Prozess in Berlin

"Wie im Film": Nachbarin sexuell angegriffen und getötet

Ein Mann hat seine Nachbarin sexuell missbraucht und ihr dann die Kehle durchtrennt. Der Angeklagte sagt: "Alles lief ab wie im Film".

Der Angeklagte Stephan G. (r.) steht in Berlin vor Gericht

Foto: dpa

Der Angeklagte Stephan G. (r.) steht in Berlin vor Gericht

Nach einer tödlichen Messerattacke gegen eine 59-Jährige in Berlin-Staaken hat ihr Nachbar vor dem Landgericht gestanden. Er habe die Frau in ihrer Wohnung sexuell angegriffen und mit einem Messer in der Hand verfolgt, als sie entkommen wollte, gab der 37 Jahre alte Stephan G. am Mittwoch zu Prozessbeginn zu. An den Schnitt, mit dem er laut Anklage dem Opfer die Kehle durchtrennte, könne er sich aber nicht erinnern. Dem Industriemechaniker wird Mord zur Verdeckung einer Sexualstraftat zur Last gelegt.

Stephan G. sagte, er habe am Morgen des 16. Juli 2015 bei der Nachbarin geklingelt. Er sei angetrunken und nach einem Streit mit seiner Verlobten aufgewühlt gewesen. Eigentlich habe er sich Hilfe holen wollen. Die 59-Jährige habe ihm einen Kaffee angeboten. Als sie ins Bad ging, sei er ihr gefolgt und zu ihr in die Wanne gestiegen. Sie habe um Hilfe gerufen. "Ich weiß nicht, warum ich sie nicht gehen lassen wollte, ich zog sie ins Schlafzimmer", sagte der 37-Jährige.

Den Ermittlungen zufolge soll Stephan G. der sich verzweifelt wehrenden Frau vielfach Schläge gegen den Kopf versetzt und sich an ihr vergangen haben. Um nicht als Sexualverbrecher festgenommen zu werden, habe er "den Kopf des Opfers nach hinten überdehnt und ihm in Tötungsabsicht einen tiefen Halsschnitt versetzt", heißt es in der Anklage.

Nach Streit mit Freundin ausgerastet

Der Industriemechaniker und sein Opfer kannten sich seit etwa sechs Jahren. Er habe der allein lebenden Nachbarin manchmal geholfen und sei vor der Tat einmal in ihrer Wohnung gewesen, so der Angeklagte. Sexuell habe er sich aber nicht zu ihr hingezogen gefühlt. Die Nacht vor der Tat habe Stephan G. nach Vorwürfen seiner eifersüchtigen Verlobten im Garten des Wohnhauses verbracht. "Dann lief alles ab wie in einem Film. Ich kann es bis heute nicht verstehen", sagte der 37-Jährige.

Nach der Bluttat hatte der Angeklagte versucht, sich das Leben zu nehmen. Er habe mehrfach auf sich eingestochen und sei dann vom Balkon gesprungen, schilderte der 37-Jährige. Schon früher habe er, der oft von Schuldgefühlen geplagt werde, Suizidversuche unternommen. Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt.

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