Fall Maria P. Prozess um Mord an Schwangerer: Angeklagte voll schuldfähig

Trauer um Maria P.: An dieser Stelle hatten Spaziergänger die Leiche der Hochschwangeren aufgefunden

Foto: pdz tmk / picture alliance / dpa

Trauer um Maria P.: An dieser Stelle hatten Spaziergänger die Leiche der Hochschwangeren aufgefunden

Maria P. verbrannte bei lebendigem Leib. Ihre mutmaßlichen Mörder sind keine geistig kranken Männer, haben nun Gutachter erklärt.

Die beiden mutmaßlichen Mörder einer schwangeren 19-Jährigen sind voll schuldfähig. Psychiatrische Gutachter erklärten am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht, Einschränkungen hätten sie nicht feststellen können. Die beiden 20-Jährigen sollen Maria P. im Januar 2015 in einem Waldstück mit Benzin übergossen und angezündet haben. Die Verdächtigen haben zu Prozessbeginn vor vier Monaten geschwiegen.

Einer der Männer ist der Vater des toten Kindes. Eine Gutachterin sagte, bei diesem Angeklagten seien keine aggressiven Muster und keine psychische Störung festzustellen. Sollte die Tat so geschehen sein wie angeklagt, dann habe er die Schwangerschaft und das Kind möglicherweise als "unlösbares Problem" empfunden, das es zu beseitigen galt - "weil es das eigene Leben stört". Er könnte sein Gewissen mit Argumenten wie "sie hat es nicht besser verdient, sie muss weg" beeinflusst haben.

Während bei dem Vater des toten Kindes im Falle einer Schuld von einem persönlichen Motiv auszugehen sei, habe der mutmaßliche Komplize als ein "dissozialer Gewalttäter" agiert, hieß es weiter. Die seelische Struktur dieses Angeklagten sei instabil. Er sei – anders als der Vater des toten Kindes – in einem familiären Chaos aufgewachsen und bereits mehrfach kriminell aufgefallen. Im Falle einer Verurteilung sollten für beide Männer das Jugendstrafrecht Anwendung finden, so die Psychiater. Es liege Unreife vor.

"Stark abwertend" über Frauen geäußert

Die Psychiaterin schloss beim Vater des toten Kindes unter anderem aufgrund der kurzen Partnerschaft mit dem Opfer eine Tat im Affekt aus. Auch ein Einfluss aus der Familie des Mannes sei nicht zu erkennen. In Chats beider Angeklagter aber sei aufgefallen, dass sie sich "stark abwertend" über Frauen äußerten.

Die Anklage wirft den beiden mutmaßlichen Tätern heimtückischen und grausamen Mord aus niederen Beweggründen vor. Sie sollen die arglose 19-Jährige am Abend des 22. Januar 2015 in den einsamen Wald im Stadtteil Köpenick gelockt, misshandelt und bei lebendigem Leib verbrannt haben. Die mutmaßlichen Täter hatten sich bei der Polizei gegenseitig bezichtigt. Vor Gericht schwiegen sie zu den Vorwürfen. Der Prozess wird am 15. Februar fortgesetzt, zum Urteil könnte es am 19. Februar kommen.

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