Datenschutz in Berlin

Datenleck bei BVG: Technik für Fahrcard wird abgeschaltet

Aus der VBB-Fahrcard lassen sich Bewegungsprofile der Fahrgäste auslesen. Nun muss die BVG die Lesegeräte wieder abschalten.

Eine VBB-"FahrCard" neben einem Handy mit der Anwendung "mytraQ"

Eine VBB-"FahrCard" neben einem Handy mit der Anwendung "mytraQ"

Foto: Alexander Uhl / Heidi Senska

Seit Monaten rüsten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ihre Fahrzeuge mit Ticket-Lesegeräten für die VBB-Fahrcard aus. Bereits 900 der rund 1300 Busse sind mit der neuen Kontrolltechnik ausgestattet. Nun muss die BVG die Geräte wieder abschalten.

Zuvor hatte der Berliner Fahrgastverband Igeb aufgedeckt, dass die Kontrollgeräte auf den Tickets hinterlassen, an welcher Haltestelle und zu welcher Zeit der Fahrgast in den Bus einer bestimmten Linie eingestiegen ist.

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Entgegen der Zusicherung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) und der am Verbund beteiligten Verkehrsunternehmen könnten so genaue Bewegungsprofile der Fahrkarten-Inhaber erstellen. "Die Igeb hat keine grundsätzlichen Einwände gegen die neue Technik. Aber sie lehnt jegliche Speicherung von Bewegungsprofilen ab", sagte der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe am Montag.

VBB-Fahrcard soll Papierfahrscheine ersetzen

Die VBB-Fahrcard wird von den Verkehrsunternehmen seit 2012 eingeführt. Das Ticket im Scheckkartenformat soll schrittweise den Papierfahrschein ersetzen. Nach Angaben des Verkehrsverbundes sind bislang rund 350.000 elektronisch lesbare Tickets ausgegeben worden – vorzugsweise an Abonnenten von Monatskarten. Bei der BVG sind allein 220.000 Stammkunden inzwischen Inhaber einer Fahrcard, die S-Bahn hat 127.000 ihrer insgesamt 206.000 Abonnenten entsprechend ausgestattet.

Die Igeb hat mittels der frei verfügbaren Smartphone-App mytraQ herausgefunden, dass "beliebige elektronische Fahrkarten" ausgelesen werden können. Das berichtet der Fahrgastverband in seiner aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Signal. Der Test ergab, dass "Datum, Uhrzeit sowie die Station, an der die Fahrcard an einem Kontrollgerät vorbeigeführt wurde", ein klares Bewegungsprofil des Benutzers ergeben.

BVG bestätigt Datenleck

BVG-Sprecher Markus Falkner bestätigt das Datenleck. Die neue Kontrolltechnik befinde sich derzeit in der Pilot- und Testphase.

Vor wenigen Wochen habe sich herausgestellt, dass die fest montierten Lesegeräte in den Bussen die vom Fahrgastverband genannten Daten auf die Karten schreiben. "Dies ist nicht vorgesehen und nicht von uns beabsichtigt", betonte Falkner.

Kontrolltechnik wird vorübergehend abgeschaltet

Der Hersteller sei sofort aufgefordert worden, den Fehler schnellstmöglich zu beheben. Bis dahin werden die Kontrolltechnik in den Bussen "nach und nach vorübergehend abgeschaltet". Wegen der großen Zahl von Geräten können dies aber noch zwei bis drei Tage dauern. Eine Inbetriebnahme des Systems werde es erst nach der endgültigen Fehlerbehebung geben. Die mobilen Ticket-Kontrollgeräte, die BVG-Kontrolleure in U-Bahnen und Straßenbahnen verwenden, würden keine Daten auf die Karten schreiben, versicherte der BVG-Sprecher.

Angesichts der aktuellen Datenpanne fordert die Igeb, dass jedem Fahrgast wahlweise auch die herkömmliche Papierkarte angeboten werden muss– zumindest solange, bis bei der elektronischen Fahrkarte nachweislich keine Bewegungen mehr registriert werden.

Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Signal ist ab 4. Januar im Igeb-Fahrgastzentrum im S-Bahnhof Lichtenberg und ab 6. Januar im Fach- und Zeitschriftenhandel erhältlich.

Morgenpost-Stichprobe bestätigte Datenleck

Eine Stichprobe der Morgenpost mit einer Fahrcard hatte zuvor ergeben, dass man mithilfe der App auslesen kann, wann und wo der Besitzer der Karte in den Bus gestiegen ist. Nicht jeder Besitzer einer Fahrcard ist automatisch betroffen. Die Karte registriert die Informationen, wenn sie in einem Bus an ein kontaktloses Lesegerät gehalten wird. Das ist notwendig, damit der Fahrer die akustische Bestätigung bekommt, dass die Karte gültig ist. Außerdem können laut Igeb die Daten auch gespeichert werden, wenn die Fahrcard von einem Kontrolleur mit einem Lesegerät ausgelesen wird.

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