Bauen für die Zukunft (2)

Wie es mit A100-Ausbau, BER, Ostkreuz & Co. vorangeht

Was machen Berlins Großbaustellen? Die Berliner Morgenpost zeigt, bei welchen Vorhaben es hakt - und wo es rund läuft. Hier ist Teil 2.

Am Hauptbahnhof wird für die neue Linie S21 gebuddelt

Am Hauptbahnhof wird für die neue Linie S21 gebuddelt

Foto: Joerg Krauthoefer

Berlin ist eine stark wachsende Metropole. Ende 2014 zählte die Hauptstadt 3,56 Millionen Einwohner. Bis 2025 könnte die Vier-Millionen-Marke, die Berlin zuletzt vor 90 Jahren erreicht hatte, wieder überschritten werden. Entsprechend viele Baustellen gibt es, um den Bedarf an Wohnhäusern, Schulen, Kitas, Büros, Universitätsbauten, Museen oder auch Brücken, Straßen oder U-Bahntunneln zu decken.

Viele Baukräne drehen sich für die Errichtung von Mietwohnungen. Wurden 2014 erst 9000 fertiggestellt, waren es 2015 bereits 12.000. 2016 sollen es 15.000 sein. Die landeseigenen Flächen mit den größten Baupotenzialen liegen dabei in Außenbezirken wie die Buckower Felder (Neukölln) oder die Elisabeth-Aue (Pankow). Dort könnten 1000 beziehungsweise bis zu 5000 neue Wohnungen entstehen.

Auch bei lange umstrittenen Vorhaben innerhalb des S-Bahnringes geht es weiter: Im Juli will die Groth Gruppe ihr Bauvorhaben mit 700 Wohnungen, darunter auch 120 Wohnungen mit geförderten Mieten, am Mauerpark in Wedding starten. Auch in der Europacity am Hauptbahnhof, in der 2800 Wohnungen entstehen sollen, geht es los. Und dann gibt es die spektakulären Großbauvorhaben, die aber wegen nicht eingehaltener Kosten- und Terminrahmen insbesondere bei öffentlichen Bauten teilweise umstritten sind. Die Berliner Morgenpost gibt einen Überblick über den aktuellen Stand auf Berlins prominentesten Großbaustellen.

>>> BND, Schloss, Upper West: Hier geht es zu Teil 1

Baustelle 7:

S-Bahn-Linie 21

Unter dem Projektnamen S21 wird bereits seit dem Jahr 2000 an einer zweiten Nord-Süd-Verbindung für die Berliner S-Bahn gebaut. Die Strecke soll einmal die 1936 eröffnete, inzwischen an der Kapazitätsgrenze liegende Tunnelstrecke über den Bahnhof Friedrichstraße entlasten und eine zusätzliche S-Bahn-Anbindung des Hauptbahnhofs schaffen. Gebaut wird derzeit am ersten Teilstück, das die nördliche Ringbahn mit dem Hauptbahnhof verbinden soll. Dazu laufen derzeit umfangreiche Arbeiten an der Rampe und den Viadukten im Bereich Perleberger Brücke. Weil die Vorleistungen für einen S-Bahn-Halt direkt unter dem Hauptbahnhof fehlerhaft ausgeführt wurden, wird zunächst ein Interimsbahnsteig nördlich der Invalidenstraße errichtet. Voraussichtlich 2018 soll dort erstmals ein Zug halten. Die unterirdische Station im Hauptbahnhof soll nun erst mit dem zweiten Teilstück der S21 (Hauptbahnhof – Potsdamer Platz) errichtet werden. Dafür laufen derzeit die Planungen, aber bislang sind weder die Finanzierung noch der Baubeginn geklärt. Für den ersten Bauabschnitt sind insgesamt 350 Millionen Euro veranschlagt.

Baustelle 8: Bahnhof Ostkreuz

Bereits seit 2006 ist die Deutsche Bahn dabei, den Bahnhof Ostkreuz komplett umzugestalten. Inzwischen ist schon nicht mehr viel zu sehen vom einstigen "Rostkreuz". Mit der Inbetriebnahme des oberen Bahnsteigs für Regionalzüge Ende vorigen Jahres wurde eine weitere wichtige Ausbauetappe geschafft. Seither ist Ostkreuz ein Halt für Züge der RB-Linien 12 (aus Templin kommend), 25 (aus Eberswalde) und 24 (Eberswalde-Senftenberg), deren Nutzer nun bequemer als zuvor in die S-Bahn umsteigen können. Größte Aufgabe in diesem Jahr ist die Neuordnung der Schienenstränge zwischen Ostkreuz und Rummelsburg. Weil dafür Gleise verschwenkt werden müssen, wird es voraussichtlich ab Juni mehrfach zu Betriebseinschränkungen bei der S-Bahn sowie dem Regional- und Fernverkehr kommen. Im März will die Bahn mit dem Abriss einer alten Brücke sowie des Bahndamms im Bereich Sonntagstraße beginnen. Dort soll ein Bahnhofsvorplatz entstehen. Fortgesetzt werden die Arbeiten am S-Bahnhof Warschauer Straße, der wie Ostkreuz komplett neugestaltet wird. Dort hat im Vorjahr der Bau eines neuen Empfangsgebäudes begonnen. Voraussichtlich Ende Mai wird in diesem Bereich eine Hilfsbrücke abgerissen, das sorgt gleichfalls für Einschränkungen im S-Bahnverkehr. Mit Gesamtkosten von 411 Millionen Euro ist der Ostkreuz-Umbau das derzeit größte Einzelprojekt der Deutschen Bahn in Berlin. Die Gesamtfertigstellung ist für 2018 angekündigt, dann sollen dort einmal bis zu 190.000 Fahrgäste am Tag ein-, aus- oder umsteigen können.

Baustelle 9: Tacheles-Gelände

Noch ganz am Anfang stehen die Bauarbeiten auf einer der letzten großen Brachen im Alt-Bezirk Mitte. Nach mehreren Räumungsversuchen war das Freigelände mit der Tacheles-Ruine im September 2012 vollständig gesperrt worden und lag seitdem brach. Die internationale Fondsgesellschaft Perella Weinberg hat das Gelände des ehemaligen Kunsthauses Tacheles an der Ecke Oranienburger und Friedrichstraße vor rund anderthalb Jahren für 150 Millionen Euro gekauft. Das 25.000 Quadratmeter große Areal mit der Kaufhausruine darf laut Bebauungsplan mit Büros, Wohnungen, Einzelhandel und Hotels bebaut werden. Auch die kulturelle Nutzung des Tacheles ist im Bebauungsplan vorgeschrieben. Neu entstehen dürfen 83.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Insgesamt könnten neben einer Passage, die an das Tacheles angrenzen soll, auch 450 Wohnungen auf dem Gelände entstehen, sagte Sebastian Klatt, Geschäftsführer der pwr development, der die Pläne im Bezirk vorgestellt hat. Erste Aushubarbeiten sollen 2016 beginnen. Klatt rechnet mit der Genehmigung im Sommer. Die Arbeiten an der Baugrube würden voraussichtlich 22 Monate dauern. Die ersten Gebäude könnten Ende 2019 fertig sein.

Baustelle 10: Lückenschluss U-Bahn-Linie 5

Im April 2010 wurde der erste Spatenstich für den Weiterbau der U-Bahn-Linie U5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor gefeiert. Der tatsächliche Baustart für die Tunnelarbeiten erfolgte allerdings erst 2012 mit der Errichtung der Startbaugrube gegenüber vom Roten Rathaus. Die Neubaustrecke durch Berlins historische Mitte ist 2,2 Kilometer lang, drei neue Bahnhöfe sind geplant: "Berliner Rathaus", "Museumsinsel" und "Unter den Linden". Am bereits bestehenden U-Bahnhof "Brandenburger Tor" soll der Anschluss an die 2009 eröffnete Stummellinie U55 erfolgen. Die Eröffnung der Neubaustrecke war anfangs für 2019 avisiert. Aufgrund mehrerer Bauverzögerungen geht die BVG-eigene Projektgesellschaft von einer Inbetriebnahme der U5-Verlängerung im Herbst 2020 aus. "Wir hoffen aber, beim Innenausbau der Bahnhöfe noch etwas Zeit rauszuholen", sagte Projektchef Jörg Seegers. Die Kosten für das U5-Projekt waren 2008 mit 433 Millionen Euro kalkuliert. 2013 wurde jedoch bekannt, dass die BVG mit Gesamtkosten von 525 Millionen Euro rechnet. Ob diese Summe am Ende Bestand haben wird, ist fraglich. Aufgrund baubedingter Mehraufwendungen hat die BVG bereits Nachtragsforderungen an die Baufirmen in Höhe von 43,5 Millionen Euro bewilligt. Nachträge über weitere 24 Millionen liegen bereits vor, sind aber laut BVG noch "in der Prüfung".

Die Arbeiten am U5-Lückenschluss hatten sich mehrfach verzögert. Für zeitweiligen Stillstand sorgte etwa ein lange Zeit ungeklärter Wassereinbruch im Bereich Unter den Linden. Für dieses Jahr sind zwei wichtige Meilensteine im Baufortschritt geplant: Nach Auskunft der U5-Projektgesellschaft soll im dritten Quartal dieses Jahres der Bahnhof "Berliner Rathaus" im Rohbau fertiggestellt werden, dann kann dort der Innenausbau beginnen. Im vierten Quartal soll dann der Durchbruch der heutigen Tunnelendwand zum Bahnhof Brandenburger Tor und damit erstmals eine durchgängige Linie U5 hergestellt werden.

Baustelle 11: Autobahnbau A100

Im Mai 2013 erfolgte der erste Spatenstich für die Verlängerung der Berliner Stadtautobahn A100. Der 3,2 Kilometer lange 16. Bauabschnitt, der vom Dreieck Neukölln bis zum Treptower Park führt, soll 473 Millionen Euro kosten. Die Trasse verläuft auf 400 Metern im Tunnel (Grenzallee) und auf 2,3 Kilometern in einem bis zu sieben Meter tiefen Trog.

Kritiker des Projekts befürchten, dass die Baukosten auf mehr als eine halbe Milliarde Euro steigen werden. "Wir liegen im Kostenplan", versichert dagegen Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Verkehr. Im Bereich der Beermannstraße und im Bereich der Straße Am Treptower Park finden in den nächsten Wochen noch Straßenbau- und Abrissarbeiten statt. Die Arbeiten am eigentlichen Autobahntrog haben begonnen. Auch die ersten Tunnelsohlen für den Tunnel Grenzallee sind schon betoniert.

Im Bereich der Ringbahn in Treptow muss nun während der Bauarbeiten eine Umfahrung für die S-Bahnen errichtet werden. Dafür wird es in diesem Jahr ab Juni etwa ein halbes Dutzend Wochenendsperrungen auf der Ringbahn geben. "Natürlich gibt es bei einem Projekt dieser Größenordnung und ‎Komplexität auch einige unvorhersehbare Ereignisse", sagte Rohland. So wurden zahlreiche Findlinge ausgebuddelt sowie Kontaminationen im Baugrund festgestellt und entsorgt. "Hieraus hat sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Notwendigkeit zur Anpassung des Gesamtkosten- und Gesamtterminplans ergeben", betonte Rohland. Der Autobahnabschnitt soll zum Jahreswechsel 2021/2022 fertig sein.

Baustelle 12: Hauptstadtflughafen BER

Seit 2006 wird vor den Toren Berlins in Schönefeld am neuen Großflughafen gebaut. Die – inzwischen mehrfach verschobene – Eröffnung war ursprünglich für Oktober 2011 vorgesehen. Vor allem wegen der Mängel beim Brandschutz scheiterte die Inbetriebnahme. Die Baukosten für das größte Infrastrukturprojekt der Region wurden zu Beginn auf knapp zwei Milliarden Euro veranschlagt. Inzwischen ist die Rede von 5,4 Milliarden Euro.

Auf dem Vorhabenplan für dieses Jahr steht nun der Endspurt. Der Flughafen BER soll im Sommer fertiggestellt werden, daran anschließend ist der Probebetrieb geplant. Die Inbetriebnahme ist in der zweiten Jahreshälfte 2017 vorgesehen. Doch noch gibt es viel zu tun: Nach Angaben der Flughafengesellschaft FBB sind die Brandschutzmängel zu 64 Prozent und weitere Baumängel zu 65 Prozent abgearbeitet.

>>> Ist der BER schon fertig? Die Checkliste

Die entscheidende Hürde muss der BER in den kommenden Wochen nehmen: Die FBB will den 5. und den 6. Nachtrag zur BER-Baugenehmigung beim Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald einreichen. Entscheidend ist nun, dass das Bauordnungsamt diese noch im Frühjahr 2016 genehmigt. Erst dann steht verbindlich fest, ob der Rahmenterminplan eingehalten werden kann. Am kommenden Montag tagt der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Auf der Tagesordnung steht erneut der Baufortschritt.

>>>So läuft es auf Berlins Großbaustellen (Teil 1)<<<

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