Kriminalstatistik

Weniger Gewalttaten in Berlin - aber mehr Diebstähle

Die Zahl der Diebstähle hat in Berlin erneut zugenommen

Foto: Andrea Warnecke / picture alliance / dpa

Die Zahl der Diebstähle hat in Berlin erneut zugenommen

Berliner müssen sich rein statistisch weniger sorgen, Opfer von Gewalttaten zu werden. Die Zahl der Diebstähle ist aber gestiegen.

Taschendiebstähle, Kellereinbrüche, Ladendiebstähle und Fahrraddiebstähle haben der Berliner Polizei und der Innenverwaltung die Kriminalstatistik 2015 verhagelt. Insgesamt wurden für das abgelaufene Jahr 569.549 Straftaten in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfasst, 26.393 Fälle mehr als 2014. Ein Plus von 4,9 Prozent. Mehr als 24.000 Delikte davon gehen auf das Konto von Taschen-, Laden- und Fahrraddieben sowie Kellereinbrechern. Die Polizei erfasste allein 40.399 Taschendiebstähle. 8278 mehr als 2014 (+25,8 Prozent).

Die wachsende Zahl der Diebstahldelikte hat nicht nur die Gesamtzahl der Straftaten nach oben steigen lassen, sie drückt auch auf die Aufklärungsquote. Diese betrug im Jahr 2015 knapp 44 Prozent und lag damit einen Prozentpunkt unter dem Wert des Vorjahres. "Trotz zahlreicher Maßnahmen und mehr Festnahmen steigen die Taschendiebstähle ungebremst weiter", sagte Innensenator Frank Henkel (CDU). "Auch die steigende Zahl von Kellereinbrüchen und Ladendiebstählen drückt auf die Aufklärungsquote."

Sicher vor Gewalt wie seit zehn Jahren nicht mehr

Positiv zu vermelden ist, dass die Gewaltkriminalität in Berlin stark abgenommen hat. Sowohl auf Straßen und Plätzen als auch in Bussen und Bahnen ist die Gewalt deutlich zurückgegangen. Das gilt für Mord und Totschlag, Rohheits- und Sexualdelikte. "Die Gewalt ist in Berlin auf dem Rückzug", sagte Henkel, als er am Freitag die Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 im Roten Rathaus vorstellte. "Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Gewalttat zu werden, hat sich gegenüber dem Jahr 2007 praktisch halbiert." Henkel sei mit dieser positiven Entwicklung sehr zufrieden.

Im vergangenen Jahr sind die Zahlen für Mord und Totschlag um 19 Fälle (-14,5 Prozent) auf 112 Delikte gesunken. In der Kriminalstatistik wird diese Zahl nach 2013 als der zweitniedrigste Wert im Zehnjahresvergleich angegeben. Die Zahl der vollendeten Tötungsdelikte liegt mit 34 Fällen auf dem tiefsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Sexualdelikte haben um 199 Fälle (-6,7 Prozent) auf 2792 Fälle abgenommen. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen reduzierte sich auf 623 Fälle (-8,9 Prozent).

Erfasst wurden 2015 insgesamt 60.287 Rohheitsdelikte, das sind Gewalttaten, die nicht auf Mord und Totschlag abzielten. Das sind 783 Fälle weniger (-1,3 Prozent) als 2014. Die Zahl der Raubtaten ist von 5407 um 290 Fälle gesunken. Ebenfalls gesunken ist die Jugendgruppengewalt (-7,5 Prozent) und die Gewalt in Bussen und Bahnen (-8,9 Prozent). Die Zahl der Wohnraumeinbrüche sank um 344 Fälle auf 11.815 (-2,8 Prozent). Die Versuchsquote stieg dabei aber auf 42 Prozent. Wie im Vorjahr gab es die meisten Wohnungseinbrüche in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf.

"Diese Zahlen zeigen den nachhaltigen Erfolg intensiver Polizeiarbeit im Bereich der Gewalttaten", teilte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) mit. "Sie offenbaren aber auch schonungslos, wie sehr der chronische Personalmangel zu einem Anstieg krimineller Handlungen führt." Landeskriminalamt und Einsatzhundertschaften hätten gute Ideen, um hier präventiv und repressiv vorzugehen, sagte Kerstin Philipp, Landesvorsitzende der GdP. "Die Strategien aber können noch so gut sein, wenn das nötige Personal fehlt, um sie in die Tat umzusetzen."

Täglich sieben Übergriffe auf Polizeibeamte in Berlin

Gestiegen ist die Zahl der Übergriffe auf Polizeibeamte im Dienst. Insgesamt wurden 2582 Fälle von Widerstand gegen die Staatsgewalt verzeichnet. Das sind 149 Fälle (+6,1 Prozent) mehr als noch 2014. "Gewalt gegen Polizeibeamte nehme ich nicht hin", sagte Henkel am Freitag. "Die Uniform ist keine Zielscheibe."

Das sei nicht hinzunehmen, sagte auch der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Bodo Pfalzgraf, und forderte den Taser und Körperschutzkameras als Ausrüstungsgegenstände, "damit diese Zahlen schnell sinken". Die GdP fordert, dass Gewalt gegen Polizisten endlich als Straftatbestand definiert wird. "Es kann nicht sein, dass wir auf den Straßen mehr Sicherheit wollen und diejenigen, die dafür eintreten, politisch nicht geschützt werden", sagte die Landesvorsitzende Philipp.

Bei der politisch motivierten Kriminalität registrierte die Polizei einen Rückgang um 127 Fälle (-3 Prozent). Ihre Zahl sank von 3897 Fällen auf 3770. Dabei stieg die Kriminalität aus der rechten Szene um insgesamt sechs Prozent auf 1655 Delikte. Die Zahl der Gewaltdelikte ist um 32 Prozent von 108 auf 143 Fälle gestiegen. Im Bereich der Körperverletzungen haben die Delikte um mehr als 50 Prozent auf 122 zugenommen.

"In Berlin wächst die militante und gewaltbereite rechte Szene. Die Zahlen rechter Vorfälle sind ein dramatisches Signal", sagte Clara Herrmann, Sprecherin der Grünen für Strategien gegen Rechtsextremismus. Ein Nährboden für rechte Gewalt sei die menschenfeindliche Hetze von Pegida, AfD und Co. "Die Behörden müssen konsequent gegen rechte Hetze und rechte Täter vorgehen." Links motivierte Kriminalität ist hingegen um 23 Prozent von 1373 auf 1059 Delikte gesunken.

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