Sebastian Muschter

McKinsey-Berater wird neuer Lageso-Chef in Berlin

Sebastian Muschter kommt von McKinsey und ist Fachmann für IT-Optimierung. Jetzt soll er das Chaos am Lageso bekämpfen.

Sebastian Muschter wird neuer Lageso-Chef

Sebastian Muschter wird neuer Lageso-Chef

Foto: Amin Akhtar

Sebastian Muschter wird kommissarisch neuer Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso). Der Experte für öffentliche Verwaltungen und IT-Optimierung ist eine Führungskraft für den öffentlichen Sektor bei der Unternehmensberatung McKinsey. Der 46-Jährige wird das Amt für neun bis zwölf Monate übernehmen, die Leitungsposition wird unterdessen neu ausgeschrieben. Das teilten Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) am Donnerstag mit.

Muschter ist gelernter Diplom-Kaufmann und promovierte in St. Gallen (Schweiz) im Bereich Informationsmanagement. Seit September vergangenen Jahres gehört er dem McKinsey-Team an, das am Krisenmanagement für die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge beteiligt ist. Flüchtlingsstaatssekretär Dieter Glietsch hatte die externen Berater geholt. Muschter sagte am Donnerstag, ihm sei bewusst, eine sehr große Verantwortung zu übernehmen. Er habe von der Rolle des Beraters in eine Position wechseln wollen, in der Vorschläge umgesetzt werden.

Strukturen im Landesamt "nicht tragfähig"

Die Strukturen in den für Flüchtlinge zuständigen Abteilungen des Lageso nannte Muschter "nicht tragfähig". Sie seien dem stark angestiegenen Arbeitsvolumen nicht gewachsen. "Ich will gemeinsam mit den Mitarbeitern versuchen, das in den Griff zu bekommen", sagte er. Der bisherige Präsident, Franz Allert, stand monatelang in der Kritik, ebenso wie Sozialsenator Czaja. Schließlich forderte Michael Müller im Dezember Allert öffentlich zum Rücktritt auf. Der Präsident willigte ein, seinen Sessel zu räumen.

Der Sozialsenator zeigte sich mit der Entscheidung für Muschter sehr zufrieden, er war sein Wunschkandidat für die Lageso-Spitze. Vermutlich schon in der kommenden Woche soll er aus dem Mc-Kinsey-Team auf den Chefsessel wechseln. Beschlossen wurde vom Senat weitere personelle Verstärkung. Flüchtlingsstaatssekretär Dieter Glietsch bekommt einen Stellvertreter im Koordinierungsstab: Wolf Plesmann, 50, bislang leitender Regierungsdirektor und Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg. Außerdem bekommt das Lageso vier zusätzliche Leitungsstellen für Personal, Organisation, Haushalt und den Leistungsbereich. Dieses "Kriseninterventionsteam" soll kurzfristig gebildet werden und hat vorrangig die Aufgabe, "die Bearbeitungskapazitäten in den verschiedenen Bereichen des Landesamtes deutlich zu steigern", wie der Senat mitteilte.

Auch die Zahl der Mitarbeiter soll weiter steigen. Derzeit sind im Lageso rund 300 Menschen mit Flüchtlingsfragen beschäftigt. "Es werden 500 bis 600", sagte Czaja. 256 Stellen sind nach Angaben des Senats im Doppelhaushalt 2016/2017 vorgesehen. Vor allem durch den Einsatz externer Dienstleister soll zudem die Digitalisierung der Akten vorangetrieben werden. So soll die Bearbeitungskapazität im Leistungsbereich, also dort, wo Flüchtlingen zum Beispiel Taschengeld oder Sozialhilfe ausgezahlt wird, versechsfacht werden.

Die Kapazität der Registrierung von Asylbewerbern soll von jetzt 600 pro Tag auf 1000 gesteigert werden. Zu der Registrierungsstelle an der Bundesallee soll eine weitere im Flughafen Tempelhof kommen. Sie soll dann auch erste Anlaufstelle für die nach Berlin kommenden Asylsuchenden werden. Das ist bislang das Lageso an der Turmstraße. Da auch der Leistungsbereich umziehen soll, wird es am Standort Turmstraße mittelfristig keinen Publikumsverkehr von Flüchtlingen mehr geben. Damit endet eine missliche Ära. Für den Leistungsbereich ist als künftiger Standort das ehemalige Kongresszentrum ICC vorgesehen. In einem ersten Schritt soll das ICC die Turmstraße ergänzen, später ablösen. Die Registrierungsstelle Kruppstraße soll geschlossen werden, weil die Polizei das Gebäude wieder als Gefangenensammelstelle braucht.

Parallel dazu wird das vom Senat beschlossene neue Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten aufgebaut. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die von der Präsidentin des Landesamtes für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten, Claudia Langeheine und von Wolf Plesmann geleitet wird. Sie soll bis Ende Februar ein Konzept für die Ausgliederung des Asylbereichs aus dem Lageso vorlegen. Ein Datum, wann das neue Landesamt seinen Betrieb aufnehmen soll, steht noch nicht fest.

>> Live-Report: Nachts am Lageso <<

Zur Startseite