Flüchtlingshelfer Morddrohungen gegen Mitglieder von "Moabit hilft"

Mussten sich nach dem Vorfall viele Fragen gefallen lassen: Diana Henniges (l.) und Christiane Beckmann von „Moabit hilft“

Foto: Theo Heimann

Mussten sich nach dem Vorfall viele Fragen gefallen lassen: Diana Henniges (l.) und Christiane Beckmann von „Moabit hilft“

Nach der Lüge vom toten Flüchtling ist die Initiative in Bedrängnis geraten. Sprecherin Diana Henniges sagt: „Wir haben richtig Angst.“

Eine bekannte Funk-Band hat gespielt, rund 300 Leute wollten das sehen, sind dann aber gleich wieder gegangen. Jürgen Ney steht immer noch vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und verteilt seine Flugblätter. Der ehrenamtliche Helfer mit dem roten Vollbart hat die Mahnwache inklusive Live-Musik an der Turmstraße organisiert.

Es gab keinen toten Flüchtling am Lageso, aber allein die Tatsache, dass so gut wie jeder es für möglich hielt, ist für Ney Grund genug, noch mal wachzurütteln. "Es gibt immer noch Menschen die jeden Tag kommen, zum 17. oder 18. Termin", sagt Ney, der sich fragt, ob es wirklich erst Tote geben muss, damit sich etwas ändert.

Doch die altbekannten Probleme am Lageso treten an diesem Tag in den Hintergrund. Die Lüge von Helfer Dirk V., wonach ein 24-jähriger Syrer durch die Zustände am Lageso ums Leben gekommen sein soll, hat die Mitglieder von "Moabit hilft" in schwere Bedrängnis gebracht. "Wir bekommen jeden Tag 100 E-Mails, die sich nur damit beschäftigen, auf welche Art und Weise man uns ermorden sollte", sagt Sprecherin Diana Henniges. Dazu etliche Drohanrufe, oft von Menschen mit süddeutschem Dialekt. "Teilweise stehen sie auch vor unserer Tür."

Vor allem Hetze im Internet

Drohungen sind die Helfer am Lageso gewohnt, seit sie ihre Arbeit im Sommer aufnahmen. Doch was jetzt passiert, hat offenbar eine neue Qualität. "Es ist so schlimm wie noch nie, wir haben richtig Angst", sagt Henniges. Vor allem im Netz wird fleißig gehetzt. "Elende Gutmenschen" ist noch der netteste Begriff.

Bei Facebook wurde eine Gruppe namens "Moabit lügt" gegründet. Dort wird Henniges beschuldigt, Spendengelder in Höhe von 100.000 Euro veruntreut zu haben. "Das ist absurd, wir haben einen Steuerberater und einen Steuerfachanwalt, der sich um unsere Finanzen kümmert", sagt Henniges, die Anzeige erstattet hat.

Der Schaden, der durch die Lüge entstanden sei, sei immens, so Henniges. "Wir haben Glaubwürdigkeit verloren." Immerhin seien in den ersten Tagen nach dem Vorfall nicht weniger freiwillige Helfer gekommen. Gerüchte, wonach die Flüchtlinge jetzt Angst hätten, zum Lageso zu kommen, dementiert Henniges. Kontakt zu Dirk V. gebe es erst mal nicht. "Wir sind bedient. Geben Sie mir ein halbes Jahr."

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