, Analyst beim Immobilienberater CBRE, gehört alles oberhalb eines Kaufpreises von 6000 Euro pro Quadratmeter zumindest zum "hochwertigen Segment". Von den aktuell im Bau befindlichen 262 Wohnungsbauprojekten mit ihren 23.000 Wohneinheiten erfüllten 48 Projekte mit 3300 Wohneinheiten dieses Kriterium. Schwerpunktbezirke seien Charlottenburg-Wilmersdorf, wo sich 40 Prozent der Projekte wiederfinden, in denen mindestens eine Wohneinheit zu einem Quadratmeterpreis oberhalb von 6000 Euro angeboten wird. Auf Platz zwei und drei folgen Mitte (29 Prozent) und Friedrichshain-Kreuzberg (15 Prozent).

Die aktuell teuersten Neubauwohnungen entstanden im vergangenen Jahr an der Spree in Friedrichshain: 13.806 Euro kostete der Quadratmeter in dem Living Levels genannten Hochhaus zwischen Spree und East-Side-Gallery. Der bisherige Preisspitzenreiter dieses Jahres findet sich in Mitte: 15.046 Euro je Quadratmeter werden an der Ecke Prinzengasse und Schinkelplatz verlangt. Während Henrik Baumunk in diesem Marktsegment vorerst auch keine weiteren deutlichen Preissprünge erwartet, sieht der Makler Thomas Zabel durchaus noch Potenzial für deutlich höhere Kaufpreise.

"Im Premium-Segment ist Berlin noch in der Aufbauphase"

Zabels 15-sprachiges Beraterteam hat sich seit 2007 auf die Bedürfnisse ausländischer Kunden mit besonderen Ansprüchen spezialisiert. Und ganz generell handele es sich selbst bei den teuersten Berliner Angeboten "im internationalen Metropolenvergleich eher um einen gehobenen Standard", so die Einschätzung des Maklers. Wahrer Luxus, wie ihn die Anleger in London, aber auch in den arabischen Emiraten oder China kennengelernt hätten, habe auch gar nicht so sehr mit der Ausstattung der eigenen Wohnung zu tun, sondern dem Angebot drumherum: "Da nimmt einem der Concierge wirklich alle Besorgungen ab", nennt er ein Beispiel.

Zudem gebe es in Berlin auch kaum Wohnprojekte mit exklusiven Gemeinschaftsflächen, wie einem von allen Bewohnern genutzten Dachgarten, dem Gym, der Gemeinschaftsküche und dem "öffentlichen Wohnzimmer". Diese Einrichtungen böten den Vorteil, Gäste empfangen zu können, ohne sie in die private Wohnung lassen zu müssen. "Das gibt es so in Berlin noch gar nicht", sagt der Experte. Genauso wenig wie einen zum Haus gehörenden Privatjet-Service. "Das Premium-Segment beim Wohnen findet sich in Berlin noch in der Aufbauphase", ist Zabel überzeugt.

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