City West

Das sind die neuen Pläne für das Kudamm-Karree

Vier Eigentümer hatte das Kudamm-Karree in den vergangenen 25 Jahren. Alle bissen sich die Zähne an dem Gebäude aus. Nun gibt es neue Pläne.

Eine architektonische Schönheit war das Kudamm-Karree nie. Aber es gab Zeiten, da drängelten sich nicht nur am Abend die Besucher in den beiden Theatern, sondern auch tagsüber in den verschachtelten Gängen und auf den Rolltreppen. Doch das ist längst Geschichte. Die Hälfte der Ladenräume steht leer und wird nur künstlich am Leben gehalten, damit der Leerstand nicht allzu krass ins Auge springt.

Das will der neue Eigentümer schnell ändern. Am Freitag stellte er die Pläne vor, wie er mit der Bausünde aus den 70er-Jahren umgehen will. Alles soll übersichtlicher, offener und moderner werden. Vor allem aber: Es wird wieder eine Theaterbühne geben. Ein dreistelliger Millionen-Betrag soll insgesamt investiert werden. Ehrgeiziges Ziel: 2019 soll alles fertig sein.

Seit Jahren wird um das Karree gerungen. Gebaut wurde es zwischen 1969 und 1974 von der Architektin Sigrid Kressmann Zschach (Steglitzer Kreisel). 63.000 Quadratmeter vermietbare Fläche entstanden damals auf dem 19.000 Quadratmeter großen Areal zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße – eine verschachtelte Mischung aus Läden, Büros und Kultur.

Die zwei Theater wurden damals in das neue Gebäudeensemble integriert. Denkmalgeschützt sind sie nicht. Aber beliebt bei Theaterfreunden. Auch diese Frage wird der neue Investor lösen müssen.

Keiner der bisherigen Eigentümer schaffte den Wandel

Sämtliche Vorbesitzer, vier innerhalb der letzten 25 Jahre, scheiterten bislang daran, das riesige, düstere Gebäudeensemble in ein modernes Stadtquartier zu verwandeln. An der Finanzkrise, an den Protesten von Theaterfreunden und dem Bezirk. Der vorletzte Eigentümer, die irische Ballymore Group, begeisterte das Bezirksamt und die Bezirksverordneten immerhin mit dem Plan des Architekten David Chipperfield. Danach wäre bis auf das Hochhaus alles abgerissen und neu gebaut worden, auch ein Theater. Die Latte hängt also hoch.

Vor einem Jahr nun hat Cells Bauwelt nach eigener Auskunft das Kudamm-Karree für private Investoren erworben. Die Luxemburger Firma "Mars Propco 1" ist nun Eigentümer der Charlottenburger Immobilie, bestätigte ein Sprecher der Cells Bauwelt aus München Informationen der Berliner Morgenpost. Sie hat für ihre Planungen das renommierte Architekturbüro "Kleihues + Kleihues" beauftragt.

Viel stehen bleibt nach den Plänen nicht, nur das 23-geschossige Hochhaus im Zentrum des unübersichtlichen Gebäudeensembles, in dem ebenfalls die Hälfte der Büros nicht vermietet ist und wo der einstige Besitzer Rafael Roth (1933–2013) sein Penthouse hatte. Der Turm wird eine neue Fassade und Technik erhalten, saniert wird etagenweise. Das Hochhaus soll auch künftig für Büros vermietet werden.

Auch die Bauten an der Uhlandstraße mit Bunker, Parkhaus, Läden und Büroflächen bleiben erhalten. Grund: Allein der Abriss des Bunkers, durch den das Museum Story of Berlin Führungen macht, würde laut Cells Bauwelt einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Im Parkhaus sollen künftig auch Räder im großen Stil abgestellt werden können. Ladestationen für E-Bikes und Duschen für Radfahrer inklusive.

Dachterrassen, ruhig und windstill

Nach zwölf Jahren Leerstand sollen auch die viergeschossigen Büroaufbauten mit den Tonnendächern oberhalb des Parkhauses – immerhin stolze 12.000 Quadratmeter in bester Lage mit einem Panoramablick in 30 Metern Höhe über die City West – wieder vermietet werden. "Für mich sind das die schönsten Dachterrassen. Ruhig und windstill", sagt Geschäftsführer von Cells Bauwelt, Norman Schaaf. Werbung müsse er nicht machen. "Wir haben für fast alle Flächen Interessenten", sagt er.

Der Rest der Baukörper im Kudamm-Karree soll abgerissen und neu errichtet werden. Auch die zwei Theater sollen weichen. Sie werden voraussichtlich durch einen Theater-Neubau mit 670 Plätzen ersetzt. Die Spielstätte soll unterirdisch in zwölf Metern Tiefe entstehen. Sie soll nicht nur für einen Theaterbetrieb, sondern multifunktional bespielbar sein, beispielsweise auch für Kinovorführungen.

Am Freitagnachmittag demonstrierten einige Theaterliebhaber gegen den Abriss. Der Verein "Rettet die Ku'damm-Bühnen" fordert, beide Theaterbauten zu erhalten. Der Turm sei nicht so wichtig, aber die Theater, in denen Max Reinhardt und in der Nachkriegszeit die Intendanten-Familie Wölffer Geschichte geschrieben hätten, sagte Ilja Richter im Rahmen der Anhörung zu den neuen Plänen im Bauausschuss.

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Auf dem Theater steht oberirdisch ein ovaler Café-Pavillon. Er befindet sich auf einem 2500 Quadratmeter großen Platz, dem sogenannten Theaterplatz im Innern des Areals, der nicht nur den Gästen in der Theaterpause dient, sondern ein urbaner Stadtplatz werden soll. "Wir halten uns an die mit unserem Vorgänger Ballymore abgestimmte Variante, dass ein Theater gebaut wird und werden Kunst und Kultur am Standort sichern", sagt Schaaf. Das Museum Story of Berlin soll demzufolge bleiben und auch während der Bauzeit im Gegensatz zum Theater nicht schließen müssen.

Die Frage, ob die Theaterfamilie Woelffer das neue Haus bespielen wird, ist hingegen noch offen. Wegen ausstehender Mietforderungen ist, wie berichtet, eine Räumungsklage anhängig. Ausschließen will Schaaf eine einvernehmliche Lösung dennoch nicht, im Gegenteil: "Wir führen Gespräche, und wir suchen einen vernünftigen Weg."

Neuer Vertrag für Theaterbetreiber in Aussicht

Momentan zahle das Theater wieder Betriebskosten, aber jahrelang sei gar nichts gezahlt worden. Die Miete werde in Zukunft unter den sonstigen Mietpreisen liegen. "Alle anderen Mieter tragen dazu bei, dass wir uns das leisten können, doch dann muss es auch erfolgreich in die Zukunft gehen", so Schaaf. Sein Wunsch sei es, mit dem Theater innerhalb der nächsten drei Monate einen neuen Vertrag zu schließen.

Cells Bauwelt werde in jedem Fall darauf achten, dass das Theater auch unabhängig von einem bestimmten Betreiber funktioniert. Deshalb sei ein Theaterplaner eingeschaltet worden, der weltweit tätig sei. Das Theater könne auch den Pavillon betreiben, beispielsweise als Café mit einer Theaterkasse, und so die Möglichkeit erhalten, schon während des Tages auf sich aufmerksam zu machen. Vom Zeitplan, so Schaaf, müssten die Theater "frühestens Mitte 2017" schließen.

Alle Mieter könnten sich neu um Flächen bewerben

Über die anderen bestehenden Mietverhältnisse sagt Schaaf nur grundsätzlich, dass jeder Mieter die Möglichkeit habe, sich um neue Flächen zu bewerben. Kritisch sieht er das allerdings bei all denen, "die jetzt schon ihre Miete nicht zahlen können".

Cells Bauwelt möchte mit der Sanierung der Bestandsbauten an der Uhlandstraße das Vorhaben noch in diesem Jahr beginnen und hofft für die Neubauten auf eine zügige Baugenehmigung. Die jetzigen Rampenanlagen zum Parkhaus werden zugunsten einer kleineren Zufahrt verändert.

Dafür gibt es an der Lietzenburger Straße eine neue Zufahrt zum Parkhaus. Diese Entzerrung helfe auch, einen Stoßverkehr wie beim Theaterende schneller abfließen zu lassen. Der so geschaffene Platz an der Uhlandstraße soll im Erdgeschoss dem Handel zur Verfügung stehen, beispielsweise einem Lebensmittelgeschäft. Auch ein Fahrradcafé wird den neuen Eingang dort flankieren.

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An der Lietzenburger Straße hat Cells Bauwelt neben dem Bestandsgebäude mit der Hausnummer 80 auch das Nachbarhaus, Nummer 78, erworben. Hier sollen Mitte 2017 die Arbeiten beginnen und dann sukzessive zum Kudamm führen. Beide Häuser an der Lietzenburger Straße werden abgerissen, eines ist bereits leer, das zweite soll bis März 2017 leer übergeben werden.

Ein Boutique-Hotel mit 150 Zimmern und Konferenzsälen wird dort neu gebaut. Ein Fußweg wird auch künftig von dort ins Karree führen. Damit noch mehr Leben ins Innere des Quartiers kommt, sieht Cells Bauwelt zudem in einem neuen Verbindungsbau in der Nähe des Hochhauses ein 5000 Quadratmeter großes Fitnesscenter mit einem 25-Meter-Schwimmbecken vor. Außerdem soll eine Kita für 150 Kinder entstehen. Ihr Spielplatz wird auf dem Dach eines Neubaus sein.

Neues Karree hat 90.000 Quadratmeter

An der Premium-Front, dem Kurfürstendamm, plant Cells Bauwelt zwei neue Gebäude, nicht höher als die Nachbarhäuser. Rechts soll ein großes Geschäft einziehen. Darüber in der fünften Etage ein Restaurant, das seinen Gästen in der 6. Etage eine 1000 Quadratmeter große Dachterrasse bietet.

Zwischen den Neubauten am Kudamm ist ein zehn Meter breiter Eingangsweg in die Passage geplant. Nicht zugebaut, sondern offen und einladend gestaltet.

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