Jubiläumsjahr

Peter Joseph Lenné hatte nie Zeit für einen eigenen Garten

Sanssouci, Tiergarten, Schlosspark Glienicke: Peter Joseph Lenné schuf in Berlin und Potsdam herrschaftliche Parks und Anlagen.

Der Schöpfer von Preußens Parks und Gärten: Diese Büste Peter Joseph Lenné (1789-1866) steht im Zoologischen Garten

Der Schöpfer von Preußens Parks und Gärten: Diese Büste Peter Joseph Lenné (1789-1866) steht im Zoologischen Garten

Foto: dpa Picture-Alliance / Lange / picture-alliance / Helga Lade Fo

Man kommt an diesem visionären Mann einfach nicht vorbei. Wer in Potsdam und Berlin durch Gärten, Parks und über Plätze schlendert, ist dem preußischen Gartenbaukünstler Peter Joseph Lenné immer ganz nah. 1816, vor 200 Jahren, begann Lenné mit den Arbeiten am Schlosspark Glienicke – seinem ersten Park im damaligen Preußen. Aus diesem Anlass wird Lenné, dessen Todestag sich am 23. Januar 2015 zum 150. Mal jährt, unter dem Motto "Peter Joseph Lenné 2016 – 200 Jahre Schlosspark Glienicke" mit zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt.

Lenné wusste bei der Gestaltung seiner Parks effektvolle Sichtachsen zu setzen. Er war ein Meister der geschwungenen Wegeführung. Er nutzte ausgefallene, exotische Pflanzungen, die schnell für einen imposanten Eindruck sorgten. Nachdem Gärten über Jahrhunderte in geraden Linien organisiert und mit meist geometrischen Formen gestaltet worden waren, ahmten sie spätestens Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr die Mathematik, sondern die Natur selbst nach.

Lenné führte den Englischen Landschaftsgarten zur Blüte, wandte aber in späteren Jahren zunehmend einen gemischten Stil an, der geometrische Gartenanlagen mit romantischen Partien vereinte. Er schuf herrschaftliche Parks und Anlagen. Als Unesco-Welterbe ist beispielsweise der Park von Potsdam-Sanssouci ausgezeichnet. "Seine meisterhaften Garten- und Parkanlagen bleiben Vermächtnis und Anschauung für zeitgenössische Landschaftsarchitekten", sagt der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Michael Rohde.

Vom Tiergarten bis zum Luisenstädtischen Kanal

Der Schlosspark Glienicke, die Pfaueninsel, die Gartenanlage Schloss Friedrichsfelde, der Tiergarten, der Lustgarten oder der Schlosspark Charlottenburg tragen seine Handschrift. Seine Liebe zu Platanen und blühenden Sträuchern ist noch überall sichtbar: Diese Pflanzen spielen in den Gärten Lennés eine wichtige Rolle. Lenné entwickelte aber auch neue Strategien für die Stadtplanung.

1839 erarbeitete er einen Bebauungsplan für Berlin, der den öffentlichen Raum als Ort der Schönheit, Begegnung und Erholung definieren sollte. Noch heute sind Spuren der lennéschen Planung im Stadtbild erkenntlich, etwa der Landwehrkanal, der Luisenstädtische Kanal, der Leipziger Platz oder der Mehringplatz.

Blitzkarriere: vom Gehilfen zum Gartendirektor

Geboren in Bonn am 29. September 1789 absolvierte Lenné eine Gärtnerlehre. Studienreisen führten ihn nach Süddeutschland und Paris. In München lernte er Friedrich Ludwig Sckell kennen, den Schöpfer des dortigen Englischen Gartens. 1816 kam Lenné nach Potsdam. Er wurde, gerade mal 26 Jahre alt, von König Friedrich Wilhelm III. an den preußischen Hof berufen. Seine Arbeiten in Potsdam überzeugen den König so sehr, dass der gebürtige Rheinländer in Preußen eine Blitzkarriere machte – vom Gehilfen zum Gartendirektor.

Eine seiner ersten Arbeiten war die Umgestaltung des Parks von Schloss Glienicke an der Grenze zwischen Berlin und Potsdam. Friedrich Wilhelm III. war dem selbstbewussten Lenné so zugetan, dass der sich Bemerkungen wie "Majestät begreifen nicht das Geniale meiner Ideen!" erlauben konnte.

Er gestaltete den Berliner Tiergarten um

Lenné schnitt alte Rokoko-Zöpfe ab. Wege und Wasserläufe wirkten natürlich entstanden. "Er traute sich und bekam meist auch das Geld, was er brauchte", sagt Landschaftsarchitekt und Hochschullehrer Klaus Neumann, Vorstandsmitglied der Lenné-Akademie. Waren dem Monarchen die Projekte zu teuer, zeichnete Lenné die Pläne auf kleineren Blättern. Die Ausgaben schienen dann nicht mehr so hoch. "Der König wusste schon, was gespielt wurde", sagt Neumann. Als Gartenliebhaber ließ sich so auch Friedrich Wilhelm IV. überzeugen. Lenné hinterließ auch in anderen preußischen Territorien wie in Aachen, Koblenz, Königsberg, Magdeburg und Putbus seine Spuren.

Europäischen Ruf erlangte er durch die Umgestaltung des Berliner Tiergartens. Bereits 1818 hatte er den Auftrag dazu erhalten. Es entstand ein Landschaftspark nach englischem Vorbild. Charakteristische Bestandteile wurden weite Rasenflächen, von kleinen Wasserläufen durchzogen und mit Baumgruppen bepflanzt, Seen mit kleinen Inseln, zahlreiche Brücken wie etwa die Löwenbrücke und Alleen. Wiesen und Lichtungen wurden zu großen Sichtachsen zusammengefasst. Hinzu kamen die Luiseninsel und der Rosengarten.

Gehirnschlag im Alter von 77 Jahren

Sein Verdienst in Preußen war auch die Gründung eigener Baumschulen und Gärtnereien. Auch die heutige Deutsche Gartenbaugesellschaft geht auf Lenné zurück. Aus Zeitmangel gönnte sich Lenné allerdings nie einen eigenen Garten. Ihm fehlte auch die Zeit für schriftliche Aufzeichnungen über seine Begegnungen mit Goethe, Kleist, Schinkel oder Herder.

Kurz vor seinem 50. Dienstjubiläum erlitt Lenné im Alter von 77 Jahren einen Gehirnschlag. Er starb hoch angesehen als bedeutendster deutscher Landschaftsarchitekt des 19. Jahrhunderts am 23. Januar 1866 in Potsdam. Ein für das Dienstjubiläum am 15. Februar 1866 von seinen Freunden und Schülern gestifteter silberner, mit Blattgold überzogener Lorbeerkranz konnte ihm wegen seines Todes nicht mehr überreicht werden. Bei seiner Beerdigung auf dem Bornstädter Friedhof wurde dem Sarg der Lorbeerkranz vorangetragen. Auf den 50 Metallblättern standen die Namen der von ihm geschaffenen Gärten und Parks.

Mehr Informationen: www.peter-joseph-lenne.de

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