Hochschulen

Ansturm auf Berlins Unis: Ein Professor für 93 Studenten

Die Betreuung an Berliner Unis hat sich erneut verschlechtert. An der Technischen Universität ist die Lage "dramatisch".

Die Betreuungsrelation an Berliner Hochschulen verschlechterte sich im Jahresvergleich  erneut

Foto: Gero Breloer / picture alliance / dpa

Die Betreuungsrelation an Berliner Hochschulen verschlechterte sich im Jahresvergleich erneut

Berlin.  Der große Andrang auf die Berliner Universitäten hält an. Doch die ungebrochene Attraktivität der Hochschulen hat eine Kehrseite: Ein Professor muss immer mehr Studierende betreuen.

An den Universitäten der Hauptstadt kommen auf einen Professor 66 Studierende – so sieht es auch im Bundesdurchschnitt aus. Das zeigen das Uni-Barometer 2015 des Magazins "Forschung & Lehre" sowie Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg. Basis sind Zahlen von 2014.

Die Betreuungsrelation verschlechterte sich im Jahresvergleich damit erneut. Besonders schwierig ist die Situation an der Technischen Universität (TU). Hier kamen 2014 auf einen Professor 93 Studierende.

>> Kommentar: Berliner Universitäten stoßen an ihre Grenzen

TU-Vize spricht von "dramatischen Zahlen"

Von "dramatischen Zahlen" spricht auch Professor Hans-Ulrich Heiß, Vizepräsident für Studium und Lehre an der TU, gegenüber der Berliner Morgenpost. Die Zahl der Studierenden an seiner Hochschule übersteige die der Studienplätze sehr deutlich. Heiß berichtet von einer 30- bis 40-prozentigen Überlast.

Weil die Wirtschaft Absolventen aus den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik benötige, sei die TU bereit, die Überlast zu tragen. Aber: "Damit hat die Opferbereitschaft des Lehrpersonals und der Studierenden der TU ihre Grenze erreicht." Ob das bedeutet, dass die TU am Ende auch ihre Politik der Öffnung – für viele Bachelorstudiengänge gibt es inzwischen keinen Numerus clausus mehr – überdenken wird, ließ er offen: "Soweit sind wir noch nicht." Die Situation verbessern sollen rund 20 neue Juniorprofessuren aus dem Programm des Berliner Kreises zur Digitalisierung.

Quote 1:116 bei den Juristen der HU

An der Humboldt-Universität (HU) betreute im Jahr 2014 ein hauptamtlicher Professor 68 Studierende. Auch hier hat sich das Verhältnis gegenüber dem Vorjahr etwas verschlechtert. Aber: Betrachtet man die drei am stärksten nachgefragten Studienfächer, sehen die Zahlen noch weitaus ungünstiger aus. "Bei den Juristen haben wir für 2014 eine Quote von 1:116, in der Psychologie von 1:83 und in den Wirtschaftswissenschaften von 1:79", sagte Professor Michael Kämper-van den Boogaart, HU-Vizepräsident für Studium und Internationales.

Dass immer weniger Studenten eine Chance bekommen, Professoren persönlich kennenzulernen, ist der HU und anderen Universitäten zumindest nicht allein anzukreiden. Durch die Hochschulverträge mit dem Land Berlin haben sich die Berliner Universitäten auf eine sogenannte Halteverpflichtung einlassen müssen. "Diese bedeutet in der Praxis, dass wir bei einem annähernd konstanten Landeszuschuss zusätzliche Studierende aufnehmen müssen. Dies führt zwangsläufig zu einer Verschlechterung der Betreuungsrelation", so der HU-Vizepräsident. "Zweifellos ist es ein richtiges Ziel, hinreichend viele Studienplätze anzubieten, aber die müsste man dann natürlich auch ausfinanzieren." Dass sich der Trend negativ auf die Lehre auswirke, lasse sich schwerlich bestreiten, so Kämper-van den Boogaart.

Bessere Betreuungsverhältnisse im Ausland

Die Freie Universität (FU) steht mit einem Schlüssel von einem Professor auf 64 Studierende etwas besser da als TU und HU. "Die Betreuungsrelation ist an der Freien Universität über die gesamte Hochschule betrachtet in den letzten Jahren zwar stabil, aber nicht vergleichbar mit den deutlich besseren Betreuungsverhältnissen an Universitäten wie zum Beispiel Cambridge", sagt FU-Präsident Peter-André Alt. In den Seminaren einer englischen Universität arbeitet ein Professor mit zehn Studierenden.

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