Mehr Kontrollen Polizei setzt Berliner Raser-Szene unter Druck

Kurfürstendamm: Die Polizei kontrolliert verstärkt PS-Protze

Foto: Kirsten Johannsen

Kurfürstendamm: Die Polizei kontrolliert verstärkt PS-Protze

Die Berliner Polizei geht mit gezielten Einsätzen gegen Raser vor. Sie will die Szene der illegalen Rennfahrer stärker unter Druck setzen.

Sie sind die schwächsten Teilnehmer am Straßenverkehr: Fußgänger, Rad- und Motorradfahrer. Besonders um den Schutz dieser Menschen, die nach der neuesten Verkehrsunfallstatistik mit 37 Opfern den größten Teil der 48 im Straßenverkehr Getöteten stellen, will sich die Polizei nun durch vermehrte Kontrollen noch gezielter kümmern. "Nur die konsequente Verfolgung gefährlicher Delikte kann zu einer Verbesserung beitragen", sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Freitag bei der Vorlage der Unfallbilanz für 2015.

Wer bei Verkehrskontrollen auffällt, soll häufiger als bisher sofort angehalten und auf seinen Fehler angesprochen werden. Mit einem persönlichen Gespräch, das in Erinnerung bleibe, lasse sich eher eine Verhaltensänderung erreichen als mit einem später eingehenden Bußgeldbescheid, sagte der Polizeipräsident. Geplant sind demnach unter anderem zwei einwöchige Schwerpunktaktionen, bei denen gezielt auf falsches Verhalten beim Abbiegen, eine der Hauptunfallursachen, geachtet werden soll. Auch kleinere Verstöße wie Parken in zweiter Reihe oder unerlaubtes Benutzen von Busspuren sollen stärker kontrolliert werden, da dadurch Unfallgefahren entstehen. Zur Information über ihre Maßnahmen will die Polizei wieder soziale Medien nutzen.

"Jeder sollte sein Verhalten infrage stellen. Es muss Schluss sein mit dem ,Ist mir doch egal', etwa beim Radfahren auf Fußwegen", appellierte der Staatssekretär für Inneres, Bernd Krömer (CDU), an die Moral aller Verkehrsteilnehmer.

Raser vor allem im Bereich Kurfürstendamm unterwegs

Durch gezielte Einsätze sollen Raser und die Szene der illegalen Rennfahrer stärker unter Druck gesetzt werden. 2015 hat die Polizei nach Angaben von Behördenleiter Kandt als Reaktion auf sogenannte Profilierungsfahrten 20 hochwertige Autos sowie ein Motorrad aus dem Verkehr gezogen. Die Fahrer waren vornehmlich im Bereich Kurfürstendamm aufgefallen, weil sie mit hohen Drehzahlen in kleinen Gängen fuhren und durch den erzeugten Lärm Aufmerksamkeit erhofften.

Nach dem tödlichen Unfall am Tauentzien, der durch die Teilnehmer eines mutmaßlichen illegalen Rennens vor zwei Wochen verursacht worden war, will die Polizei nach Aussage von Kandt "merklich" etwas gegen die Szene tun. Zurzeit werde ein Lagebild erarbeitet. Der Leiter des Lagebereichs Verkehr, Andreas Tschisch, teilte mit, es seien bereits Kontrollen angelaufen, die demnächst verstärkt würden.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) führt die gestiegenen Unfallzahlen auf "mangelnde Polizeipräsenz auf den Straßen" zurück. Personalmangel und Aufgabenintensivierung hätten zu einem Rückgang der Kontrollmaßnahmen geführt, sagte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Er fordert mehr Personal, um präventiv arbeiten und die Unfallzahlen senken zu können.

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