Kleiner Waffenschein

Nachfrage nach Kleinem Waffenschein in Berlin vervierfacht

Die Übergriffe auf Frauen in mehreren Städten verunsichern viele Berliner. Die Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein steigt stark.

Fr, 15.01.2016, 22.13 Uhr
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Die massiven sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln, Berlin, Hamburg, Stuttgart und anderen Städten führen offenbar dazu, dass sich immer mehr Berliner selbst bewaffnen.

Wie die Berliner Polizei auf Anfrage der Berliner Morgenpost mitteilte, ist die Zahl der Anträge auf den sogenannten Kleinen Waffenschein im neuen Jahr in die Höhe geschnellt.

52 Kleine Waffenscheine innerhalb von zwei Wochen

Wurden im gesamten Januar 2015 insgesamt 15 Kleine Waffenscheine ausgestellt, waren es nach Angaben der Berliner Polizei zwischen dem 1. und dem 13. Januar dieses Jahres bereits 52. Im gesamten Jahr 2015 lag die Zahl der bewilligten Kleinen Waffenscheine in der Bundeshauptstadt bei 636.

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Nicht nur in Berlin, auch in Städten wie Köln, Düsseldorf und Frankfurt herrscht derzeit eine starke Nachfrage nach dem Kleinen Waffenschein, den im Prinzip jeder Volljährige, der nicht vorbestraft ist, bei der Waffenbehörde beantragen kann.

Nach Angaben der Berliner Polizei können mit dem Kleinen Waffenschein Gas- und Schreckschusswaffen erworben und in der Öffentlichkeit versteckt mitgeführt werden. Reizstoffsprühgeräte, die amtlich zugelassen sind und über eine begrenzte Reichweite und Sprühdauer verfügen, sowie Pfefferspray fallen jedoch nicht unter das Waffengesetz und sind frei vekäuflich.

Experten warnen vor Selbstbewaffnung

Die Nachfrage nach Reizgas-Sprays scheint im neuen Jahr in Berlin ebenfalls stark gestiegen zu sein. Es gebe mitunter schon Lieferengpässe, so Katja Triebel von Triebel Jagd- und Sportwaffen in Spandau zur Berliner Morgenpost. Anders sehe es mit Schreckschusswaffen aus. Hier sei kein signifikanter Anstieg zu verzeichnen, sagt Katja Triebel, die auch Mitglied der "German Rifle Association" ist.

Experten warnen bereits vor einer unkontrollierten Selbstbewaffnung der Bürger. "Eine persönliche Aufrüstung birgt ein hohes Eskalationspotenzial", warnt die Kriminalpsychologin Katrin Streich im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst. Eine Waffe könne eine kritische Situation verschärfen, weil sie den Angreifer möglicherweise provoziere, erklärt die Psychologin.

Statt mit einer Waffe kämpft Björn Wiebe lieber mit seinem Körper. Der Berliner ist Geschäftsführer von Krav Maga Department mit neun Standorten in der Hauptstadt sowie in Potsdam. Wiebe, der auch die Kampfschwimmer der Bundeswehr trainiert, bietet Kurse und Trainingscamps an, in denen Selbstverteidigung gelehrt wird.

"Die Zugriffszahlen auf unsere Website sind seit Anfang Januar um bis zu 100 Prozent gestiegen", sagt Wiebe. Allein in der vergangenen Woche hätten drei Anrufer nach Selbstverteidigungskursen für die ganze Familie gefragt. Die Nachfrage nach solchen Kursen sei enorm gewachsen - und nicht nur bei Männern. "Seit Anfang Januar melden sich auch immer mehr Frauen an."

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