Randale am Gleisdreieck Autonome drohen mit Millionenschaden pro "Polizeiangriff"

Zweites Bekennerschreiben aufgetaucht: Randale an der Flottwellstraße als Protest gegen Neubauten. Weitere Aktionen werden angedroht.

Nach den Randalen in der Nacht zu Sonnabend am Gleisdreieck ist im Internet ein zweites Bekennerschreiben aufgetaucht. Darin heißt es, die Flottwellstraße sei Anschlagsziel geworden "im Zusammenhang langfristiger Überlegungen zum Problem der Wohnraumverknappung für einkommenschwache Schichten".

"In dieser beschissensn Stadt" gehe es "nur noch um Aufwertung und Geld". Man sei es leid, zusehen zu müssen, "wie Menschen zwangsgeräumt, Obdachlose und Junkies vom öffentlichen Straßenbild vertrieben und Menschen die nicht genügend Kohle haben in die Knäste gesteckt werden." Weiter wird angekündigt, man werde jede Räumung oder Durchsuchung eines linksalternativen Wohnprojektes durch die Behörden mit einem Sachschaden in Höhe von einer Million Euro beantworten.

Die Polizei hält das zweite Bekennerschreiben für authentisch. Die Echtheit des ersten Schreibens, in dem sich ein "sozialdemokratisches Volksfahrräderkommando" der Taten bezichtigt, war nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Redlich schon nach dessen Veröffentlichung angezweifelt worden. "Der Stil dieses Schreibens passte nicht", sagte Redlich am Montag der Morgenpost.

Bisher hat es keine Festnahmen im Zusammenhang mit den Anschlägen gegeben. Allerdings ermitteln die Behörden "mit absolutem Hochdruck". Es seien zahlreiche Spuren gesichert worden, unter anderem viele der bei den Anschlägen verwendeten Steine, teilte die Polizei mit. Sie sollen auf DNA-Spuren untersucht werden und möglicherweise Täter überführen. Außerdem setzte die Polizei Suchhunde ein, um die Fluchtwege der zumeist mit Fahrrädern verschwundenen Täter nachzuvollziehen. Im Umfeld der Tatorte hat die Polizei die Personalien von einer Reihe Verdächtiger aufgenommen. Noch sei aber unklar, ob es sich um Tatbeteiligte handelt.

Nach Angaben von Polizeisprecher Stefan Redlich erging der erste Alarm aus der Flottwellstraße um 1.15 Uhr in der Nacht zum Sonnabend. Vier Minuten später sei der erste Streifenwagen eingetroffen. In Neukölln erfolgte die erste Alarmierung eine Nacht später um 23.11 Uhr. Die erste Funkwagenbesatzung sei um 23.16 am Tatort gewesen, dort aber sofort mit Steinen attackiert worden. Um 23.18 Uhr startete außerdem ein Polizeihubschrauber.

Ein Wochenende der Gewalt

Berlin hat zuvor ein Wochenende der linken Gewalt erlebt: In der Nacht zu Sonnabend waren am Park am Gleisdreieck mehrere Autos in Brand gesetzt worden. Rund 20-40 Maskierte randalierten in der Flotwellstraße und zündeten insgesamt vier Wagen an. 24 weitere demolierten sie und schmissen außerdem Fensterscheiben von angrenzenden Geschäften und Wohnhäusern ein.

Am Sonnabendmittag wurde dann auf einer linksgerichteten Internetplattform ein erstes Bekennerschreiben veröffentlicht. Darin hieß es, ein "sozialdemokratisches Volksfahrräderkommando" habe die Flottwellstrasse besucht und dort "Luxuskarren entglast und warm verschrottet". Weitere Aktionen sollten folgen.

Am Sonnabendabend protestierten 4000 Menschen auf einer vorher angemeldeten Demonstration, unter anderem gegen den Polizeieinsatz an der Rigaer Straße 94 am 13. Januar - der Verlauf war aus Sicht der Polizei aber "weitgehend störungsfrei". In der Nacht zu Sonntag beschädigten wieder Dutzende Randalierer mehrere Autos - dieses Mal in der Hobrecht- und in der Friedelstraße in Neukölln. Auch in der Friedelstraße 54 gibt es Streit um ein alternatives Wohnprojekt.

Erstes Bekennerschreiben soll "Fake" sein

Das zweite Bekennerschreiben, das das erste Bekennerschreiben als "Fake" bezeichnet, enthält scharfe Kritik an der Wohnungsbaupolitik in Berlin. Hinter der Aufwertung der Stadt stecke politisches Kalkül. "Gerade jene Kieze die eine soziale Strukur haben, sollen zerstört und die Menschen wie der Rest der Gesellschaft vereinzelt werden." Beispiele hierfür seien Schöneberg, Neukölln und der Nordkiez in Friedrichshain. "Dort soll durch Mietenexplosion schnell und sauber verdrängt werden."

Indirekt werden auch weitere Aktionen aus der linken Szene angekündigt. Das Vorgehen der Behörden in verschiedenen Kiezen biete "neue Allianzen" an, "die auch genutzt werden".

Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte am Sonntag scharfe Worte gegen die Aktionen an der Flottwellstraße und in Neukölln gewählt. "Die erschreckenden Bilder aus der Flottwellstraße zeigen deutlich, dass es linken Chaoten nur um Zerstörung geht und sie vor dem Eigentum ihrer Mitbürger keinen Respekt haben", sagte er. "Nichts und niemand kann solche Taten als politischen Protest rechtfertigen."

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