Angebliche Vergewaltigung Mutter der 13-Jährigen: "Meiner Tochter geht es schlecht"

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa

Die erfundene Geschichte der Vergewaltigung einer 13-Jährigen sorgte für Aufruhr. Im „Spiegel“ äußert sich die Mutter des Mädchens.

Mit einer erfundenen Geschichte über ihre angebliche Vergewaltigung hat eine 13-Jährige aus Marzahn in den vergangenen Tagen für heftige Debatten und sogar für internationale Reaktionen gesorgt.

Am Freitag schuf die Berliner Staatsanwaltschaft dann endgültig Klarheit. Das Mädchen ist nicht vergewaltigt worden. Die 13-Jährige, die mit ihren Eltern 2004 aus Russland nach Deutschland kam, hat die fragliche Nacht vom 11. auf den 12. Januar demnach bei einem Bekannten verbracht. Dies hätte die Auswertung von Handydaten ergeben. Außerdem seien bei dem 19-jährigen Bekannten Sachen des Mädchens gefunden worden.

In der aktuellen Ausgabe des "Spiegel" berichtet nun Svetlana F., die Mutter des Mädchens, wie sie die vergangenen Tage erlebte. "Meiner Tochter geht es sehr schlecht", so Svetlana F. im Interview mit dem Nachrichtenmagazin. Das Mädchen hat die Ereignisse der vergangenen Tage, die sich durch die harsche Kritik des russischen Außenministers Sergej Lawrow an den deutschen Ermittlungsbehörden zur Politaffäre ausgeweitet hatten, offenbar schlecht verkraftet. Ihre Tochter befinde sich seit Montag in "stationärer psychiatrischer Behandlung", erklärte die 39-Jährige.

"Sie hat geweint, hatte ein zerkratztes Gesicht"

Ihre Tochter sei in den Mittagsstunden des 12. Januar wieder zu Hause aufgetaucht, nachdem sie 30 Stunden lang spurlos verschwunden war, sagte Svetlana F. weiter. "Sie trug einen BH, Leggins, Schuhe und eine Jacke", so die Mutter. Ihr T-Shirt, der Cardigan, ein Rucksack und das Portemonnaie seien weg gewesen. "Sie hat geweint, hatte ein zerkratztes Gesicht, blaue Lippen und blaue Flecke von einer Prellung an der Nase."

Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, hatte erklärt, es gebe keinen Hinweis, dass dem Mädchen die Verletzungen von Dritten zugefügt worden seien. Auf die Frage, wie viele Versionen der Geschichte das Mädchen erzählt habe, sagte Steltner: "Sie sagt ja nun gar nichts Verwertbares." Sie habe bei ihrer zweiten Vernehmung auf einer Fachdienststelle der Polizei zugegeben , dass es im Zeitraum ihres Verschwindens keine Entführung und keine Vergewaltigung gegeben habe. Seither schweige sie.

Nach Angaben Steltners wird aber weiterhin gegen zwei junge Männer wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs ermittelt. Sie werden verdächtigt, in den Monaten vor dem Verschwinden des Mädchens sexuelle Kontakte zu ihr gehabt zu haben. Die Polizei geht davon aus, dass die 13-Jährige die Männer mit türkischem Migrationshintergrund, die beide in Berlin geboren wurden, schon über Monate kannte. Weil das Mädchen jünger als 14 Jahre ist, wäre auch einvernehmlicher Sex mit ihr strafbar.

Deutsch-russische Verstimmung nach Telefonat beendet

Das Mädchen hatte nach ihrem Wiederauftauchen von einer Entführung und Vergewaltigung durch eine Gruppe südländisch aussehender Männer erzählt. Das sorgte für großen Aufruhr in der russlanddeutschen Gemeinschaft in Berlin. Der Vorwurf verbreitete sich vor allem über soziale Netzwerke. Hinzu kam der Bericht eines russischen Fernsehsenders, der die Behauptung des Mädchens wiederholte.

Daraufhin kam es bundesweit zu Demonstrationen, die Menschen warfen den Behörden vor, den Fall zu vertuschen. Polizei und Staatsanwaltschaft versicherten mehrfach, dass sie mit aller Sorgfalt ermitteln würden. Für sie war auch schnell klar, dass die Geschichte der 13-Jährigen so nicht stimmen konnte. Den Ermittlern erzählte sie vier verschiedene Versionen der Ereignisse.

Am Freitagnachmittag wurde der Streit zwischen Deutschland und Russland wegen des Mädchens schließlich beigelegt. In einem Telefonat Lawrows mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier vereinbarten beide Seiten laut "Bild"-Zeitung, den Fall auf sich beruhen zu lassen.

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