Grundschulen

Überfüllte Horte: Eltern fordern mehr Platz für ihre Kinder

Für die Hortbetreuung fehlt an vielen Schulen in Berlin der Platz. Eltern fordern, zusätzliche Räume zu schaffen.

Schlangestehen an der Giesensdorfer Grundschule: Um den Überblick zu behalten, müssen sich alle Kinder im Hort registrieren lassen

Schlangestehen an der Giesensdorfer Grundschule: Um den Überblick zu behalten, müssen sich alle Kinder im Hort registrieren lassen

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Kinder stehen Schlange. Nicht an der Essensausgabe. Bevor sie überhaupt in die Mensa dürfen, müssen sie sich jeden Mittag als Hortkind im Computer registrieren lassen. Mehr als 100 Kinder füllen das Foyer des Hortgebäudes an der Giesensdorfer Grundschule in Lichterfelde. Es ist kein Durchkommen mehr, das eigene Wort kaum zu verstehen. Für 70 Kinder wurde das Gebäude mit zwei Räumen und einer Mensa gebaut, etwa 170 besuchen täglich den Hort. Fällt Unterricht an der verlässlichen Halbtagsgrundschule aus, kommen 90 Kinder dazu.

Die Eltern sprechen von einer 240-prozentigen Auslastung des Hortes und Problemen in allen Bereichen: bei den Sanitäreinrichtungen, beim Mittagessen, bei der pädagogischen Arbeit und gesundheitlichen Aspekten. Der Platz reiche weder für die Kinder, noch für Mappen, Schuhe, Mäntel. "Die Kinder wünschen sich nichts sehnlicher als einen Raum, in den sie sich zurückziehen und einfach Ruhe finden können", sagt Hiristo Hoppe vom Förderverein. Jetzt haben die Eltern 185 Unterschriften gesammelt und Bildungsstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) übergeben. Sie hat der Elternvertretung sowie der Schul- und Hortleitung ein Gespräch am 8. März vorgeschlagen.

Zu wenig Räume: Betreuung an Ganztagsschulen in Gefahr

Viele Grundschulen mit Raumproblemen

Die Bildungsstadträtin betont gegenüber der Berliner Morgenpost, dass viele Grundschulen im Land von dem Problem betroffen sind. Tatsächlich wissen die Schulleiter inzwischen nicht mehr, wie sie die Kinder noch angemessen unterbringen sollen. Verlässliche Halbtagsschulen, Ganztagsschulen und die neue Hortbetreuung der Fünft- und Sechstklässler führen zur Überfüllung der Horte. Nachmittags müssen sich die Kinder in viel zu kleinen Räumen drängen.

Cerstin Richter-Kotowski sieht den Auslöser für das Platzproblem im Programm "Horte und Vorklassen an Schulen", infolgedessen vor Jahren die Betreuung der Kinder aus den Schülerläden wieder an die Schulen geholt wurde. Damals sei man von viel geringeren Kapazitäten ausgegangen, sagt die Bildungsstadträtin. Sie habe gleich gesagt, dass der Bedarf steigen werde, wenn die Horte erst in den Schulen angesiedelt sind, sagt Cerstin Richter-Kotowski. Doch dann habe es nur geheißen, dass die Klassenzimmer am Nachmittag genutzt werden könnten.

Ein Neubau für den Hort kann nicht vor 2019 begonnen werden

An der Giesensdorfer Grundschule geht das nicht. Hort und Schule sind zwei getrennte Gebäude, das Personal reicht nicht aus, um an beiden Orten zu sein. Deshalb ist geplant, einen alten Pavillon mit vier Klassenräumen auf dem Schulhof abzureißen und einen Neubau mit einer Verbindung an das Hortgebäude zu bauen, wieder mit vier Klassenräumen und zwei Teilungsräumen. Der kann am Nachmittag mitgenutzt werden. Der Haken: Die Kosten von geschätzten 1,7 Millionen Euro sollen zwar in diesem Jahr noch für die Investitionsplanung 2017–2022 angemeldet werden. Die Jahre 2017 und 2018 sind aber schon voll verplant. Also wird es nichts vor 2019.

Auch an anderen Schulen gehen die Eltern mit den Problemen an die Öffentlichkeit. An der Richard-Wagner-Grundschule in Karlshorst mit mehr als 400 Schülern gibt es einen Hortraum für etwa 30 bis 40 Kindern. Der ist aber nur früh und nachmittags für einige Kinder zugänglich. Ansonsten werden alle Kinder in den ersten und zweiten Klassen nach dem Unterricht in ihren Klassenräumen betreut. Die Eltern haben sich bei der Bezirksstadträtin und beim Schulamt darüber beschwert, dass die Kinder der ersten beiden Klassenstufen den ganzen Tag im selben Raum verbringen müssen, aber nach eigenen Aussagen "nur Achselzucken geerntet".

Pankower kämpfen für einen Erweiterungsbau

Auch in Pankow fordern die Eltern mehr Platz an den Schulen. Im Ortsteil Französisch Buchholz kämpfen sie für einen Erweiterungsbau an der Jeanne-Barez-Grundschule. Im Januar gab es deshalb bereits eine Demonstration, an der sich nicht nur viele Eltern von Schulkindern, sondern auch solche von Kita-Kindern beteiligt haben. Der Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Jeanne-Barez-Schule, Lars Bocian, sagt der Berliner Morgenpost, dass es an der Schule immer enger werde. Zum neuen Schuljahr müsse die Schule sogar noch eine zusätzliche erste Klasse aufnehmen. "Wir befürchten nun, dass wir bald keine Horträume mehr haben werden", sagt Bocian.

Modularer Ergänzungsbau könnte die Lage entschärfen

Er fordert, dass die Schule sofort einen Erweiterungsbau bekommt und nicht erst 2019 wie geplant. Die Lage würde sich demnächst sogar noch verschärfen. " In Französisch Buchholz werden viele Einfamilienhäuser und Wohnblocks gebaut", sagt er. Die Kinder, die mit ihren Familien dorthin einziehen werden, seien bei der Planung der Schulplätze nicht berücksichtigt.

Die Bezirksverordneten aller Parteien haben mit den Eltern und Lehrern kürzlich über das Problem diskutiert. Sie wollen beantragen, dass die Jeanne-Barez-Schule schnell einen Erweiterungsbau bekommt. Elternvertreter Bocian sagt, dass man sich bis 2019 – dann soll das geplante Schulgebäude errichtet werden – mit einem modularen Ergänzungsbau behelfen könne. "Das ist unsere Forderung."

Obergrenze der Kapazitäten erreicht

In Tempelhof-Schöneberg sieht es nicht besser aus. Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) sagt der Berliner Morgenpost, dass sie "an der Obergrenze der möglichen Kapazität angekommen sind." Im kommenden Schuljahr seien mindestens 200 Erstklässler mehr zu versorgen, als geplant. Um mehr Schulplätze zu schaffen, soll jetzt das Gebäude der Teske-Realschule am Tempelhofer Weg reaktiviert werden. Das stand eineinhalb Jahre leer. Im August 2015 wurden dort Flüchtlinge einquartiert. Gegen den Willen der Bildungsstadträtin. Zurzeit leben dort 220 Flüchtlinge, darunter viele Familien.

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