Stadtentwicklung Mauerpark wird für drei Jahre zur Baustelle

Der Mauerpark in Prenzlauer Berg

Foto: BM

Der Mauerpark in Prenzlauer Berg

Mehr als 800 Wohnungen sollen bis 2019 neu entstehen. Dafür wird die Grünfläche ab Mai um fünf Hektar erweitert.

Wer hätte das gedacht. Nach 22 Jahren zäher Verhandlungen und handfesten politischen Streitigkeiten quer durch alle Parteien auf Landes- und Bezirksebene rollen im Jahr 2016 endlich die Bagger an, um aus der einstigen Gewerbefläche westlich des Mauerparks eine Grünflächenerweiterung mit Wohnanteil zu machen.

Den Auftakt bildete am Montag das Richtfest der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Degewo an der Gleim- Ecke Graunstraße. Dieses Bauvorhaben mit 104 Wohnungen gehört zwar streng genommen nicht mehr zu der Entwicklungsfläche am Mauerpark, grenzt aber unmittelbar daran. Grund genug für Bausenator Andreas Geisel (SPD), auf das neue Quartier im Brunnenviertel hinzuweisen, das ab dem ersten Quartal dieses Jahres nördlich der Gleim­straße emporwachsen soll.

Mauerpark-Pläne

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"Noch im Spätsommer war hier nur eine Baugrube, jetzt steht hier ein im Rohbau fertiger Neubaukomplex mit 104 Wohnungen", lobte Geisel die Geschwindigkeit des landeseigenen Unternehmens Degewo auf dem Areal an der Graunstraße. "Davon brauchen wir mehr, wenn wir die Herausforderungen der wachsenden Stadt meistern wollen", so der Senator weiter. Das Bauvorhaben leiste einen Beitrag für die Erhaltung der sozialen Mischung im Weddinger Brunnenviertel.

Geisel verwies auf die 34 geförderten Wohnungen, die zu einem Mietpreis von 6,50 Euro je Quadratmeter und Monat (kalt) angeboten werden sollen. Die Durchschnittsmiete der übrigen 90 Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von 38 bis 78 Quadratmetern wird bei 9,40 Euro liegen. "Interessenten können sich ab sofort melden", informierte die Degewo-Chefin Kristina Jahn den Senator. Bezugsfertig seien die Wohnungen bereits im Juli.

Während das Degewo-Bauvorhaben also bereits weit fortgeschritten ist, geht es nun in der unmittelbaren Nachbarschaft erst richtig los. Den Anfang auf dem Areal nördlich der Gleimstraße macht ebenfalls ein gefördertes Wohnungsbauvorhaben. Die Groth-Gruppe errichtet dort für die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gewobag 120 Mietwohnungen, die diese dann zu einem geförderten Mietzins von 6,50 Euro pro Quadratmeter (kalt) anbieten wird.

In mehreren Bauabschnitten werden dann die weiteren Wohnungen, darunter auch Senioren- und Studentenappartements, sowie eine Kita auf dem insgesamt 3,5 Hektar großen ehemaligen Güterbahnhofsareal nördlich der Gleimstraße (siehe Karte) folgen. Insgesamt entstehen 708 Wohneinheiten, darunter auch frei finanzierte Mietwohnungen, die ab 8,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden sollen, sowie Eigentumswohnungen für 2800 bis 4600 Euro je Quadratmeter.

Räumung des Baufeldes hat bereits begonnen

Ein Bauschild für die Gewobag-Wohnungen wurde bereits aufgestellt. "Wir haben mit der Beräumung des Baufeldes begonnen", sagte Anette Mischler, die Sprecherin der Groth Gruppe der Berliner Morgenpost. Der offizielle Baustart werde in wenigen Wochen folgen. Die endgültige Fertigstellung des gesamten Bauvorhabens sei dann im Jahr 2019 geplant.

Bereits ein Jahr früher soll der erweiterte Mauerpark fertig sein, auf den die Anwohner bereits seit gut zwei Jahrzehnten warten. 1992 hatte der Senat beschlossen, auf dem ehemaligen Mauerstreifen einen Park zu errichten. 1994 wurde der östlich der einstigen Mauer gelegene Park eröffnet. 2,3 Millionen Euro hatte die Allianz Umweltstiftung dafür zur Verfügung gestellt – allerdings unter der Bedingung, dass der Park auf zehn Hektar erweitert wird. Der Flächennutzungsplan sah dies auch vor – allerdings fehlte dem Land das Geld für den Ankauf des ehemaligen Güterbahnhofareals.

Im November 2012 schloss das Land Berlin mit der Grundstückseigentümerin schließlich einen städtebaulichen Vertrag. Demnach kann der Park nun um fünf Hektar wachsen. Dazu kommen weitere zwei Hektar an der Bernauer Straße, an denen die von den Gaststätten Mauersegler und Schönwetter sowie dem sonntäglichen Flohmarkt genutzten Gewerbeflächen gesichert werden. Im Gegenzug erhielt die Grundstückseigentümerin Baurecht für das 3,5 Hektar große Areal oberhalb des Gleimtunnels.

Anwohner forderten größere Parkfläche

Genau daran hatte sich jahrelanger heftiger Streit entzündet, denn Anwohnerinitiativen hatten gefordert, dass das gesamte Güterbahnhofsgelände – wie einstmals vorgesehen – Parkfläche werden soll. Doch nachdem im Herbst 2015 schließlich auch das Berliner Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der rot-schwarzen Koalition dem städtebaulichen Vertrag zugestimmt hatte, steht den Bauarbeiten nun nichts mehr im Weg.

"Im Mai dieses Jahres beginnen wir mit den Bauarbeiten für die Erweiterung des Mauerparks", informierte Geisel. Das Parkareal wird nun in mehreren Bauabschnitten von bislang neun Hektar um weitere fünf Hektar wachsen. Neben Liegewiesen und befestigten Wegen soll es auch feste Toilettenhäuschen und Grillplätze geben. "Dass die Bauarbeiten so lange dauern , liegt daran, dass die Berliner Wasserbetriebe unter dem Parkgelände einen 700 Meter langen Stauraumkanal errichten", sagte der Senator.

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