Medizin

Neuer Chef für die Berliner Elite-Forschung

Der Wissenschaftler Erwin Böttinger kommt von New York in die Hauptstadt. Er soll einen „Leuchtturm“ der Medizinforschung aufbauen.

Erwin Böttinger ist neuer Chef im Berlin Institute of Health

Erwin Böttinger ist neuer Chef im Berlin Institute of Health

Foto: Erwin Böttinger / BIH / BM

Eigentlich wollte Erwin Böttinger (51) als Medizinstudent aus Erlangen nur ein Praktikum in New York machen. Dann blieb er Jahrzehnte an der US-Ostküste. Er behandelte, lehrte und forschte an renommierten Krankenhäusern und UNiversitäten. Der Nierenspezialist wurde dort Experte für personalisierte Medizin. Diese nutzt das Wissen um die individuelle molekularbiologische und genetische Ausstattung eines Patienten für passgenaue Diagnosen und Therapien. So kann man beispielsweise schneller das optimal wirkende Medikament finden statt zeit- und kostenintensiv "herumzuprobieren", wie es bei manchen Krankheiten noch nötig ist.

Am 1. November ist der bei Bamberg geborene Landwirtssohn nach Deutschland zurückgekehrt und wurde Vorstandsvorsitzender des Berlin Institute of Health (BIH). An diesem Mittwochabend führte ihn Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) offiziell und feierlich in sein neues Amt ein. Böttinger löst den Gründungschef Professor Ernst Theodor Rietschel an der BIH-Spitze ab.

2013 hatten Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin das BIH gegründet. Es erhielt für die Jahre 2013 bis 2018 283 Millionen Euro vom Bund und vom Land Berlin, außerdem zum Institutsaufbau bis zum Jahr 2022 40 Millionen Euro aus der Johanna-Quandt-Stiftung. Das BIH soll Ergebnisse der Grundlagenforschung schnell in den medizinischen Alltag überführen. "Translationale Medizin" wird dieser Prozess genannt.

Das BIH soll, so der Anspruch, ein Elite-Institut werden, das Berlin als Wissensstadt nach vorne bringt. Böttinger, der zuletzt an einem der weltbesten Krankenhäuser lehrte und forschte, dem Mount Sinai Hospital in New York, hat als gut vernetzter Forscher und Wissenschaftsmanager die Voraussetzungen dafür.

Doch der Abschied fiel ihm nicht leicht. "Ich habe mit langen Listen Vor- und Nachteile abgewogen. Aber letztlich hat das Gefühl den Ausschlag gegeben", sagte der Professor der Berliner Morgenpost. Bei seinen Besuchen in der deutschen Hauptstadt habe er viele anregende Erlebnisse gehabt. "Ich habe intensiv wahrgenommen, dass hier eine starke Dynamik und Aufbruchstimmung herrscht." In Berlin und speziell am BIH gebe es zukunftsweisende wissenschaftliche Ansätze für neue Therapieformen, insbesondere im Bereich der personalisierten Medizin.

"Und wir müssen und werden es schaffen, das Institut zu einem Leuchtturm der Medizinforschung zu machen." Dazu will Böttinger neben Grundlagenforschern in ihren Laboren und Ärzten am Krankenbett auch Spezialisten für Medizintechnologien, Firmen und junge Start-ups mit ins Boot holen und die Schnittstellen zwischen ihnen allen schaffen, damit die medizinische Diagnose und Therapie einen Sprung nach vorn machen könne.

Was ihm den Abschied von New York halbwegs erleichterte, war dreierlei, wie er berichtete: Einerseits "steht das kulturelle und gesellschaftliche Angebot Berlins dem in New York in vielen Punkten nicht nach". Andererseits seien seine beiden Söhne ohnehin nicht mehr zuhause, sondern besuchten jetzt Colleges. Sie gingen nun ihre eigenen Wege. Und schließlich sei seine Ehe vor einiger Zeit geschieden worden. Sein Drama einer zerbrochenen Beziehung könnte so eine Chance für Berlins Wissenschaft werden.

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