Illegales Autorennen

69-Jähriger stirbt: Raser waren der Berliner Polizei bekannt

Am Tauentzien liefern sich zwei Autofahrer offenbar ein Rennen. Dabei rammen sie einen Jeep. Dessen Fahrer hat keine Chance.

Es ist Nacht in der City West. Die vielen Geschäfte sind geschlossen. Der Montag ist noch ganz jung, die Bürgersteige sind fast menschenleer. Motorgeheul dröhnt durch die Stille. Zwei weiße Luxuslimousinen rasen über die am Tage so geschäftige Einkaufsmeile Tauentzien in Richtung Wittenbergplatz. Die beiden Fahrer beschleunigen auf Hochtouren. Rote Ampeln interessieren sie nicht, Geschwindigkeitsbegrenzungen erst recht nicht.

Dann ein ohrenbetäubender Knall. Das illegale Autorennen ist jäh zu Ende. Auf Höhe der Nürnberger Straße hat zur selben Zeit ein Jeep die Straße bei grüner Ampel überquert. Der Fahrer des S-Klasse-Mercedes kann ausweichen, doch der Fahrer des Audi rammt den violetten Geländewagen mit voller Geschwindigkeit an der Fahrerseite.

Der Jeep-Fahrer hat nicht mit den beiden Rasern gerechnet. Der Aufprall kommt völlig aus dem Nichts. Sein Wagen schleudert Dutzende Meter über die Fahrbahn, überschlägt sich dabei mehrfach und bleibt dann auf der Seite liegen. Der Aufprall ist so heftig, dass unzählige Trümmerteile quer über die Kreuzung fliegen.

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Keine zwei Kilometer von seiner Wohnug an der Keithstraße entfernt, hat der 69 Jahre alte Mann im Jeep keine Chance. Auf dem Weg nach Hause stirbt er noch am Unfallort. Für ihn kommt jede Hilfe zu spät.

Auch der 26 Jahre alte Fahrer des Audi wird schwer verletzt. Der Mann am Steuer des Mercedes verliert die Kontrolle über sein Fahrzeug. Der Wagen überschlägt sich mehrfach, zertrümmert auf einer Mittelinsel eine Betonumrandung und kommt schließlich an einem Hochbeet zum Stehen. Der 24-Jährige und sein 22 Jahre alte Begleiterin erleiden schwere Verletzungen. Die drei Verletzten werden in eine Klinik gebracht.

Tachonadel steht bei 200 Stundenkilometern

Die Hintergründe des Horror-Unfalls sind zu diesem Zeitpunkt noch vollkommen unklar. Wie die Berliner Morgenpost erfährt, soll die Tachonadel eines der Unfallwagen bei 200 Stundenkilometern stehen geblieben sein. In der Klinik werden die beiden Unfallfahrer, die aus Moabit und Marzahn kommen sollen, von der Polizei bewacht, wie die Berliner Morgenpost erfährt. Die beiden Männer sind der Polizei wegen anderer Straftaten bereits bekannt, sagt ein Sprecher. "Diese Profilierungsfahrten werden von einem bestimmten Personenkreis durchgeführt."

Der Berliner Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, sagt dem Sender 104.6 RTL, dass das schon länger ein Problem sei. "Wir müssen solche Leute zu Fußgängern machen, (...) denn sie missbrauchen ihr Fahrzeug als Waffe", fordert er.

Bis weit in den Montagmorgen hinein untersuchen der Verkehrsunfalldienst, Gutachter sowie Experten der Kriminaltechnik den Ort des Geschehens. Unzählige Trümmerteile sind über die Kreuzung verteilt, die Fahrbahn ist verschmutzt. Mitarbeiter der Stadtreinigung entfernen die traurigen Überreste der Nacht. Für den Verkehr ist der Tauentzien zwischen Rankestraße und Nürnberger Straße für Stunden gesperrt, Busse müssen umgeleitet werden. Eine Ampel wird neu errichtet, die bei dem Unfall umgeknickt wurde.

Schließlich beenden die Männer ihre Arbeit. Der Verkehr läuft wieder, kaum etwas erinnert mehr daran, dass hier am Montag um 0.55 Uhr ein Mensch gestorben ist.

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