Nach Köln und Hamburg

Sexuelle Übergriffe zu Silvester auch in Berlin

Auch auf der Partymeile vor dem Brandenburger Tor hat es sexuelle Übergriffe gegeben. Keine massenhaften Attacken wie in Köln.

Polizisten auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor

Polizisten auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor

Foto: Britta Pedersen / dpa

Nach den sexuellen Übergriffen in Köln und Hamburg in der Silvesternacht werden jetzt auch Fälle in Berlin bekannt. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat es auf der Silvestermeile vor dem Brandenburger Tor mindestens drei Fälle von sexuellen Belästigungen gegeben.

Ein Sprecher der Berliner Polizei bestätigte, dass direkt auf der Party-Meile jeweils zwei Frauen von je einem Mann sexuell belästigt worden seinen. In beiden Fällen seien die mutmaßlichen Täter aufgrund der Anzeigen festgenommen worden. Bei den Festgenommenen handelt es sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um zwei Männer aus dem Irak und aus Pakistan. Beide sind in einem Flüchtlingsheim gemeldet.

Ein weiterer Vorfall sei nach Angaben eines Polizeisprechers in der Neujahrsnacht gegen zwei Uhr angezeigt worden. Eine Touristin hatte angegeben, in einer Grünanlage in der Nähe der Paulstraße unweit der Silvestermeile von drei bis fünf Männern bedrängt und sexuell genötigt worden zu sein.

Vorfälle auch in Prenzlauer Berg und Kreuzberg

Schließlich habe sich am Dienstag eine Frau bei der Polizei gemeldet, die angab, am Silvesterabend gegen 21.30 Uhr vor einer Musikbühne auf der Festmeile von mehreren Männer unsittlich angefasst worden zu sein. Auch in diesem Fall laufen nach Angaben des Polizeisprechers die Ermittlungen noch.

Außerhalb der Silvesterparty auf der Straße des 17. Juni seien in der Nacht zu Neujahr stadtweit noch zwei weitere Fälle von sexueller Belästigung angezeigt worden. Einmal in Prenzlauer Berg und in einem anderen Fall im Bereich des U-Bahnhofs Yorckstraße in Kreuzberg. Auch hier laufen die Ermittlungen noch. Im Falle des sexuellen Übergriffs in Prenzlauer Berg wurde ebenfalls ein Tatverdächtiger festgenommen. Es soll sich dabei um einen Deutschen handeln. Der Polizeisprecher betonte, dass es in Berlin keine Hinweise auf "massenhafte sexuelle Übergriffe wie in Köln oder Hamburg gibt".

In Berlin sei bislang eher die Methode von Taschendieben bekannt, ihre Opfer anzutanzen. Die Leute würden umarmt und seien dann abgelenkt. "Und hinterher ist das Portemonnaie weg." Wenn Täter fremde Menschen anfassen, konzentrierten die sich meist auf Abwehr und achteten in dem Moment nicht auf ihre persönlichen Sachen, so der Sprecher.

Zum Vergleich: Silvester 2014/15 wurden laut Polizei direkt auf der Festmeile drei Fälle von sexueller Belästigung gezählt. Es gab laut Polizei im gesamten Jahr 2014 stadtweit 684 Anzeigen wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung.

Mehr als 100 Strafanzeigen in Köln

In Köln hatten sich am Silvesterabend etwa 1000 Männer auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt, die mit Feuerwerkskörpern um sich warfen. Als die Polizei einschritt, bildeten sich kleinere Gruppen. Danach sollen Frauen sexuell bedrängt und ausgeraubt worden sein, mehr als 100 Strafanzeigen gingen bislang ein.

Auch die Berliner Polizei suchte via Twitter zeugen zu den Vorfällen in Köln und Hamburg:

In das Entsetzen und die Ohnmacht angesichts der Übergriffe in mischt sich nun auch Empörung über eine Empfehlung von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Ihre Aussage, Frauen könnten "eine Armlänge" Distanz zu fremden Männern halten, um sich zu schützen, hatte harsche Kritik ausgelöst.

Sicherheitsvorkehrungen überdenken

Die Berliner Polizei will die Übergriffe in Köln nun in eigene Sicherheitsüberlegungen einbeziehen. Bei Großveranstaltungen seien in Berlin ohnehin stets viele Beamte im Einsatz. Bei der jetzt anstehenden Fashion Week sei zunächst der Veranstalter für die Sicherheit verantwortlich. Die Polizei sei aber im Umfeld präsent, so der Sprecher. Bei der Modewoche vom 19. bis 22. Januar steht ein großes Zelt mit Laufsteg am Brandenburger Tor.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte zu den Vorfällen in Köln und Hamburg gesagt: "Es ist unerträglich und zutiefst verstörend, wie kriminelle Sexbanden hier mitten in unserem Land Jagd auf Frauen machen konnten. Rechtsfreie Räume oder No-Go-Areas für Frauen darf es in deutschen Städten nicht geben. Da muss der Rechtsstaat mit aller Härte durchgreifen und die Betroffenen schützen."

Zur Startseite