Bildung

Berlins Grundschullehrer sollen besser bezahlt werden

Mi, 17.02.2016, 20.13 Uhr

Das Land Berlin will Lehrer nun auch in Österreich und in den Grenzregionen der Niederlande anwerben. Dies sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Gedacht werde vor allem an Nachwuchskräfte, um dem Lehrermangel in der Hauptstadt zu begegnen.

Video: Rundfunk Berlin-Brandenburg
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Vor allem an den Grundschulen fehlen ausgebildete Lehrer. Die zuständigen Politiker wollen nun die Arbeit dort attraktiver machen.

Grundschullehrer sollen künftig besser bezahlt werden. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) sagte am Dienstagabend auf einer Veranstaltung der Vereinigung der Berliner Schulleiter, dass er sich für ein höheres Gehalt von Grundschulpädagogen einsetzen wird. "Das neue Lehrkräftebildungsgesetz sieht eine gleichwertige Ausbildung von Grund- und Oberschullehrern vor, das macht nun auch die gleiche Bezahlung möglich", sagte er.

An den Grundschulen ist der Lehrermangel besonders hoch

Wirksam werden könne die bessere Bezahlung aber frühestens vom Schuljahr 2018/19 an, betonte Rackles. Dann kämen die ersten Grundschullehrer, die nach dem neuen Gesetz ausgebildet worden sind, an die Schulen. Dass alle Grundschulpädagogen mehr Geld bekommen, schloss Rackles allerdings aus. "Das wird zu teuer", sagte er.

Auch Lars Oberg, seit heute bildungspolitischer Sprecher der SPD, sagte der Berliner Morgenpost, dass es das bildungspolitische Ziel seiner Partei ist, Grundschullehrer künftig besser zu bezahlen. "Auch deshalb haben wir das Lehrerbildungsgesetz geändert. Jetzt gibt es keine Ausrede mehr", sagte Oberg. Er gab allerdings zu bedenken, dass die dann ungleiche Bezahlung der Grundschullehrer zur Unruhe in den Lehrerzimmern führen könnte. Das müsse verhindert werden.

Viele Grundschulen fahren ein Notprogramm

Der Mangel an Grundschullehrern, der am Dienstagabend Thema der Veranstaltung war, wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, weil mehr und mehr Pädagogen in den Ruhestand gehen. Schon jetzt unterrichten viele Studienräte aber auch viele Quereinsteiger an den Grundschulen. Sie alle müssen die Grundschuldidaktik erst noch erlernen.

Nuri Kiefer, Schulleiter der Hannah-Höch-Gemeinschaftsschule Reinickendorf, sagte der Berliner Morgenpost, dass man an den Grundschulen ein Notprogramm fahren müsse. "Lehrermangel wird in den kommenden Jahren ein Dauerthema sein." Darunter werde die Qualität der Grundschulpädagogik leiden. Vor allem Schüler mit Förderbedarf würden das Nachsehen haben, warnte Kiefer.

Quereinsteiger müssen intensiv betreut werden

Auch pädagogische Profile wie das jahrgangsübergreifende Lernen seien in Gefahr. "Diese Art des Unterrichtens erfordert spezielle didaktische Kenntnisse und deutlich mehr Vorbereitungszeit", sagte Kiefer. Quereinsteiger oder Studienräte könnten dies ohne Fortbildung nicht leisten.

Mark Rackles nannte weitere Maßnahmen, um das Fachkräfteproblem an den Grundschulen zu beheben. So will die Bildungsverwaltung Pensionäre in die Schulen zurückholen. Außerdem sollen möglichst viele Lehrkräfte, die in Teilzeit arbeiten, davon überzeugt werden, eine Vollzeitstelle anzutreten.

Imme rmehr Lehrer wollen Teilzeit arbeiten, weil sie überfordert sind

Carsten Paeprer, in der Vereinigung der Berliner Schulleiter für Grundschulen zuständig, äußerte diesbezüglich Bedenken. "Wir machen die Erfahrung, dass immer mehr Kollegen Teilzeit arbeiten wollen, weil sie sich den Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlen", sagte Paeprer, der die Hans-Fallada-Grundschule in Neukölln leitet. Zur hohen Belastung der Kollegen käme nun noch hinzu, dass sie Quereinsteiger und Studienräte betreuen müssen. "Das erfordert viel Zeit und Kraft."

Um Lehrer zu entlasten, will Rackles den Fonds erhöhen, der Schulen zur freien Verfügung steht. Vorstellbar sei, dass jede Schule 26 Unterrichtsstunden zusätzlich angerechnet bekommt, sagte er. Das entspräche einer ganzen Stelle. Diese zusätzlichen Stunden könnten dazu genutzt werden, um Lehrer, die sich in der Fortbildung befinden oder Leitungsaufgaben übernehmen, vorübergehend zu entlasten. "Es wäre dann möglich, ihre Unterrichtsverpflichtung um ein bis zwei Stunden zu reduzieren."

Viele Studienabbrecher bei Lehramtsstudierenden

Das sollte auch für Lehrer an Brennpunktschulen gelten, forderte Carsten Paeprer. Diese Schulen hätten es besonders schwer, Pädagogen einzustellen. Kaum jemand würde dort arbeiten wollen. Da die Lehrer es sich derzeit aussuchen könnten, wo sie hingehen, verschärfe sich die Lage immer mehr.

Eine weitere Forderung der Schulleiter ist die nach der Erhöhung der Zahl der Studienplätze für das Grundschullehramt. Lothar Semmel, stellvertretender Schulleiter der Clay-Sekundarschule, sagte, dass allein im vergangenen Jahre rund 1000 Bewerber abgewiesen werden mussten, weil Studienplätze fehlten. Bildungsstaatssekretär Mark Rackles wies indes darauf hin, dass die Abbruchquote bei den Studierenden im Grundschullehramt besonders hoch ist. "Wir müssen erst klären, warum das so ist", sagte er. Ungeachtet dessen sei geplant, mehr Studienplätze für Grundschullehrer einzurichten. "Wir wollen die Zahl von 300 auf 600 verdoppeln."

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