Tourismus-Boom "365/24 Berlin": Neuer Marketing-Claim für die Hauptstadt

Do, 18.02.2016, 20.13 Uhr

Weiterhin kommen jedes Jahr mehr Touristen nach Berlin. Im vergangenen Jahr gab es 5,4 Prozent mehr Übernachtungen, nämlich stolze 30 Millionen. Mit 12 Millionen Besuchern kamen außerdem 4,2 Prozent mehr Touristen in die Stadt.

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Um fast zehn Millionen ist die Zahl der Übernachtungen innerhalb von fünf Jahren gestiegen. Einen neuen Marketing-Claim gibt es auch.

Der Berlin-Tourismus hat erneut einen Rekord erzielt. Das Statistische Landesamt zählte 2015 erstmals mehr als 30 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen durch Besucher aus der ganzen Welt. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl um fast zehn Millionen von 20,8 auf 30,25 Millionen Übernachtungen. "Von diesen Zahlen haben wir vor zehn Jahren nicht einmal zu träumen gewagt" sagte der Geschäftsführer der Berlin-Tourismus und Kongressgesellschaft "Visit Berlin", Burkhard Kieker. Und noch vor fünf Jahren habe man solche Werte erst für 2020 erwartet.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Übernachtungen um 5,4 Prozent, die der Gäste um 4,2 Prozent auf knapp 12,4 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass nicht nur immer mehr Touristen in die Stadt strömen, viele bleiben auch länger als in früheren Jahren üblich. Dabei spiegeln diese Rekordmarken nur die Daten der offiziellen 774 Beherbergungsbetriebe mit rund 137.000 Betten. Hinzu kommen die Berlin-Besucher, die in Ferienwohnungen oder bei Verwandten und Freunden übernachten. Kieker schätzt, dass diese Gruppe noch einmal zehn bis zwölf Millionen Menschen pro Jahr ausmacht.

Nationales Wachstum fiel relativ gering aus

Der Anteil der Übernachtungen deutscher Gäste war 2015 mit knapp 55 Prozent wieder am höchsten. Allerdings fiel das nationale Wachstum mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 16,6 Millionen Übernachtungen vergleichsweise verhalten aus. Es wurde aber gut durch die Gäste aus dem Ausland kompensiert. Hier betrug das Plus bei den Übernachtungen 9,2 Prozent Davon entfielen mehr als zwei Drittel auf Besucher aus Europa. Mit 1,5 Millionen Übernachtungen und einem Wachstum von 19,6 Prozent führt Großbritannien die Liste der zehn wichtigsten Auslandsmärkte für Berlin an. Es folgen die USA mit 1,1 Millionen Übernachtungen (plus 17 Prozent), Italien und die Niederlande.

Spanien kam mit 841.000 Übernachtungen auf Rang fünf. Nach einem Einbruch durch die dortige Wirtschaftskrise stieg die Zahl der Besucher 2015 im Vergleich zum Vorjahr um fast 28 Prozent. Das Gegenbild dazu liefert Russland. Die Zahl der Gäste von dort sank im Jahresvergleich um fast 25 Prozent, die der Übernachtungen sogar um 27 Prozent – eine Folge der von der russischen Regierung ausgesprochenen Reiseverbote und -empfehlungen.

Die meisten deutschen Gäste kamen aus Bayern

Wie sich die Touristen aus Deutschland auf die Bundesländer verteilen, darüber führt das Statistische Landesamt keine Erhebung. Die letzten Zahlen dazu stammen aus dem Jahr 2010 von der Deutschen Zentrale für Tourismus. Damals kamen 28 Prozent der Besucher aus Nordrhein-Westfalen. Die Plätze zwei und drei belegten Bayern mit 14 Prozent und Baden- Württemberg mit elf Prozent.

Aktuelle Zahlen bot am Donnerstag allein das Hotel Ellington an der Nürnberger Straße in Schöneberg an. Dort lag Nordrhein-Westfalen mit rund 10.500 Gästen 2015 auf Platz eins, gefolgt von Bayern (7100 Gäste) und Baden-Württemberg (knapp 4500).

Der überdurchschnittliche Anstieg der Gäste aus dem Ausland sei in einem Jahr erfolgt, das angesichts der weltweiten Bedrohungslage ein eher schwieriges für den internationalen Städtetourismus war, betonte Kieker. Berlin sei auf diesem Feld die "Lokomotive" in Deutschland, jede sechste internationale Übernachtung entfalle auf die Hauptstadt. In Berlin beträgt der Anteil dieser Übernachtungen rund 45 Prozent, deutschlandweit sind es nur knapp 18 Prozent.

"Der Tourismus ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Die weltoffene und tolerante Hauptstadt Deutschlands wird international immer populärer, als Besuchsziel, als Wohnort oder auch als Drehort internationaler Produktionen", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er nannte die Zahlen beeindruckend und betonte, der Tourismus sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt und ein wichtiges Element für die Kulturförderung. Das riesige Kulturangebot sei der zentrale Anziehungspunkt für Besucher. Dazu zähle auch, dass die Menschen an "authentische Orte der Geschichte kommen wollen", so Müller. Das gelte für die Orte der dunklen Kapitel deutscher Geschichte ebenso wie für die der großartigen.

Berlin auf Rang drei in Europa

Berlin gehört jetzt als jüngstes Mitglied einer exklusiven Vereinigung an, dem "Ü-30-Club". Dabei geht es nicht um Partys erwachsener Klubgänger, sondern um die sieben Weltstädte, die in einem Jahr mehr als 30 Millionen Übernachtungen von Touristen in Hotels und Pensionen verbuchen können. Die übrigen Mitglieder sind New York, London, Paris, Dubai, Singapur und Hongkong. In Europa rangiert Berlin auf Platz drei, hinter London mit 54 Millionen Übernachtungen und Paris mit 36 Millionen.

Betrachtet man alle Berlin-Touristen, also auch Tagesbesucher und Kongressteilnehmer, halten sich Tag für Tag mehrere Hunderttausend Gäste in der Stadt auf. Zu ihnen gehörten am Donnerstag auch Jennifer Tang, 19, und Dhang Shuajie, 20. Die Architekturstudenten kamen für einen Tag aus Leipzig nach Berlin und wollten "sich einfach treiben lassen".

Kati Minuagh, 26, und Sarah Ward, 25, sind seit Dienstag aus London zu Besuch. Kati ist bereits zum dritten Mal in Berlin und mag den Lebensrhythmus und die Menschen hier. Auch Sarah findet, dass es in Berlin weniger aggressiv zugeht als in London. Die beiden bleiben bis Sonntag und wollen sich auf jeden Fall im Ostteil umsehen. Am Mittwoch waren sie erst shoppen, später bis fünf Uhr früh im Tresor. Am Donnerstag standen East Side Gallery und Ramones-Museum auf dem Programm.

So soll Berlin künftig auch vermarktet werden, als Stadt, die niemals schläft und die immer eine Reise wert ist, weil Besucher hier an jedem Tag des Jahres und zu jeder Uhrzeit etwas erleben können und ein attraktives Angebot vorfinden. Das gebe es sonst nirgendwo in Europa, sagte "Visit Berlin"-Chef Burkhard Kieker. Nicht mehr einzelne Angebote oder Events sollen beworben werden, sondern die Stadt als Gesamtereignis, als weltoffene Metropole, in der es sich lohnt, ein paar Tage zu leben und an dem teilzuhaben, was sie ihren Bewohnern bietet. Dabei setzt man vor allem auf Kultur im weiteren Sinne.

Neuer Marketing-Claim für Berlin

Der neue Marketing-Claim lautet "365/24 Berlin". Dazu wird ab März eine Datenbank aufgebaut, zudem sollen Produkte wie Kalender oder Angebote für bestimmte Gruppen aufgelegt werden. Der Slogan "be Berlin" bleibe als Dachmarke aber erhalten. Der Claim für die Stadt, in der immer etwas los ist, wird auf der Tourismus-Börse ITB im März gestartet.

Um weiter mit diesem Marketing- Pfund wuchern zu können, sei es wichtig, dass Berlin ein authentischer Ort bleibe, betonten sowohl Kieker als auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Tourismuszahlen für 2015. In diesem Zusammenhang verteidigte Müller das Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum, das Senat und Abgeordnetenhaus im vergangenen Jahr beschlossen hatten und das insbesondere darauf zielt, die Zahl der Ferienwohnungen zu verringern.

Das Problem sei, dass sich diese Ferienappartements auf attraktive Innenstadtstadtlagen konzentrieren und dort die gewachsenen Strukturen beeinträchtigten, erklärte der Regierende Bürgermeister. Der Visit-Berlin-Chef ergänzte, dass die geschätzt 20.000 Ferienwohnungen in Berlin in diesem Umfang auch nicht im Interesse der Tourismusförderung lägen. Zerstöre man das Authentische, entstehe schnell ein "Disneyland", dann schwinde nicht nur die Akzeptanz der Stadtbewohner, sondern auch das Interesse der Besucher. Damit hätten zum Beispiel Städte wie Venedig und Barcelona zu kämpfen.

Berlin steht nicht nur als Reiseziel generell gut da, auch als Kongressstandort ist die Stadt auf Wachstumskurs. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 11,4 Millionen Teilnehmer zu rund 135.000 Veranstaltungen. Das ist im Vergleich zu 2014 ein Plus von vier Prozent bei den Teilnehmern und von drei Prozent bei der Zahl der Tagungen. Dies geht aus der Jahres-Kongressstatistik von Visit Berlin hervor.

Vor allem die Berliner Hotellerie profitierte vom Tagungs- und Kongressgeschäft: 2015 generierte der Veranstaltungsmarkt 7,5 Millionen Übernachtungen (plus sieben Prozent) und damit ein Viertel aller Hotelübernachtungen in Berlin. In den vergangenen zehn Jahren stiegen die Übernachtungszahlen durch Kongressteilnehmer um 86 Prozent.

Jeder fünfte Kongressteilnehmer kommt aus dem Ausland

2,3 Millionen Tagungsgäste kamen 2015 aus dem Ausland, jeder fünfte dieser Besucher war demnach ein internationaler Gast. Wichtigster Auslandsmarkt ist Europa. Besonders gefragt ist Berlin als Standort für Veranstaltungen in den Bereichen Medizin, Gesundheit und Wissenschaft/Forschung. Auf diesen Sektor entfallen inzwischen zwölf Prozent der Tagungen und Kongresse. Ebenso stark ist der Sektor "IT, Elektronik und Kommunikation", gefolgt von "Politik und öffentliche Institutionen" mit elf Prozent. "Wir wünschen uns noch mehr internationale große Kongresse", sagte der Regierende Bürgermeister Müller.

Michael Zehden, Aufsichtsratsvorsitzender von "Visit Berlin", sprach von einem großartigen Ergebnis für den Berlin-Tourismus im vergangenen Jahr. Er konnte noch einen weiteren Rekord beisteuern: Die Auslastung der Hotels liege stadtweit inzwischen bei mehr als 60 Prozent, in der Innenstadt weit darüber. Die Übernachtungspreise lägen aber immer noch weit unter denen anderer europäischer Großstädte.

"Die aktuellen Tourismuszahlen belegen, dass der Berlin-Tourismus weiter auf der Erfolgswelle schwimmt. Das freut die Tourismuswirtschaft und stimmt uns optimistisch. Diesen Erfolg gilt es weiterzuführen", sagte Hans-Jörg Schulze, Vorsitzender des Tourismusausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Das gehe aber nur mit den richtigen Rahmenbedingungen. Dazu gehörten laut IHK insbesondere eine optimierte Anbindung des Hauptbahnhofes für Taxis und Reisebusse, ein datengestütztes Leitsystem für den Busverkehr in der City und kostenfreies W-Lan in der gesamten Stadt. Da sei die Politik gefragt.

Die Top 10 der europäischen Berlin-Touristen:

Vereinigtes Königreich: 557.827 Besucher blieben für 1.530.254 Übernachtungen

Italien 303.568 Besucher blieben für 943.139 Übernachtungen

Niederlande 302.273 Besucher blieben für 845.477 Übernachtungen

Spanien 272.824 Besucher blieben für 841.416 Übernachtungen

Dänemark 233.565 Besucher blieben für 663.724 Übernachtungen

Schweiz 237.319 Besucher blieben für 652.331 Übernachtungen

Frankreich 215.950 Besucher blieben für 594.263 Übernachtungen

Schweden 180.075 Besucher blieben für 470.383 Übernachtungen

Österreich 149.796 Besucher blieben für 379.948 Übernachtungen

Russland 131.894 Besucher blieben für 353.491 Übernachtungen

>>Das komplette Ranking der Berlin-Touristen


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