Streit um Unterkunft

Gästehaus Moabit: Neue Chance für Berliner Wohnungslose

In dem Gästehaus werden Obdachlose betreut. Sie sollten weichen, um Flüchtlingen Platz zu machen. Doch in den Streit kommt Bewegung.

Micha ist einer der 32 Männer, die bislang im Gästehaus Moabit leben

Micha ist einer der 32 Männer, die bislang im Gästehaus Moabit leben

Foto: Reto Klar

Im Konflikt um das Gästehaus Moabit und die vom Verlust ihrer dortigen Unterkunft bedrohten Bewohner hat der künftige Mieter der Immobilie am Donnerstag Gesprächsbereitschaft signalisiert. Martin Kleiner, Geschäftsführer des Berliner Unternehmens Gikon Hostel, welches ab März 2016 das Haus an der Berlichingenstraße 12 übernehmen wird, sicherte dem Sozialstadtrat des Bezirks Mitte zu, man wolle eine Obdachlosigkeit der 32 Männer verhindern. Sollte für diese keine kurzfristige Unterbringung an anderen Orten möglich sein, sei man bereit, sie vorerst für eine Übergangszeit weiter zu dulden.

Den Bewohnern der Einrichtung, in welcher der Bezirk seit mehreren Jahrzehnten Wohnungslose unterbringt, war durch die bisherige Betreiberin mitgeteilt worden, sie müssten sich zu Ende Januar eine neue Bleibe suchen. Grund war die Kündigung des Mietvertrags für die Immobilie durch die Eigentümer beziehungsweise deren Hausverwaltung, die Berolina Grundbesitz GmbH.

Der neue Mieter Gikon Hostel will dort künftig Flüchtlinge unterbringen. Beim Bezirk rief das Protest hervor. Das Land Berlin hatte stets erklärt, man müsse eine Konkurrenz zwischen Wohnungs- und Obdachlosen einerseits sowie Flüchtlingen andererseits verhindern. "Wir wollen in keinem Fall, dass zwei Gruppen von Bedürftigen gegeneinander ausgespielt werden", sagte Mittes Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Bündnis 90/Grüne) am Donnerstag im Gespräch mit der Gikon-Unternehmensleitung.

Sozialausschuss gibt dem Stadtrat Rückendeckung

Rückendeckung hatte von Dassel bereits am Mittwoch durch den Sozialausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Mitte erhalten. Dieser unterstützt ausdrücklich die Ankündigung des Sozialstadtrates, das Gästehaus gegebenenfalls vorübergehend zu beschlagnahmen, um die Unterbringung der Bewohner zu sichern. Der Sozialausschuss forderte das Bezirksamt auf, die Voraussetzungen für einen solchen Schritt zu prüfen.

Martin Kleiner, Geschäftsführer von Gikon Hostel, sagte gegenüber der Berliner Morgenpost, man wolle alle Kontakte nutzen, um alternative Wohnmöglichkeiten für die 32 teilweise schwer alkoholkranken Männer in dem Gästehaus zu finden.

In alternativer Unterkunft gibt es nur Mehrbettzimmer

Der Anwalt der Berolina teilte der Morgenpost am Donnerstag schriftlich mit, den Betroffenen sei durch Gikon bereits der Umzug in eine alternative Unterkunft angeboten worden, "um die Bewohner eben nicht in die Obdachlosigkeit zu entlassen". Das hätten die Gästehausbewohner abgelehnt, weil es sich in der avisieren Unterkunft um Mehrbettzimmer handele. Bisher leben die Männer überwiegend in geräumigen Einzelzimmern. Dieser Umstand sei dem Bezirk bekannt, sagte von Dassel, Hintergrund sei der gesundheitliche Zustand der Betroffenen.

Gikon will mit dem Bezirk weiterhin im Gespräch bleiben. Das Unternehmen beherbergt derzeit rund 100 Flüchtlinge an sieben Standorten in Mitte.

Zur Startseite